Schopfheim Bluesprediger aus Kalifornien

Markgräfler Tagblatt
Frontman Jimmie Wood gab alles. Foto: Veronika Zettler Foto: Markgräfler Tagblatt

Von Veronika Zettler

Schopfheim/Weil. Die Imperial Crowns konnten es anscheinend kaum abwarten, beim ersten Konzert ihrer neuen Europa-Tournee loszulegen. Klaus Deuss, Organisator der Konzertreihe vom Verein Exbluesive, war noch mitten in der Ansage, als die Musiker im Hintergrund mit immer schnelleren und drängenderen Takten dazwischenfuhren. Ein bisschen erinnerte es an einen brechenden Staudamm (natürlich irgendwo im Mississippi-Delta): Schnell, gewaltig und mit lautem Getöse ergoss sich der Bluesrock schließlich über das Publikum.

Die Kirche St. Agathe in Fahrnau hätte gut noch ein paar Zuhörer mehr vertragen beim Auftritt der Imperial Crowns aus Los Angeles. Aber selbst in Kalifornien ist der Montag als der am wenigsten ausgehfreudige Tag verschrien: „Danke, dass Ihr gekommen seid, obwohl Ihr morgen wieder arbeiten müsst“, grinste Frontmann Jimmie Wood.

Einen passenderen Auftrittsort als die Kirche dürfte es indes kaum geben für die Crowns, die sich nicht nur in ihrem Stück „Preachin’ The Blues“ als Blues- und „Love“-Prediger verstehen. Obendrein standen Gitarrist J.J. Holiday und Sänger Jimmie Wood schon mit den Blues Brothers John Belushi und Dan Aykroyd auf der Bühne – und die sind bekanntlich im Namen des Herrn unterwegs.

Auch sonst können die beiden eine stattliche Referenzliste aufweisen. Bei Wood reicht das Spektrum der musikalischen Partner von Bruce Springsteen bis Megadeth. J.J. Holiday spielte unter anderem mit Bob Dylan zusammen und arbeitet seit vielen Jahren für Johnny Depp.

Bei ihrer gemeinsamen Formation Imperial Crowns ergänzen sich die beiden wie Yin und Yang. Neben dem Energiebündel Jimmie „The Dynamic“ Wood, der durchweg mit vollem Körpereinsatz dabei war und weder in den Höhen noch in den Tiefen gesangliche Strapazen scheute, wirkte J.J. Holiday, ein wahrer Meister der Slidegitarre, wie die personifizierte Coolness. Umso erstaunlicher, dass es ab 2007 völlig still um die Band wurde.

Mit dem 2016 vorgelegten Album „The Calling“ knüpfen die Crowns aber nahtlos an den pumpenden Sound früherer Scheiben an und verrühren Blues mit (überwiegend hartem) Rock sowie ein paar Handvoll Country, Rockabilly und Punk zum dampfenden Gebräu. Im satten, zugleich höchst wandelbaren Sound flackern zudem unzählige Einflüsse wie Momentaufnahmen auf: John Lee Hooker und Howlin’ Wolf ebenso wie die Stones oder Led Zeppelin.

Stimmungsmacher Wood, an der Mundharmonika so ekstatisch wie als Sänger, brachte mit seiner Tochter Rachel gesangliche Unterstützung nach Schopfheim mit. Ebenfalls dabei: Billy Sullivan am Schlagzeug und James Carter am Bass. Im Gepäck hatten die Imperial Crowns überwiegend neues Material, darunter „I Gotta Right“, „Miz Aphrodite“ und „Liberate“ – allesamt Stücke, in denen der Blues frisch geboren, aber mit allen musikalischen Wassern gewaschen daherkommt.

Dem Konzert in Fahrnau folgte am Dienstag ein Auftritt im Weiler Kesselhaus.

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