Schopfheim „Das war der Wahnsinn“

Schopfheim - Sicher: Paris ist nicht Schopfheim. Notre-Dame nicht die Stadtkirche. Und doch war für alle Schopfheimer der Schock gleich groß, als im Sommer vor 23 Jahren ein Großbrand die evangelische Stadtkirche verwüstete.

„Das war der Wahnsinn“, erinnerte sich der damalige Stadtpfarrer Michael Hoffmann heute noch lebhaft an die dramatischen Ereignisse jener Nacht von Samstag auf Sonntag (20./21. Juli). „Es war eine ganz schwere Erfahrung“, so Hoffmann, „in der ganzen Stadt herrschte große Betroffenheit“.

Das verheerende Feuer hatte einen Millionenschaden angerichtet – die Flammen vernichteten nicht nur die Holzempore im rechten Seitenschiff und wertvolle Kirchenfenster, sondern auch die damals noch ziemlich neue Schuke-Orgel.

Erst acht Jahr zuvor für mehr als eine halbe Million Mark erbaut, war sie nunmehr ein Wrack mit zerschmolzenen Pfeifen. Auch die historische Voit-Orgel war nahezu zerstört. Mit verkohlten Bänken, verrußten Wänden, dem beschädigten Altar und der angekokelten Kanzel bot das Gotteshaus ein Bild des Jammers.

„Vollbrand unter der Empore“

Das Inferno war kurz nach Mitternacht ausgebrochen. Als die Feuerwehr vor Ort eintraf, loderten im Seitenschiff die Flammen schon lichterloh. „Vollbrand unter der Empore“, stellte der damalige Feuerwehrkommandant Bernd Schwöble fest. Die Hitze war so groß, dass die Feuerwehr zunächst gar nicht ins Kircheninnere vordringen konnte. „Zum Glück konnten wir durch die zerborstenen Fenscher löschen“, so Schwöble im Rückblick. Dadurch habe man verhindern können, dass die Flammen aufs Gewölbe und den hölzernen Dachstuhl durchschlagen. „Dann wäre die Kirche weg gewesen“, so das Urteil des Feuerwehrkommandanten.

Trotzdem richtete die Feuersbrunst einen Schaden in Höhe von rund vier Millionen Mark in und an der Stadtkirche an, die erst ein paar Jahre zuvor renoviert worden war.

Schon in der Brandnacht legten sich Kripo und Sachverständige ziemlich eindeutig auf Brandstiftung als Ursache für das Feuer fest – zu recht. Der Täter wurde später gefasst und verurteilt.

„Dass es Brandstiftung war, hat uns damals ganz besonders getroffen“, erinnert sich Michael Hoffmann, „so etwas hätte niemand für möglich gehalten“ – obwohl es wenige Jahre zuvor in der Stadt schon einmal eine Brandserie gegeben hatte, der unter anderem auch der „Pflug“ zum Opfer gefallen war.

Welle des Mitgefühls und der Hilfsbereitschaft

Wie jetzt in Frankreich löste der Kirchenbrand indes auch in Schopfheim eine Welle des Mitgefühls und der Hilfsbereitschaft aus. So standen die katholischen Glaubensbrüder den Protestanten zur Seite und boten ihnen für Gottesdienste ihre Kirche St. Bernhard als Ausweichmöglichkeit an. Und binnen kurzem gingen bei der evangelischen Kirchengemeinde für den Wiederaufbau der Stadtkirche Spenden in Höhe von knapp 100 000 Mark ein.

„Diese bemerkenswerte Solidarität war aller Erschütterung zum Trotz dann auch wieder eine wertvolle Erfahrung“, so Michael Hoffmann, der mittlerweile als Pfarrer in Weil am Rhein wirkt. Habe es sich doch wieder einmal gezeigt, dass ein Kirchengebäude „vielen Menschen sehr viel bedeutet - auch solchen, die sonst zur Institution Kirche auf Distanz gegangen sind“.

Eine Kirche sei für viele Menschen halt auch Symbol für Frieden und Versöhnung und stifte ein Stück weit Identität, glaubt Hoffmann. So ein Unglück wie jetzt in Paris oder damals in Schopfheim hebe die besondere Bedeutung eines Bauwerks hervor, das ansonsten wie selbstverständlich zum Stadtbild dazugehöre.

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