Schopfheim Mit Pauken und Trompeten zünftig gefeiert

Markgräfler Tagblatt

Gesangverein Fahrnau lässt sich für sein 150-jähriges Bestehen hochleben / Singen verbindet Jung und Alt

Schopfheim (hjh). Eine „feste Säule im dörflichen Leben“ Fahrnaus feierte am Samstag unterm Kupferdach zum 150. Mal Geburtstag. Illustre Gäste gaben sich zum „Runden“ des Gesangvereins die Klinke der Stadthalle in die Hand.

Marion Dammann, die Landrätin, gehörte ebenso zu den Gratulanten wie Bürgermeister Christof Nitz, der Präsident des alemannischen Chorverbandes, Hugo Pfefferle, oder Pfarrer Andreas Ströble sowie einen ganze Reihe Vereinsvertreter, die es sich schon wegen des harmonischen Miteinanders über all die Jahre hinweg nicht hatten nehmen lassen, „ihrem“ Gesangverein zu danken und Glück für die nächsten 150 Jahre zu wünschen.

Und zwar mit Pauken, Trompeten, Klavier und goldenen Kehlen: Vier befreundete Chöre und der Musikverein Fahrnau gestalteten zusammen mit den Gastgebern den unterhaltsamen Teil des Abends, an dem Wortbeiträge zugunsten harmonischer Töne in engen Grenzen gehalten werden sollten.

Michael Herrmann hatte die Aufgabe übernommen, die musikalische Reise durch eineinhalb Jahrhunderte zu moderieren. Sinnigerweise begann die mit dem Aufschwung, den das Wiesental nahm, als die Bahnstrecke von Basel nach Zell 1982 in Betrieb genommen wurde. Auch ihr verdanken die Fahrnauer Chöre ihre positive Entwicklung, die an einem feucht-fröhlichen Abend am Stammtisch im Fahrnauer Gasthaus „Krone“ mit fröhlichen Trinkliedern und flotten Sprüchen gestandener Mannsbilder in die Gänge kam und mit der Vereinsgründung kurze Zeit später unter Vorsitz des Fabrikanten Krafft offiziell begründet wurde.

Und zwar noch vor Gründung des alemannischen Sängerbundes, der als Bezirkssängerbund auf Anregung der Fahrnauer 1965 aus der Taufe gehoben worden ist. Kein Wunder also, dass der aktuelle Präsident des Verbundes aktiver Chöre zu den Festgästen gehörte und die Vorsitzende Susanne Roßbach-Bill nicht nur mit Glückwünschen seines, sondern auch vom deutschen Chorverband und vom badischen Chorverband überhäufte.

Von Beginn an habe der Gesangverein Menschen in guten und in schlechten Zeiten mit Musik begleitet, ihnen Freude und frischen Mut beschert, betonte Hugo Pfefferle, der zuvor Mitglied einer Runde war, die von der Schweizerin Christine Schafer interviewt wurde. „Was halten Sie vom Chorgesang?“, wollte Schafer von Marion Dammann wissen und bekam die Antwort, die sie gewiss hören wollte: „Gesang verbindet Jung und Alt“, wobei der Erfolg eines Chores nicht durch das Alter, sondern das Repertoire, das er drauf habe, bestimmt werde.

Nur mit entsprechendem Liedgut lasse sich die Jugend für den Chorgesang begeistern. Aber: „Wenn sie dann mal da sind, dann sind sie vielleicht auch bereit, Traditionen zu wahren“, verriet die Landrätin eine Strategie, die aus ihrer Sicht nachhaltig positive Entwicklungen in den Gesangvereinen garantieren könnte.

So sah das übrigens auch Christof Nitz, der hinter der Frage nach seinem Lieblingssong eine Finte der Fragestellerin vermutete und sich geschickt und schmunzelnd aus der Misere mogelte: „Da ich glaube, dass ich das dann vorsingen soll, wähle ich die argentinische Nationalhymne“, sagte der Bürgermeister unter dem Gelächter seiner Zuhörer, die natürlich wie Nitz wussten, dass man diese Hymne nicht singen kann, weil sie keinen Text hat.

Hugo Pfefferle warb für den Gesang mit dem Hinweis, dass „jeder singen kann“, es gelte einzig und allein, den richtigen Ton zu treffen. „Und das kann man üben“, in Stunden, in denen Dirigenten wie Ralf Ernst das Zepter schwingen und der weiß, dass unter vielem anderem „gemeinsames Genießen“ Chorgesang attraktiv zu machen in der Lage ist. Um die Zukunft des Chorgesangs, so Ernst, sorge er sich nicht. Schließlich gibt es viele andere neue Chöre mit überwiegend jungen Sängern. Und wenn die mit heute modernen Gesängen bei Laune gehalten und zeitgemäß ausgebildet werden, gebe es keine Gründe, am Fortbestand aktiver Sängerfreuden zu zweifeln.

Natürlich muss parallel dazu geworben werden. „Mit begeisternden Auftritten zum Beispiel wie denen heute Abend“, betonte Marion Dammann, die auch den Tipp gab, Ganztagsschulen in Werbekonzepte mit einzubeziehen. Christof Nitz glaubt, dass vor allem die Gesangvereine keine Probleme haben werden, die „mit der Zeit gehen“ wie der Gesangverein Fahrnau das schon einige Male unter anderem mit der Gründung eines der ersten gemischten Chöre 1948 vorgemacht habe.

Mit finanziellen Zustüpfen in üblicher Höhe nach den Vereinsförderrichtlinien unterstrichen die Vertreter von Landkreis, Stadt und den Vereinen schließlich, dass ihre Lobeshymnen auf den Jubilar keinesfalls nur Lippenbekenntnisse waren, sondern von Herzen kamen.

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