Schopfheim „Besser kann ein Wechsel nicht sein“

Schopfheim - Sie haben rein gar nichts gescheut: nicht die strapaziösesten Anreisen, die längsten Flüge in der Holzklasse, die schwierigsten OP-Bedingungen, Eingriffe unter einfachsten Bedingungen, Hitze, Kälte, Moskitos, das wochenlange Zusammengepferchtsein mit Kollegen auf engstem Raum, bürokratischste Hürden - jetzt haben Marianne und Günter Zabel die Leitung der Interplast-Sektion Schopfheim in jüngere Hände gelegt.

„Wir übergeben die Leitung an Andreas Rudolph und Marita Steine­brunner“, teilte Günter Zabel am Mittwoch offiziell mit. Die finanziellen Dinge seien geregelt, und sobald das Handelsregister in Frankfurt die Übergabe bestätigt hat, sind alle Formalitäten erledigt. Auch die Interplast-Hauptversammlung hat den Antrag auf personellen Wechsel genehmigt.

Die Bezeichnung „Ära“ wird gerne inflationär verwendet – hier aber ist sie goldrichtig. Während der Ort Schopfheim deutschlandweit gesehen eher unbekannt ist, merken die Menschen in Hilfs- und Ärztekreisen sofort auf, wenn von der gleichnamigen Interplast-Sektion die Rede ist – uneingeschränktes Verdienst der Zabels.

Als der plastische Chirurg und die OP-Schwester 1993  /94 die hiesige Sektion gründeten, war die Arbeit von Interplast in der heimischen Bevölkerung nahezu unbekannt. Heute denkt bei „Interplast“ jeder an die Zabels, „Interplast“ ist ein Begriff geworden, eine Einrichtung, für man gerne spendet.

Vor 25 Jahren musste das Team noch schauen, wie die Flugkosten zusammenkamen, „heute sind wir mit dem Spendenaufkommen zufrieden“, sagen die Zabels. Zwar schwimme die Sektion nicht im Geld, aber ein Polster sei vorhanden, die Unterstützung der Menschen gut.

„Die Zabels haben es geschafft, dass aus einer kleinen Gruppe ein gesunde Basis gewachsen ist“, zeigt sich der neue Sektionsleiter Andreas Rudolph voll des Lobes. Die Langfristigkeit ist gegeben, die Arbeit kann fortgeführt werden. Der plastische Chirurg Andreas Rudolph, Chefarzt am Schopfheimer Kreiskrankenhaus, ist schon seit vielen Jahren mit von der Partie - vom legendären „Interplast-Virus“ befallen, wie alle schmunzelnd diagnostizieren.

Rudolph hat bereits zahlreiche Einsätze hinter sich, in Guatemala, Kamerun und Burkina Faso, und auch OP-Schwester Marita Steine­brunner ist seit mehr als zehn Jahren dabei – Kontinuität ist gegeben. In vielerlei Hinsicht übrigens, denn auch medizinisch war und ist es so, dass jeder jüngere Kollege vom älteren Techniken lernte, vor allem solche, die in Deutschland gar nicht gelehrt werden, weil etwa bestimmte Tumore oder Verbrennungsfolgen aufgrund der Sofortversorgung nicht auftauchen.

„In drei Wochen Interplasteinsatz lernt man mehr als in zwei Jahren in Deutschland“, habe mal ein Arzt gesagt. Andreas Rudolph betont, die Teilnehmer lernten auch das Sparen und das Improvisieren. Da man selber einkaufen müsse, was für die OP benötigt wird, weiß man, was es

„Man wird bescheiden“

koste. „Das hat allen gut getan, die mal dabei waren“, so Rudolph. „Man wird bescheidener“, ergänzt Marita Steine­brunner.

Für die Zabels ist die Leitungsübergabe nach einem Vierteljahrhundert mit 50 Einsätzen in Pakistan, Indien, ­Vietnam, Guatemala, Bolivien und natürlich Kamerun ein persönlicher Einschnitt, der allerdings deutlich leichter falle, weil die Nachfolger sehr erfahren seien und die Arbeit fortführen werden, wie Günter Zabel betont.

„Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist“, sagt OP-Schwester Marianne Zabel, die auch die Kassenverwaltung übernommen hatte und diese nun an ihre Kollegin Marita Steine­brunner weitergibt. Dass stets ein Team auch mit Fachkräften aus den Krankenhäusern im Landkreis Lörrach zusammengestellt werden konnte, freut die Zabels ungemein.

Marianne und Günter Zabel sind nach all den Jahren und vielen Erlebnissen auch dankbar, dass sie stets das notwendige Quäntchen Glück hatten. „Solche Einsätze sind nicht ungefährlich“, sagen sie und erinnern etwa an die Straßenverhältnisse in den jeweiligen Ländern. Zu größeren Unfällen oder Erkrankungen sei es nicht gekommen, zu manch brisanter Situation aber schon.

Andreas Rudolph und Marita Steinebrunner werden sich nun noch weiter einarbeiten, bevor es zum nächsten OP-Einsatz kommt. Die versierten Nachfolger können ebenfalls auf ein Team zurückgreifen, das vom speziellen „Interplast-Virus“ regelrecht befallen ist. „Besser kann ein Wechsel gar nicht sein“, unterstreicht Günter Zabel.

Wer die Arbeit der Sektion Schopfheim von Interplast unterstützen will:

Bankverbindung: Sparkasse Wiesental. IBAN: DE85 6835 1557 0003 1977 79. BIC: SOLADES1SFH.

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

  • Bewertung
    2

Newsticker

blank

Umfrage

Debatte über CO2-Steuer

Wären Sie bereit, für den Klimaschutz deutliche Einschnitte im Leben zu akzeptieren?

Ergebnis anzeigen
loading