Schopfheim Kompromiss für „Klein-Venedig“

Werner Müller

Die Wogen glätten: Diese Absicht verfolgt die Stadtverwaltung mit Blick auf den Seitenkanal im Bifig. Dort soll statt der ursprünglichen Radikallösung jetzt ein Kompromiss her.

Von Werner Müller

Schopfheim . Im Herbst des vergangenen Jahres wollte die Stadt den künstlich angelegten Gewässerstrang komplett stilllegen, auffüllen und bepflanzen, weil der Bach in den vergangenen Jahren über die Sommermonate sehr oft trocken fiel und deshalb Fische und Kleinlebewesen verendeten.

Hauptursache für die chronische Wasserknappheit im Seitenkanal sei der Klimawandel, der dazu führe, dass die Wiese – und damit auch der Gewerbekanal – weniger Wasser führe als früher und deshalb für den Seitenkanal oft monatelang nichts mehr übrig bleibe, argumentierte die Verwaltung und überzeugte damit auch den Gemeinderat von der Notwendigkeit, den Seitenkanal zu bepflanzen.

Da schlugen die Wogen im Bifig allerdings hoch. Die Anwohner liefen Sturm gegen die Pläne, sammelten Unterschriften und forderten die Stadt auf, den Kanal um des Mikroklimas willen zu erhalten und somit auch den „Klein-Venedig“-Charme des Wohngebiets.

Der Bürgermeister versprach den Quartier-Bewohnern daraufhin bei einem Ortstermin im Oktober 2021, mögliche Alternativen für die Verfüllung prüfen zu lassen (wir berichteten mehrfach).

Jetzt liegt für die kommende Sitzung des Gemeinderats ein diesbezüglicher Vorschlag auf dem Tisch. Die Stadtverwaltung bleibt dabei, dass „Maßnahmen“ nötig seien, um artenrechtliche Verstöße (Fischsterben) zu vermeiden. So habe man geprüft, ob der Seitenkanal durch Änderungen an der Schwelle, die den Zufluss aus dem Gewerbekanal regelt, zu erhalten sei. Dabei habe sich jedoch herausgestellt, dass der Seitenkanal mit offener Wasserfläche mit „verhältnismäßigem Aufwand“ nicht zu erhalten sei.

Wasserdurchlässiges Auffüllmaterial

Statt dessen hat das Tiefbauamt laut Sitzungsvorlage einen Kompromissvorschlag erarbeitet. Er sieht vor, den Kanal nicht vollständig zuzuschütten und zu begrünen, sondern ihn nur bis 15 Zentimeter über dem Wasserspiegel des Hauptkanals mit einem wasserdurchlässigen Material aufzufüllen, so dass eine Durchströmung vom Hauptkanal aus erfolgen könne (falls dort genügend Wasser fließt).

Daraus ergebe sich die Möglichkeit, den Seitenkanal mit wassergebundenen Pflanzen zu bestücken – Schilf, Schwertlilien und Teichbinzen. So bleibe das Bild des Viertels weitestgehend erhalten, beziehungsweise es werde durch die Begrünung sogar aufgewertet. Dank der Bepflanzung erhöhe sich die Verdunstungsleistung, vor allem in Trockenwetterzeiten, in denen der Seitenkanal sonst meistens staubtrocken war. Damit, so die Verwaltung, ergebe sich auch eine „bessere Kühlung“.

Die Kosten belaufen sich laut Vorlage auf rund 15 000 Euro, da kein beliebiges Auffüllmaterial in Frage komme, sondern ein spezieller Substrataufbau erforderlich sei.

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