Schopfheim Ein klingendes Schmuckstück

Jürgen Scharf
Beim Einweihungskonzert der Eichener Truhenorgel: Christoph Bogon (Orgel), Ceciel Strouken (Cello) und Ina Barbara Schabbon (Sopran). Foto: Jürgen Scharf

Es war nicht die offizielle Einweihung der neuen Eichener Orgel – sie soll in einem Gottesdienst noch folgen –, aber es war nach Worten von Bezirkskantor Christoph Bogon eine Art „Preview-Einweihung“. Zumindest war es das Einweihungskonzert der neuen, sehr attraktiven Truhenorgel aus der Schwörstädter Orgelbauwerkstatt von Jens Steinhoff.

Von Jürgen Scharf

Schopfheim-Eiche n. Das alte Instrument war, wie berichtet, klanglich und technisch in die Jahre gekommen und versieht jetzt in Langenau in einem kleineren Raum seinen Dienst, während die neue Orgel mit mehr klanglicher Substanz in der selben Ecke in der Eichener Kirche ihren Platz gefunden hat.

Bevor sich Bogon ans Instrument setzte und ein paar auf die Orgel zugeschnittene Stücke spielte – nicht zuletzt mit vokaler Unterstützung seiner Frau Ina Barbara Schabbon (Sopran) und der Cellistin und Leiterin der Eichener Sonntagsmusiken, Ceciel Strouken –, zeigte er sich dankbar nach der mehrjährigen Geschichte um den Bau dieses Instruments.

Wie man hören konnte, hat die Orgel zwei schöne Klangfarben sowie fünf Register mehr als die alte und punktet durch mehr Klang. Auch ist noch ein Pedal dazu gekommen, das der Organist an ein paar wenigen Stellen vorführte.

Der „Trick der Orgel“ ist schon bekannt: Die Truhe ist mobil und kann für Auftritte und Chorarbeit in die Stadtkirche ausgeliehen werden. Wobei Bogon gleich humorvoll beschwichtigte: „Keine Angst, wir klauen die Orgel nicht, wir bringen sie immer wieder rüber“.

Als die ersten Töne von Bachs Präludium und Fuge C-Dur aus dem „Wohltemperierten Klavier“ verklungen waren, wusste man, dass die lang ersehnte Orgel über einen wirklich schönen Klang verfügt, den man „mit Freude genießen“ kann, wie Ceciel Strouken sagte.

Auch optisch attraktiv

Die Sonne schien durch die Kirchenfenster, es war endlich schönes Wetter und ein festliches Auftaktkonzert. Allein schon optisch präsentiert sich die Truhe aus Eichenholz attraktiv.

Selbst beim Zuhörer auf der Empore ließ sich der reine und feine Klang ausmachen, etwa in den zwei kleinen Geistlichen Konzerten von Heinrich Schütz, dem Vater der Deutschen Musik. Dass Schütz der größte Deklamator zwischen Luther und Bach war, zeigten die beiden Motetten. Die drei Interpreten, Bogon am Manual mit Blick zur Gemeinde, die Cellistin und die Sopranistin, ließen eine impetuose Darstellung der geistlichen Musik von Schütz hören, angenähert eher an Frühbarock als an die Vor-Generalbass-Zeit.

Sehr wirkmächtig erklang eine Motette von Claudio Monteverdi, in der Ina Schabbon stimmlich und stimmtechnisch beeindruckte, nachdem sie schon bei Schütz sängerisch eine gute Figur gemacht hatte. In „O stellae coruscantes“ des zu Lebzeiten berühmten „Divino Claudio“ zeigte Schabbon, warum von dieser Musik noch heute ein Faszinosum ausgeht.

Kleines Schmankerl

Das gewichtigste Orgelhauptwerk dieses Benefizkonzerts für den Verein „Rainbow House of Hope“ war die Partita über „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ des zu seiner Zeit sehr berühmten Lüneburger Organisten Georg Böhm.

Es ist Christoph Bogon zu verdanken, dass eines seiner Orgelwerke, die bei der Vor-Bachschen Orgelmusik lange ein Schattendasein führten, reanimiert und hervorragend zum Klingen gebracht wurde – in allen Registern bis zum Tutti. Eine schöne Geste, als der Interpret nach Böhm der Orgel applaudierte.

Als kleines Orgel-Schmankerl erklang noch Mozarts Adagio für Glasharmonika in hohen Stimmen. Dass sich die neue Eichener Truhenorgel auch für barocke Kammermusik eignet, war abschließend bei der Sonate Nr. 2 von Bach zu erleben. Virtuos von Strouken und Bogon in den schnellen, ja rasanten Allegro-Sätzen genommen und ausdrucksbetont in den langsamen Sätzen, in guter Duo-Abstimmung.

Wie man hören konnte, ist die Truhenorgel mit ihrem großen Prinzipal nicht nur hübsch anzuschauen, sondern ein klingendes Schmuckstück. Aus gegebenem Anlass war die Zugabe aus dem Gesangbuch mit dem Wunsch nach Frieden in der Welt.

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