Schopfheim Erschütterndes Psycho-Drama

Rebellion auf der psychiatrischen Station: Mc Murphy (Marlon Birgel, mit Mütze) stachelt seine Mitpatienten gegen die strenge Oberschwester Ratched (Jana Joeken) auf. Foto: Jürgen Scharf Foto: Markgräfler Tagblatt

Die meisten werden bei dem Titel „Einer flog über das Kuckucksnest“ die Verfilmung mit Jack Nicholson im Kopf haben. Der Spielfilm von Milos Forman von 1975 hat das Buch von Ken Kesey erst so richtig bekannt gemacht. Nach dem Roman hat Dale Wasserman eine Bühnenversion eingerichtet, die in sehr beeindruckenden Aufführungen der Theater-AG des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG) in der Aula auf die Bühne kommt.

Von Jürgen Scharf

Schopfheim. Es ist ein Drama in der Psychiatrie, spannend bis zur letzten Minute, und auch so von Lukas Engelke, dem künstlerischen Leiter und Regisseur der Theatergruppe „TheoPlusTheaMaxi“ inszeniert. Randle McMurphy, ein Straftäter, der sich in eine psychische Anstalt einweisen lässt, um dem Gefängnis zu entgehen, weil er meint, eine Irrenanstalt sei besser als der Knast, wird bald eines Besseren belehrt.

Das Regime in dieser Anstalt ist schlimmer als die schlimmste Einzelhaft. McMurphy, Soziopath und aufmüpfiger Draufgänger, rebelliert gegen das System in Gestalt der menschenverachtenden, boshaften Oberschwester Ratched, hat aber keine Chance. Sein bester Verbündeter unter den Neurose-Patienten ist der vermeintlich taubstumme Indianerhäuptling Bromden.

Die Rollen sind beim THG-Theater doppelt besetzt, es gibt zwei komplett andere Abendbesetzungen, so dass jede Vorstellung total anders ist und die Charaktere unterschiedlich ausgearbeitet sind. 35 Beteiligte, inklusive Bühnentechnik, wirken mit. Das Publikum sitzt auf einer Tribüne und blickt auf die Spielebene wie in eine Arena, wo sich das Drama und der Psychoterror abspielen.

In der zweiten Aufführung am Samstagabend, die wir besucht haben, war Marlon Birgel der beeindruckende Einzelkämpfer Randle. Frustriert und rebellisch, ein energiegeladener Youngster, der seine Frustration überzeugend rüberbringt.

Wer ist der Oberirre?

Das Stück beginnt noch einigermaßen harmlos. Wieder mal ein mieser Montag. Die Patienten rücken zur Medikamenten-Ausgabe und zur Gruppensitzung an. Wer ist der Oberirre? Neuling McMurphy macht erste Schwierigkeiten, sucht Verbündete unter den unter Persönlichkeitsstörungen leidenden Patienten auf dieser angeblich von den Insassen basisdemokratisch verwalteten Station. Bald wird er den „Engel der Barmherzigkeit“ (Jana Jauk als vordergründig freundliche, aber grausame Oberschwester) mit Glücksspiel, Basketball, Fernseh-Revolte, Kriegstanz und einer wilden Party in der Klapsmühle samt zwei jungen eingeschleusten Dirnen herausfordern. Mit dem Ergebnis: Behandlung, Bestrafung, Elektroschock-Therapie und schließlich Lobotomie, eine hirnchirurgische Operation.

Hat McMurphy noch über den „10 000 Volt-Psychopathen“ gewitzelt, liegt er jetzt bewegungslos mit Kopfverband auf der Bahre. Was dann passiert, sei einmal offen gelassen, denn das Stück wird ja noch zwei Mal aufgeführt. Und man sollte es sich unbedingt anschauen, sei es auch düster und beklemmend, so hinterfragt es doch Therapiekonzepte, Lebensbedingungen, geistige Einschränkungen, Bevormundung von Schwachen und Unterdrückten und zeigt den Versuch des Widerstands gegen Willkür und Unmenschlichkeit ebenso wie die Erkenntnis, dass Verrücktsein keine Schwäche ist.

In der Schockkammer

Interessant sind in der Inszenierung auch einige der anderen Hauptpersonen dargestellt. Etwa das scheue stotternde Muttersöhnchen Billy (Jonas Joeken), der klug daherredende Sprecher des Patientenrats (Paul Künsting) und der Häuptling (Imke Ohlsen), der mit McMurphy den Abzählreim „Einer flog über das Kuckucksnest“ vorträgt und in inneren Monologen mit seinem Vater spricht, wobei diese Szenen mit Video unterlegt sind.

Stark und erschütternd ist die Schockkammer-Szene, als Schattenriss mit Lichtblitzen inszeniert. Das Bühnenbild ist eine Gemeinschaftsarbeit der Klassen. Aber das Ganze steht und fällt mit dem Lehrer Lukas Engelke, der seit 15 Jahren Theater am THG macht und eine heterogene Schülergruppe zu einem beachtlichen (Theater)-Team vereint hat.

< Weitere Aufführungen am 18. und 19. Oktober, jeweils 20 Uhr, Aula des THG, empfohlen für Erwachsene und Jugendliche ab Klassenstufe acht. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.

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