Schopfheim Ein Bierteich und Gemütlichkeit

Die Sonne schien über der Grienmatt, der Wettergott hatte allen Unkenrufen der Wetterfrösche zum Trotz den Regler auf „schön“ gedreht. Und Benjamin Brenzinger konnte die Lampions des Musikvereins zum ersten Lichterfest rund um die Villa Musica einschalten.

Von Hans-Jürgen Hege

Schopfheim-Fahrnau. Alle zwei Jahre finde das Fest statt, erzählte der MV-Vorsitzende. Vor vier Jahren brannten die Laternen zum letzten Mal um St. Agathe. Dann sollten sie erstmals auf dem eigenen Gelände zünden. Dieser Versuch scheiterte allerdings, fiel buchstäblich ins (Regen-)Wasser, und die Musiker wagten einen neuen Anlauf.

Und der gelang, zumindest am ersten Tag, ganz prima, trotz einem etwas holprigen Beginn, weil zum reibungslosen Festauftakt nun mal ein zünftiger Fassanstich gehört – und ein gestandenes Mannsbild, das den Hammer zu schwingen versteht. So eines wie Thomas Gsell.

Doch dem Bürgermeisterstellvertreter schwante schon auf dem Weg zum Fass nichts Gutes. „Beim letzten Mal ging es in die Hose“, warnte er die Gäste, die dem Fass am nächsten saßen vorsorglich. „Aber ich hoffe, dass es dieses Mal klappt.“ Und dann standen sie sich gegenüber, das kleine Fass und der große Mann mit dem Zapfhahn und dem Holzhammer in der Hand. Zwei Schläge nur, dann stand Gsell schon einer mittelgroßen Pfütze, die an Umfang weiter zunahm, weil der Hahn einfach nicht in den Spund passen wollte. Helfer fanden sich ein, die das Fässchen in die Horizontale kippten.

Nun konnte der feuchte Spaß von vorne oder besser von oben beginnen: Dichtungsring rein (den hatte man zuvor vergessen), Hahn drauf, ein Schlag – und jetzt machte es sich bezahlt, dass die vorderen Plätze von den Zuschauern geräumt worden waren.

Der Schuss ging nach vorne los

Der Hahn saß nun zwar dicht, aber er war offen. Und da die Öffnung, die normalerweise nach unten zeigt, waagrecht nach vorne zielte, nicht rechtzeitig geschlossen worden war, ging der „Schuss“ nach vorne los – und das alles sehr zur (Schaden-)Freude der Gäste des Musikvereins, die natürlich keine Angst haben mussten zu verdursten, weil Benjamin Brenzinger bei seiner Begrüßung den „GAU“ sicherlich vorausgesehen und angekündigt hatte, dass „der Musikverein nicht nur dieses eine Fass und damit Bier genug“ zur Verfügung habe, falls etwas schief gehen sollte.

Die Gläser füllten sich dann genauso schnell, wie der Bierteich versiegte. Die „Blechmeisen“ begannen auf die Pauke zu hauen, und die Gastgeber, die sich für eine Aufgabenteilung entschieden und den Platz hinterm Notenpult gegen die Arbeit an den Theken getauscht hatten, sorgten sich mit Pommes, Kartoffelsalat, Würsten, Brezen und frittierten Champions ums leibliche Wohl der Besucher, die nach und nach eintrudelten und das Lampionfest rund um die „Villa“ mit Leben füllten. Zusammen mit einem Thomas Gsell, der den kleinen Lapsus von zuvor mit Humor abhakte und bekannte: „Meine Eltern wussten schon, warum sie mich keinen Handwerkerberuf erlernen ließen.“

Spät in der Nacht des ersten Abends und am „Tag zwei“ des Lampionfestes machte der Musikverein einfach gute Miene zum bösen Spiel des Wettergottes. Die Brassband „Holzlos“ unterhielt die überschaubare, aber rundherum fröhliche Gästeschar nach dem Auftritt der „Blechmeisen“ auch ohne „Holz“ grandios.

Und am Sonntag „flüchteten“ die „fidelen Dorfmusikanten“ zusammen mit den Frühschoppengästen in die „Villa Musica“, die das Team um den Vorsitzenden Benjamin Brenzinger wegen des Regens in Windeseile zum Festschopf umgestaltet hatte. Schade nur, dass die Lampions ohne zu leuchten im Regen an ihren Schnüren baumelten und die Hüpfburg des Energiedienstes unbeachtet in der Ecke stand.

Wetterkapriolen mit Humor genommen

Aber: „Es ist gemütlich. Und das ist die Hauptsache“, meinte Brenzinger. Und sein Stellvertreter Patrik Bender freute sich, dass alle Beteiligten die Wetterkapriolen „mit Galgenhumor“ hinnahmen und wie später auch die Musiker aus Dossenbach, die es mit Benjamin Brenzinger gehalten hatten, der Überlegungen, die Dossenbacher auszuladen, verwarf und grinste: „Wir sind auch alle da. Dann sollen die ruhig auch kommen. Wir ziehen das jetzt durch.“ Nicht die schlechteste Idee. Schließlich hatten die Gäste von der anderen Seite des Dinkelbergs ihre Vorbereitungen auf die Brassnight im Festschopf am 14. September „liebend gerne“ unterbrochen, um den Fahrnauern zeigen zu können, dass der musikalische „Hammer“ auch bei Ihnen ziemlich hoch hängt.

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