Schopfheim Furioses Saisonfinaleim Krafft-Areal

Jürgen Scharf
Große Begeisterung löste das Abschlusskonzert der Saison bei Klassik im Krafft-Areal mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim aus. Foto: Jürgen Scharf

Der Publikumszuspruch war da, der Enthusiasmus auch: Das Konzert mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim und der Pianistin Andrea Kauten war ein wunderbarer Abschluss der diesjährigen Saison „Klassik im Krafft-Areal“.

Von Jürgen Scharf

Schopfheim-Fahrnau. Die Zuhörer waren hin und weg nach dem f-Moll-Klavierkonzert von Frederic Chopin, hatte doch gerade der Finalsatz mit dem stilisierten polnischen Tanz ungeheure rhythmische Zugkraft bewiesen. Dieser Satz mit der Mazurka lag bei Andrea Kauten, der Hauspianistin und künstlerischen Leiterin der Reihe, in besten Händen – gehört das Konzert doch zur Spezies der Virtuosenkonzerte. Das Orchester hat in dem Moment, wenn das Soloinstrument einsetzt, mehr begleitende Funktion, und die Soli wirken wie Auftritte einer Primadonna.

Da gab es in den Ecksätzen viel Passagenbrillanz der ausführenden Pianistin zu bewundern. Und Espressivo-Spiel mit Klavier-Belcanto im zweiten Satz (Larghetto), den Kauten mit dem Ausdruck inniger, intimer Empfindung gestaltete, sinnierend, und im Mittelteil mit einigem Weltschmerz und einem Touch von dunkler Einfärbung versah.

Beim letzten, schier fingerbrecherischen Satz, der manuell alles einfordert, allein schon von den Lagen her, den Doppelgriffen, Terzen und Läufen, hätte man Angst haben können um die Hände der Pianistin.

Der Orchesterpart dieses zweiten Klavierkonzerts wird manchmal als mager bezeichnet – war es hier aber überhaupt nicht. Die Pforzheimer begleiteten kraftvoll und legten Wert auf einen warmen Streicherklang. In den Tutti war forsches Spiel angesagt, und das Rondothema im Allegro vivace war zügig und frei von jeglichen Hemmschuhen.

Leidenschaft und mitreißender Schwung

Das Publikum in der vollbesetzten Fahrnauer Tonhalle war begeistert von dieser musikalischen Leidenschaft und dem mitreißenden Schwung der Interpretation und bekam nach dem starken Applaus von der Solistin als Zugabe ein beliebtes Brahms- Intermezzo zu hören.

Neben dem konzertanten Favoritenstück überzeugten an diesem Abend auch die reinen Orchesterwerke. Anton Arenskis „Variationen über ein Thema von Tschaikowsky“, rundum wohlklingend, dunkel-melancholisch mit einem schwermütigen Grundton und feinen Pizzicati, waren eine willkommene Rarität und Bereicherung des Repertoires. Zumal der Dirigent Aurélien Bello die Werke fein aushört, sehr rund dirigiert, sehr fließend, mit gutem musikalischem „Flow“.

Das trifft auch auf die Streicherserenade von Tschaikowsky nach der Pause zu, deren vier Sätze mit dem forschen Walzer und der wehmütigen Elegie Bello sehr flexibel und homogen musizieren ließ. In diesem schwerelosen Salonstück zeigte das Südwestdeutsche Kammerorchester einen weichen, farbigen, satten und kultivierten Streicherklang. So war auch nach dem Tschaikowsky eine Zugabe fällig, aus gegebenem Anlass die ukrainische „Melody“ von Myroslav Skoryk mit einem schönen Geigensolo des Konzertmeisters Michael Ewers.

Dieser Abend schürte bei den vielen Stammhörern die Vorfreude auf die kommende Konzertsaison. Denn wie sagte Organisator Werner Geigle, glücklich beim Anblick der vollen Stuhlreihen über diese seit 17 Jahren existierende Privatinitiative in der alten Fabrikhalle: „Hier kommt man nicht her, um gesehen zu werden, sondern um Musik zu hören.“

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