Schopfheim Eine schlagfertige Spezialeinheit

Eine Festschrift befindet sich in Arbeit, es sind eigentlich alle Vorbereitungen abgeschlossen, doch Corona verhindert, dass die Freiwillige Feuerwehr Wiechs wie geplant an diesem Wochenende ihr 150-jähriges Bestehen feiern kann.

Von Ralph Lacher

Schopfheim-Wiechs. Man habe die Festivität auf Ende Juli 2021 verschoben, sagt Abteilungskommandant Johannes Ressel. Er erinnert daran, dass die Freiwillige Feuerwehr in Wiechs 1870 gegründet wurde und schon bald mehrmals zur Brandbekämpfung auch in Nachbargemeinden ausrückte.

Noch im Gründungsjahr wurde eine Feuerwehrspritze angeschafft. Diese befindet sich noch immer im Besitz der Wehr, sie wurde aufwändig restauriert, steht im Kutschenmuseum der Familie Hauri und wird bei historischen Umzügen gerne mit und vorgeführt.

1883 wurde eine Musikabteilung angegliedert. 1893 beschloss man bei der Generalversammlung, dass Wehrmänner ab dem 50. Lebensjahr keinen aktiven Dienst mehr zu leisten brauchen. 1895 feierte man das 25-jährige Bestehen, unter anderem mit einem großen Festzug. Aus dem Jahr 1917, also aus dem Ersten Weltkrieg, ist überliefert, dass aufgrund der Kriegs-Absenz von vielen Wehrleuten ein Großbrand von den nur mit Wassereimern anrückenden Frauen und Kindern aus dem Dorf nicht gelöscht werden konnte.

1922 bezog die Feuerwehr das von der Gemeinde neu erstellte Spritzenhaus beim Farrenstall. Im Juli 1930 suchte ein schweres Unwetter drei Stunden lang das Dinkelbergdorf heim. Sturzbäche schossen die Straßen herunter, überschwemmten Höfe, Scheunen und Keller. Nicht nur die Wehrleute waren im Einsatz. Anwohner errichteten gegen die Wassermassen Barrikaden aus Baumstämmen und anderem Material.

In den sechs Jahren des Zweiten Weltkriegs leisteten so viele Männer aus dem Dorf Kriegsdienst, dass wegen der personellen Notsituation der Feuerwehr eine Hilfsfrauengruppe gegründet wurde. Ein Jahr nach Gründung der Bundesrepublik, also 1950, erhielt die Wiechser Feuerwehr einen modernen Tragkraftspritzenanhänger. Der kam in den 1950er Jahren mehrfach zum Einsatz bei meist eher kleineren Brandereignissen, die die Feuerwehr stets schnell in den Griff bekam.

In den 1960er Jahren wurden weitere moderne Gerätschaften und Fahrzeuge angeschafft. Ende Juli 1970 feierte die Feuerwehr Wiechs ihr 100-jähriges Bestehen mit einem großen Fest. In diesem Jahr wurde auch die Jugendfeuerwehr gegründet, der neun Jugendliche aus dem Dorf beitraten. Ab den 1960er Jahren wurde die Feuerwehr Wiechs zur Verstärkung bei der Bekämpfung von Bränden immer wieder ins Tal, nach Schopfheim, Langenau oder Fahrnau, herbei gerufen. Mit den Kollegen aus Schopfheim und Langenau galt es 1971, den Großbrand des Ökonomieteils des Landgasthofes „Krone“ zu löschen.

Im Zuge der Gemeindereform 1975 verlor nicht nur das Dorf Wiechs seine Selbstständigkeit, sondern auch die örtliche Feuerwehr. Sie ist seither Teil der Gesamtfeuerwehr Schopfheim. In den vielen Jahren investierte die Wehr in die Aus- und Weiterbildung, erhielt so ihre Leistungsfähigkeit und bestätigte diese mit diversen Abzeichen.

1980 konnte nach langer Zeit des Suchens und Wartens im ehemaligen Rathaus und damit in direkter Nachbarschaft zum Gerätehaus ein Mannschafts- und Unterrichtsraum bezogen werden. Voller Stolz kamen die Wiechser Wehrleute vom Wettkampf für das silberne Leistungsabzeichen des Landesverbandes in Tuttlingen zurück: Als erste Gruppe der gesamten Feuerwehr Schopfheim errangen die Wiechser das Feuerwehrleistungsabzeichen Baden Württemberg in Gold.

In den 1980er und 1990er Jahren veränderte sich das Leistungsprofil der Wehr auch in Wiechs. Verkehrsunfälle, Hilfeleistungen unterschiedlicher Art, etwa bei Naturkatastrophen wie Unwettern, wurden wichtiger, größere Brände blieben zumindest im Dinkelbergdorf selbst weitgehend aus. 1992 erhielt die Wehr einen neuen Mannschaftstransportwagen. 1995 wurden das 125-jährige Bestehen der Aktivwehr gemeinsam mit dem 25-jährigen der Jugendfeuerwehr begangen. 1999 erhielt die Wehr das neue LF 8/6,das immer noch Dienst tut unter der Funkbezeichnung „Florian Schopfheim 4/42“. Der Mannschaftstransportwagen ist im Funkverkehr „Florian Schopfheim 4/19“.

Seit zehn Jahren ist Johannes Ressel Abteilungskommandant der Wiechser Feuerwehr. Diese hat aktuell 28 aktive Mitglieder, darunter zwei Frauen. Auch unter den 19 Mitgliedern der Altersmannschaft gibt es eine Frau.

Zusammen mit der Abteilung Stadt bildet die Abteilung Wiechs seit 2017 den Gefahrgutzug der Feuerwehr Schopfheim. Als Spezialeinheit innerhalb der Feuerwehren beschäftigt sich der Gefahrgutzug etwa mit Chemieunfällen und unkontrollierten Gasaustritten. Ziel ist es immer, Gefahren die von chemischen Stoffen ausgehen, für Mensch, Tier und Umwelt soweit als möglich einzugrenzen und im besten Fall zu beseitigen.

Stets war in der Wiechser Feuerwehr die Kameradschaftspflege ein wichtiges Anliegen. Auch an dörflichen Aktivitäten wie der Instandsetzung des Hohe-Flum-Turms, dem Bau des Musikverein-Schopfes oder der Aussegnungshalle und weiteren Arbeitseinsätzen oder dem Dorffest beteiligten sich die Wehrleute. Weitere Aktivitäten sind die Maischenke, das Fasnachtsfeuer, Papiersammlungen, Nistkästen kontrollieren, Zeltlager für den Nachwuchs und Ausflüge für die Aktiven.

Da alle Jugendwehrleute im vorigen Jahr in die Aktivtruppe wechselten, hat man im September neue Wege beschritten und eine Kindergruppe ins Leben gerufen. Ihr gehören 17 Kinder ab sieben Jahren an.

Proben finden aber seit Mitte März weder für die Nachwuchsformation noch für die Aktiven statt. Nachdem man das Fasnachtsfeuer am ersten Samstag im März noch ausrichten konnte, wurden alle anderen Veranstaltungen abgesagt. Abteilungskommandant Johannes Ressel hofft nun darauf, dass nach dem Schulferien auch wieder Feuerwehr-Proben möglich sind.

Im Jubiläumsjahr 2020 war ein Festwochenende geplant mit einem Festbankett am Freitag, einem Dorfabend am heutigen Samstag und einem Festgottesdienst, Frühschoppenkonzert, Familientag mit diversen Vorführungen von Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen am Sonntag. Schauplatz hätte der MGF-Schopf oberhalb des Schützenhauses sein sollen. Die Veranstaltung wurde coronabedingt auf 2021 verschoben.

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