Schopfheim Ausschuss tritt aufs Gaspedal

Schopfheim - Wohnen über der Werkstatt: Die Bauvoranfrage eines Autohauses mit Sitz in Gündenhausen verleitet Stadträte und Stadtverwaltung dazu, aufs planungsrechtliche Gaspedal zu treten.

Der Autohändler möchte auf dem Flachdach seines langgezogenen Betriebsgebäudes eine zweigeschossige Wohnanlage mit zwölf Wohneinheiten errichten – und rennt damit bei der Stadt offene Türen ein. Eigentlich.

Denn die Sache hat einen Haken: Das Autohaus liegt in der „Kleinen und obere Schleife“, einem Gewerbegebiet, in dem Wohnraum nur sehr begrenzt zulässig ist, in Form von jeweils einer Betriebswohnung pro Grundstück nämlich.

Insofern blieb dem Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung keine andere Wahl, als die Anfrage abzulehnen. Das Gremium verknüpfte diesen Beschluss jedoch zugleich mit der Zusage, mit einen städtebaulichen Entwicklungskonzept die planungsrechtlichen Weichen für das Projekt zu stellen – und zwar so schnell wie möglich.

Das war besonders dem potenziellen Bauherren ein Anliegen. „Uns brennt die Sache unter den Nägeln“, erklärte er in der Fragestunde zu Beginn der Ausschusssitzung. Sein Unternehmen benötige für die eigenen Mitarbeiter und für künftige Fachkräfte „dringend bezahlbaren Wohnraum“, sagte er. Fast die Hälfte der Beschäftigten sei mittlerweile zugezogen und tue sich schwer, auf dem hart umkämpften Wohnungsmarkt eine Bleibe zu finden. „Wir können unsere Neubaupläne nicht auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben“, wandte er sich ans Gremium.

Sein Appell verhallte nicht ungehört. Das Geld für das erforderliche städtebauliche Gesamtkonzept sei bereits im Haushalt 2021 eingeplant, betonte Bürgermeister Dirk Harscher. Der Gemeinderat sei sich schon in der Klausurtagung einig gewesen, das Projekt „zeitnah“ in angriff zu nehmen.

Das Stadtoberhaupt bezeichnete die Pläne des Autohauses als „gute Idee“, man dürfe sie allerdings nicht isoliert betrachten. Sie müssten planungsrechtlich vielmehr in ein Gesamtkonzept eingebunden sein, das die gesamte Achse zwischen den beiden Kreisverkehren in Gündenhausen und beim Friedhof umfasse.

„Eine Gesamtplanung muss her“, bekräftigte auch Thomas Gsell. Grundsätzlich sei an den Wohnungsbauplänen des Autohauses nichts einzuwenden, kämen sie doch ohne weiteren Flächenverbrauch aus, so der SPD-Stadtrat. Fraglich sei indes, wer das städtebauliche Konzept erarbeite. Wenn die Stadt dies in Eigenregie bewerkstelligen wolle, könnte es aufgrund der personellen Situation im Bauamt eventuell „zu lange dauern“, meinte Gsell.

„Wir können das nicht selber machen“, bestätigte Bau-Fachbereichsleiterin Karin Heining. Man müsse die Planung extern vergeben. Es benötige „mindestens“ zwei bis drei Jahre, ehe das städtebauliche Konzept stehe.

Das rief Thomas Kuri auf den Plan. Diese Zeitprognose sei nicht haltbar, widersprach der CDU-Stadtrat. Falls die Verwaltung die Planung gleich zu Jahresbeginn an ein externes Büro vergebe, gehe das garantiert schneller. Kuri sah in der Bauvoranfrage des Autohauses die „Chance für urbanes Wohnen“ und betonte, für die Flächen an der Achse zwischen Gündenhausen und Friedhofskreisel gebe es eine „ganze Handvoll Interessenten“. Allerdings dürfe die Stadt keinen „Wildwuchs“ zulassen. Umso dringender sei deshalb ein städtebauliches Gesamtkonzept.

„Wir möchten die Planung auch forcieren“, betonte der Bürgermeister. Eine Wartezeit von drei oder vier Jahren wäre in der Tat frustrierend.

Auf ein Gesamtkonzept pochte auch Andreas Gsell. Er wollte dies aber nicht nur auf die Achse zwischen Gündenhausen und Friedhof beziehen. Es gebe noch viele andere, uralte Bebauungspläne, die dringend zu überarbeiten wären, mahnte der sachkundige Bürger. „Wir können nicht immer einen einzelnen herauspicken, nur weil ein Antrag vorliegt“.

Bauamtsleiterin Karin Heining war der gleichen Meinung. Ein „Hopplahopp“ nur wegen einer Bauvoranfrage komme nicht in Frage. Ein Gesamtkonzept sei in ein oder zwei Jahren allerdings nicht machbar.

Ungeachtet dessen forderte Karlheinz Markstahler (Freie Wähler) für die Anfrage des Autohauses eine „schnelle Lösung“. Eine Verzögerung von fünf Jahren sei nicht in Ordnung.

„Wir sollten nicht rumeiern“, fasste das Stadtoberhaupt zusammen, zumal es noch viele andere „gute Ideen“ für diese wichtige Entwicklungsachse gebe.

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