Schopfheim „Erinnerung verblasst immer mehr“

Mordanschläge auf Synagogen, Ausländerhass, Leugnen des Holocaust: Fast scheint es so, als seien Lehren aus der deutschen Geschichte und der Nazibarbarei heute in Vergessenheit geraten. Umso wichtiger ist deshalb, das Andenken an einen wie Max Metzger hochzuhalten.

Von Werner Müller

Schopfheim (wm). Diese Auffassung vertritt eine Gruppe um August Bichelmeier und Pfarrer Martin Schmitthenner, die dem Schopfheimer Märtyrerpriester im Rahmen der alljährlichen Ökumenischen Friedensdekade jetzt eine eigene Veranstaltungsreihe widmet.

Anlass ist der 75. Todestag Max Metzgers, den die Nazis wegen seiner pazifistischen Gesinnung zum Tode verurteilten und am 17. April 1944 hinrichteten. August Bichelmeier hatte dazu im April Vorträge gehalten und die Idee einer Gedenkveranstaltung ins Gespräch gebracht (wir berichteten).

Diese Anregung stieß nicht nur bei evangelischen und katholischen Kirchengemeinden auf fruchtbaren Boden. In Zusammenarbeit mit Evangelischer Erwachsenenbildung, Stadt Schopfheim, Waldorfschule, Max-Metzger-Schule und VHS stellte die Gruppe eine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen und Gottesdiensten auf die Beine, in deren Mittelpunkt eine zehntägige Ausstellung mit 18 großen Tafeln über Max Metzgers Leben und Wirken steht. Diese gründet zum Großteil auf Material der ersten Schopfheimer Ausstellung über den Friedenaktivisten aus dem Jahr 1987, die danach als Wanderausstellung mit großem Erfolg im gesamten deutschsprachigen Raum zu sehen war.

Die Ausstellung ist während der üblichen Öffnungszeiten in der Sparkasse Schopfheim zu sehen. Die Vernissage findet statt am Dienstag, 12. November, um 19 Uhr. August Bichelmeier führt in die Thematik ein, Chor und Orchester der Walddorfschule umrahmen die Eröffnung mit Liedern, die aus der Feder von Max Metzger stammen.

„Gerade heute müssen wir wieder an Menschen denken, die unsere Demokratie vorangebracht haben“, betont Martin Schmitthenner und würdigt die Initialzündung von August Bichelmeier.

Der wiederum freut sich, dass sein Vorstoß auf so große Resonanz gestoßen ist. „Die Erinnerung an das Dritte Reich und den Weltkrieg verblasst immer mehr“, bedauert der ehemalige Geschichtslehrer am THG. „Rechte Gesinnungen und Taten kommen wieder auf“, beobachtet Bichelmeier und befürchtet, dass die „Wirkkraft“ der Lehren aus jener Zeit nachlässt: „Wir machen heute wieder ähnliche Fehler wie damals“.

Im Falle Max Metzger stehe zu befürchten, dass man künftig an die wichtigen Jahrestage seines Lebens und Sterbens nicht mehr denken werde. „Für junge Leute ist das Steinzeit“, so Bichelmeier, der im Rahmen der Reihe am Mittwoch, 13. November, um 19.30 Uhr im Kulturcafé selbst einen Vortrag über Max Metzger hält.

Mit ihren Aktionstagen vom 12. bis 22. November mit insgesamt sieben Veranstaltungen will die Initiativgruppe denn auch ein Gegensignal aussenden und den Schopfheimer Priester und Pazifisten „als wichtige und in die Zukunft weisende Gestalt“ würdigen.

Weitere Informationen: https://ekibaschopfheim.de/html/aktuell/aktuell_u.html?&cataktuell=&m=8938&artikel=20683&stichwort_aktuell=&default=true

Sonntag, 10. November, um 10 Uhr: Eröffnungsgottesdienst zum Motto „Friedensklima“ in der evangelischen Stadtkirche (Martin Schmitthenner)

Dienstag, 12. November, um 19 Uhr in der Sparkasse: Vernissage zur Ausstellung „Max Josef Metzger – Leben und Werk“ (Dauer bis 22. November, Gruppenbesuch nach Anmeldung bei Jeannette Kipf, Tel. 076222/696-221)

Dienstag, 12., bis Freitag, 22. November: „Warum trägt die Max Metzger-Schule diesen Namen?“ (Schulinterne Veranstaltungen mit den Klassen drei und vier)

Mittwoch, 13. November, um 19.30 Uhr im Kulturcafé der Kulturfabrik: „Ein Leben für den Frieden – Max Josef Metzger (1887 - 1944)“, Vortrag mit Präsentation von August Bichelmeier (Eintritt 7 Euro)

Donnerstag, 14. November, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus: „Max Josef Metzger – Pionier der Friedensbewegung“, Vortrag von Ludwig Rendle, Verfasser eine Biographie über Max Metzger

Mittwoch, 20. November, um 19 Uhr in der evangelischen Stadtkirche: Ökumenischer Gottesdienst an Buß- und Bettag mit Pfarrer Martin Schmitthenner und Markus Weber von Pax Christi

Freitag, 22. November, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus: „Sicherheit neu denken – von der militärischen zur zivilen Friedenssicherung“, Vortrag von Theodor Ziegler, Mitglied im Leitungskreis des Forums Friedensethik in der Evangelischen Landeskirche.

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