Schopfheim Kind vor dem sicheren Tod gerettet

Petra Pflüger

Medizin: Zweiwöchiger Interplast-Einsatz mit Chefarzt Andreas Rudolph im LAMU Hospital in Uganda

Tumore im Kopfbereich, Verbrennungsfolgen, Folgen von Säureangriffen, Fehlbildungen und Narbenkontrakturen – damit setzte sich ein achtköpfiges Interplast-Team unter Leitung von Andreas Rudolph bei einem Einsatz in Uganda medizinisch auseinander.

Von Petra Pflüger

Schopfheim. Es ist das LAMU Hospital in Jinja, in dem der Einsatz stattfindet, „wunderschön gelegen am Victoriasee an der Quelle des Nils“, schwärmt Andreas Rudolph, Chefarzt am Kreiskrankenhaus Schopfheim, nicht nur von der Landschaft: „Die Klinik ist ein Projekt der Zukunft“, sagt der plastische Chirurg über das neue chirurgische Zentrum, eine Ausbildungsklinik für plastische und wiederherstellende Chirurgie – einzigartig in Ostafrika. Erst vor wenigen Monaten wurde das aus sechs Gebäuden bestehende Zentrum – aufgebaut unter deutscher Federführung – eröffnet.

Ebola-Ausbruch vor Ort

Die Interplast Sektion Schopfheim, die 2021 ihren Pilot-Einsatz in Uganda hatte, war im November 2022 zum zweiten Mal dort. Sie übernahm die Nachversorgung von Patienten, die von der Interplast-Sektion Eschweiler (Nordrhein-Westfalen) bei einem Einsatz kurz zuvor operiert worden waren – und meisterte selbst 52 Eingriffe. Viele Kinder wurden operiert. Einige mehr Patienten hätten es werden sollen, wie Andreas Rudolph und Wolfgang Bachbauer (Leitung Intensiv, Lörrach) berichten.

„Doch während unseres Aufenthalts gab es eine Ebola-Welle.“ Die Mobilität der Bevölkerung wird dann gesetzlich eingeschränkt, Patienten konnten nicht zum LAMU Hospital reisen. Angst, sich selbst anzustecken, hatte das Team nicht. „Wir hatten eine sehr gute Sichtung der Patienten.“

Die Menschen, die die Klinik erreichten, waren glücklich, und eine glückliche Fügung war es auch, wie Wolfgang Bachbauer betont, dass das Schopfheimer Interplast-Team vor Ort war, als ein zweijähriges, blutarmes Kind, das an Malaria erkrankt war, mit seiner Mutter erschien, die wusste, dass das LAMU Hospital das einzige mit Blutkonserven ist.

Eine glückliche Fügung

Doch gelang es den örtlichen Kräften nicht, einen intravenösen Zugang zu legen. Mit viel Glück und Geschick vollbrachten es die Anästhesisten des Interplast-Teams der Schopfheimer Sektion, einen solchen Zugang für Infusionen zu legen. „Noch während unseres Aufenthalts konnte das Kind als geheilt entlassen werden“, berichten die Ärzte. „Wenn wir nicht da gewesen wären, wäre das Kind gestorben.“ Das sind dann die Momente, in denen die „Interplast-Infizierten“, also die, die immer wieder – ehrenamtlich – auf Einsatz wollen, genau wissen, weshalb sie für diese Arbeit brennen.

Nachhaltigkeit ist wichtig

Das Team ist voll des Lobes für die einheimischen Ärzte und Pfleger. „Alle sind sehr interessiert.“ Ein OP-Pfleger, der permanent die Arbeit des Interplast-Teams begleitet hatte, nahm nach der Abreise Verbandswechsel vor; bei Fragen schickte er per E-Mail Bilder, um Probleme zu klären.

Material und Medikamente hatte das Interplast-Team mit nach Uganda gebracht. Spenden trugen dazu bei, dass Instrumente beschafft werden konnten, und über Interplast wurde ein Narkosegerät finanziert. Das Team sei den Spendern und den Kliniken des Landkreises Lörrach dankbar für die Unterstützung der Arbeit, unterstreicht Rudolph.

Der plastische Chirurg sieht Potenzial in dem Krankenhaus an der Nilquelle: Die operative Nachsorge stecke noch immer in den Kinderschuhen, es gebe zu wenig Krankenstationen, und es fehle ein Gästehaus, in dem das Team übernachten kann – und somit bei Bedarf auch nachts sofort vor Ort wäre.

Zum Team gehörten Andreas Rudolph, Christian Hausding (plastischer Chirurg, Bayreuth), Sabine Hinterding (Merian Iselin Spital, Basel, Anästhesie), Ernst Eichel, (ehemals St. Elisabethen, Lörrach, Anästhesie), Wolfgang Bachbauer, Iris Oswald (Teamleitung Anästhesie Lörrach; Anästhesiepflege), Marita Steinebrunner (OP-Schwester, Todtnau) und Helmut Sammer (Dokumentation / Technik, Freiberg am Neckar).

Spendenkonto: Interplast, Sektion Schopfheim, IBAN: DE 85 6835 1557 0003 1977 79 (Sparkasse Schopfheim-Zell).

Umfrage

E-Auto

Die EU hat ein weitgehendes Verbrenner-Aus bis 2035 beschlossen. Was halten Sie davon?

Ergebnis anzeigen
loading