Schopfheim Brandbrief gegen Klinik-Kahlschlag

Anja Bertsch
Das Schopfheimer Krankenhaus muss einen großen Teil seiner bisherigen Aufgaben abgeben. Foto: Anja Bertsch

Umstrukturierung Kreiskliniken: Schopfheimer Gemeinderatsfraktionen zeigen sich bestürzt / Appell an Harscher

Angesichts der geplanten Umstrukturierung der Kreiskliniken (Details s. unten) wenden sich die Gemeinderatsfraktionen in einem gemeinsamen „Brandbrief“ an Bürgermeister Dirk Harscher und fordern ihn auf, sich für die Erhaltung des Schopfheimer Standortes in seiner jetzigen Form einzusetzen.

Von Anja Bertsch

Schopfheim. „Mit großer Bestürzung“ habe man der Presse entnommen, dass die Kliniken des Landkreises „plötzlich und überstürzt eine Auflösung des Standortes Schopfheim planen“, erklären die Fraktionen (Grüne, SPD, CDU, Freie Wähler und Unabhängige)  in dem Brief – und zeigen ihr Unverständnis angesichts der Position Harschers, der die Pläne in einer ersten Reaktion als „nachvollziehbar“ bezeichnet hatte.

„Aus unserer Sicht bedeuten eine Schließung des Schopfheimer Klinikstandortes: Keinerlei medizinische Grundversorgung mehr in Schopfheim und für das Wiesental, sei es chirurgisch, wie Platzwunden, Schnittverletzungen, Verstauchungen, oder Brüche, als auch bei internistischen Notfällen wie Lungenentzündung, Brustschmerzen oder Magen-/Darmblutungen. Alle Patienten müssen weiter nach Lörrach oder Rheinfelden“, heißt es in dem Brief. Gerade in Lörrach aber seien die Strukturen „völlig unzureichend“: „Die Notaufnahme platzt bekanntermaßen jetzt schon aus allen Nähten und Wartezeiten von mehreren Stunden sind die Regel. Diese Überlastung würde sich noch deutlich verschärfen“, kritisieren die Gemeinderäte.

„Massiv längere Fahrzeiten“

Großer Kritikpunkt ist die Erreichbarkeit der künftigen Anlaufpunkte für diejenigen, die von Schopfheim oder gar dem Oberen Wiesental aus medizinische Hilfe benötigen. „Viele Ambulanzpatienten und Besucher kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln.“ Die Anbindung an das Kreiskrankenhaus Rheinfelden mit dem ÖPNV aber sei für die Wiesentäler Bevölkerung „äußerst lückenhaft bis miserabel“, kritisiert der Brief – ein Problem, das auch die Mitarbeiter unmittelbar betreffe, die den Rheinfelder Standort zu den Randzeiten (Frühschicht) schlicht nicht erreichen könnten.

„Den Mitarbeitern werden erhebliche zusätzliche Wegezeiten, Kosten und Einschränkungen aufgebürdet, ohne einen ausreichenden Planungszeitraum zu geben.“ Bestehende familiäre Strukturen, etwa zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, könnten in dieser Kurzfristigkeit nicht angepasst werden.“ Kündigungen enttäuschter Mitarbeiter seien zu befürchten.

Sinnhaftigkeit der Umstrukturierung in Frage gestellt

Grundsätzlich stellen die Gemeinderäte die Sinnhaftigkeit der Umstrukturierung mit Blick auf ihren Zweck – Einsparungen angesichts eines 18 Millionen-Euro-Defizits der Kliniken GmbH – in Frage. Zumindest fehlten Infos, die die Entscheidung unter diesem Aspekt nachvollziehbar machen könnten, so der Vorwurf. „An welcher Stelle kann in welcher Höhe durch eine Verlagerung der betroffenen Betriebsteile von Schopfheim nach Rheinfelden eingespart werden? In welchem Verhältnis stehen dazu die zusätzlichen Kosten des Umstrukturierungsprozesses?“

Und: „Warum schließt man gerade das Kreiskrankenhaus (KKH) Schopfheim, das unseren Informationen zufolge das Haus ist, das im Vergleich zu seiner Größe am rentabelsten ist?“

„Warum gerade das Schopfheimer Haus?“

Im Zuge dessen stelle sich auch die Frage, wie wirtschaftlich ein in Teilen leerstehendes Gebäude ist, so die Fraktionen mit Blick auf die das Schopfheimer Gebäude.

„Wir finden das Vorgehen der Verantwortlichen der Kreiskliniken insbesondere gegenüber ihren Mitarbeitenden äußert befremdlich“, heißt es: „Diese fühlen sich regelrecht vor den Kopf gestoßen, da mit den betroffenen Mitarbeitern weder im Vorfeld der Entscheidung noch aktuell geredet wurde.“

„Vorgehen äußerst befremdlich“

Die Diabetologie Schopfheim und die angeschlossene Ambulanz habe einen überregional anerkannt guten Ruf. Eine Verlagerung weg von Schopfheim bedeute „unverantwortliches Zerstören gewachsener und bewährter Strukturen.“„Der Kreis Lörrach kann die Versorgungssituation erst zulänglich leisten, wenn mit der Fertigstellung des Zentralklinikums die Strukturen dafür geschaffen sind. Aus unserer Sicht wurde Schopfheim schon wieder übergangen, nachdem es ja niemals ernsthaft zur Debatte für das neue Zentralklinikum stand“, halten die Fraktionen fest – und schließen mit einem Appell an Bürgermeister Harscher und den Beigeordneten Schmitz: „Bitte setzen Sie sich zum Wohle der Bürger Schopfheims und seiner Umgebung für den Verbleib des KKH Schopfheims bis zum Bezug des Zentralklinikums ein.“

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