Schopfheim Eine Oase der Ruhe für Trauernde

Bei der Einweihung des „Sternchenfelds“ auf dem Friedhof Schopfheim: Jürgen Schmid, Jürgen Sänger und Fabienne Haumesser.(von links). Foto: Hans-Jürgen Hege

Schopfheim  - „Fern bei den Sternen und doch so nah“: Auf dem Friedhof der Markgrafenstadt können jetzt kleinste Kinder ihre letzte Ruhestätte finden, die den Schritt ins Leben nicht geschafft haben.

Mit dem Segen des Gemeinderats und des Bürgermeisters sowie auf Betreiben des 2014 gegründeten Arbeitskreises Friedhof entstand in den Monaten März bis Juli mitten zwischen den vielen Gräbern eine rund 100 Quadratmeter große, umzäunte Oase der Stille und der Besinnung: das „Sternchenfeld“.

Dessen offizielle Einweihung fand am gestrigen Mittwoch statt. Jürgen Sänger, Jürgen Schmid und Fabienne Haumesser von der Stadtverwaltung stellten vor, was aus der von Bürgermeister Dirk Harscher hochgelobten „tollen Idee“ des Arbeitskreises geworden ist.

Umrahmt von Rosenhecken, die als Sichtschutz dienen sollen, bekommen Eltern ab sofort Gelegenheit, tot- oder viel zu früh geborene Kinder mit einem Gewicht von unter 500 Gramm unter einem Baum in einer kleinen, sternförmigen Wiese zu bestatten, ohne besondere Vorschriften beachten zu müssen.

Auf einem Grünstreifen rundum dürfen, so Fabienne Haumesser, Früh- oder Fehlgeburten mit mehr als 500 Gramm beigesetzt werden, ohne an irgendwelche gestalterische Einschränkungen oder Auflagen gebunden zu sein.

Und es verstehe sich von selbst: „In allen Fällen kostenlos“, wie Jürgen Sänger versicherte. Eine Gebühr sei lediglich dann fällig, wenn Eltern den Namen ihres Kindes in kleinen Wolken und Sternen verewigen wollen.

Diese sind auf der Gedenksäule in der Mitte zwischen den vier Sitzbänken angebracht. erklärte Fabienne Haumesser, an die sich Interessenten übrigens auch wenden können, wenn sie das Sternchenfeld in Anspruch nehmen wollen.  

2014 bereits habe der AK Friedhof unter Federführung der „sachkundigen Bürger“ Dieter Leppert und Klaus Strütt die Anlage des Sternchenfeldes angeregt, hieß es bei der kleinen Einweihungsfeier. Es habe zwar von allen Seiten Zustimmung gegeben. Aber die Ausführung verzögerte sich, weil der AK noch andere „Baustellen“ im Bereich der Friedhöfe abzuarbeiten hatte.

Dazu gehörte beispielsweise jene am Friedhof in Fahrnau, der nach Abschluss der Sanierung ein richtiges Schmuckstück geworden sei und seit Fertigstellung viel Lob von allen Seiten ernte, hieß es.

Ursprünglich, so Fachbereichsleiter Jürgen Sänger, habe man die „Sternchen“ in einem ganz anderen Bereich des Friedhofs in Schopfheim unterbringen wollen. Im Oktober 2019 aber nahm Jürgen Schmid, bei der Stadt für die Friedhöfe zuständig, die Planung noch einmal unter die Lupe.

Als Ergebnis seiner Überlegungen stellte er den Entscheidungsträgern ein Konzept vor, in dessen Mittelpunkt das Bemühen steht, die Trauernden „vom Präsentierteller“ wegzurücken und ihnen einen wesentlich anonymeren Platz anzubieten, an dem sie in aller Ruhe trauern können.

Sowohl Stadtverwaltung als auch Gemeinderat kamen wie er zur Einsicht, dass der Tod eines Kindes halt doch etwas anderes sei, als wenn ein alter Mensch stirbt, und beschlossen, den geänderten Plan in die Tat umzusetzen.

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