Schopfheim Frühschwimmen schlägt Wellen

Raue See im Oberfeld: Die Wellen der Empörung schlagen hoch im Freibad – von „klarem Vertragsbruch“ ist sogar die Rede.

Von Werner Müller

Schopfheim . Diesen Vorwurf erhebt zumindest Fritz Lenz in einem Schreiben an die Stadt, sein eigentlicher Adressat ist allerdings der private Betreiber des Badetempels, das Sport- und Freizeitmanagement mit Sitz in March.

Lenz wirft sich im Namen von 176 Frühschwimmern in die Fluten, weil diese seiner Meinung nicht zu ihrem Recht kommen. Sie alle hätten, so der passionierte Schwimmer, mit dem Erwerb der „Saisonkarte Frühschwimmer“ mit dem Badbetreiber „schriftlich einen Vertrag“ geschlossen, der sie zwischen 29. Juni und 30. September zum morgendlichen Eintritt in das Freibad berechtige. Nun aber habe er erfahren, dass der Betreiber diesen Zeitraum „rechtswidrig“ um 16 Tage kürzen und das Bad bereits am kommenden Wochenende schließen wolle.

Dies sei „ein klarer Bruch“ des mit den Frühschwimmern geschlossenen Vertrags, „der nicht hingenommen werden kann“, so Lenz. Er bitte deshalb die Stadtverwaltung, die mit dem Badbetreiber vor der Wiedereröffnung des Bades doch wohl alle Konditionen abgesprochen habe, auf die Einhaltung des Termins am 30. September zu bestehen.

Die Frühschwimmer hätten darauf einen Rechtsanspruch, so Lenz weiter. Bei seinem Vorstoß geht es ihm nach eigenen Angaben aber auch um alle anderen Badegäste, die gerne weiter schwimmen wollen und sich in den vergangenen Jahren stets geärgert hätten, wenn das Bad trotz schönen Wetters zu früh geschlossen war.

Im Rathaus hält sich der Wellengang nach Empfang der Beschwerde indes in Grenzen. „Eine Verlängerung der Saison bis zum 30. September war zwischen Stadt und Betreiber nie im Gespräch“, teilt Remko Brouwer vom Tiefbauamt dem Absender mit.

Die Verwaltung habe mit dem Betreiber vielmehr vereinbart, dass das Schwimmbad – „wie jedes Jahr“ – bis Ende der Sommerferien geöffnet bleibt. Bezüglich der Frühschwimmer habe man vereinbart, dass die Saisonkarte für die vereinbarten Dauer der Saison gültig sei.

Diese Position vertritt auch Christopher Kunz. „Die Saison endet wie immer mit Ablauf der Sommerferien“, betont der Geschäftsführer von Sport- und Freizeitmanagement. Bis 30. September sei das Freibad in den 15 Jahren, in denen sein Unternehmen als Betreiber verantwortlich sei, „noch nie“ offen gewesen. Man habe, bei entsprechenden Temperaturen, allerhöchstens noch ein paar Tage an die Saison drangehängt – aber nie länger als bis 15. oder 16. September.

Wie dennoch auf die Frühschwimmer-Saisonkarte der 30. September als Ablaufdatum kommen konnte, vermag Kunz nicht hundertprozentig nachzuvollziehen. Wegen der Corona-Pandemie habe man im Juni binnen weniger Tage die Badöffnung organisieren und vor allem erstmals den Eintritt ausschließlich übers Internet regeln müssen.

Dazu habe man sich eines Online-Anbieters bedient, so Kunz. Tageskarten waren kein Problem, für die Saisonkarten indes habe der Dienstleister ein voraussichtliches Ablaufdatum eintragen müssen. So sei vermutlich „sicherheitshalber“ der 30. September auf die Tickets geraten. „Das Datum stammt aber nicht von uns“, versichert Kunz

Ein Trost für Frühschwimmer und alle anderen Wasserratten: Trotz des offiziellen Saisonendes am kommenden Sonntag muss mit dem nassen Vergnügen noch nicht Schluss sein. „Wir überlegen“, erklärt Christopher Kunz, „ob wir das Bad bei gutem Wetter doch noch zwei bis drei Tage länger öffnen werden.“

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