Schopfheim Montanhistorischer Domino-Effekt

Markgräfler Tagblatt, 15.07.2015 23:01 Uhr

Schopfheim-Gersbach. Montanhistorischer Domino-Effekt: Der Vorstoß in ein bislang unerforschtes Gebiet an der Westflanke des Bergkopfs hat sich offensichtlich gelohnt: Werner Störk konnte nach eigenen Angaben ein weiteres Bergbau-Relikt sichern.

Es handelt sich dabei um einen gut erkennbaren Schürfversuch, also den bergmännische Versuch, die erzführendenden Schichten - zunächst ohne Stollenvortrieb - zu erreichen.

Da die Versuche, die Gersbacher Erze bergmännisch zu gewinnen, sich vor allem auf den südlichen Bergkopf konzentrierten, haben sich bislang die Forschungsarbeiten auch auf dieses Gebiet beschränkt. Mit dem Neufund einer kompletten Bergbauanlage an der Westflanke (wir berichteten), zeigt sich bereits schon jetzt ein Domino-Effekt: Bereits einen Tag nach den Erkundungsarbeiten der von Friedrich Blum entdeckten Halden gelang es laut Werner Störk rund 100 Meter weiter nördlich, eine weiteren Schürfversuch zu identifizieren. Dabei half auch eine spezielle Luftaufnahme, auf der sich etwas als kreisrunder Schatten abzeichnete. Die weitere Feldforschung wird sich nun dem Gebiet über dem Tiergarten und dann auf den Rohrenkopf konzentrieren.

Gersbach blickt auf eine über zwei Jahrhunderte währende Bergbautradition zurück. Im Laufe dieser Zeit entwickelten sich vier Bergbaureviere: das südlichste über der Westflanke des Wehratales mit mehreren Gruben, in denen vor allem Pyrit abgebaut wurde. Daran schließen sich nordwärts die Gruben im Ried an sowie im Osten die Bergbauversuche im Silbergraben.

Die für Erzgewinnung wichtigen Eisenerze wurden nicht nur direkt im Bereich der Mühlematt gewonnen, sondern auch Vorort dort verhüttet. Die dafür notwendige Schmelze musste bereits 1682 stillgelegt werden, da der Ofen zerborsten war. Vermutlich ein Sabotageakt, um die ungeliebte Gersbacher Konkurrenz für das Eisenwerk Hausen auszuschalten.

Daran schließt sich das auch heute noch so genannte Gewann Erzenbrunn an. Es weist nicht nur mehrere Spuren von Schürfen auf, sondern war wohl auch der Standort einer bislang auch in den schriftlichen Quellen nicht nachweisbaren zweiten Schmelzhütte war – doch die Bodenfunde seien eindeutig, so Störk. Vermutlich war jene Schmelzhütte auch das Zentrum für die Bergbauversuche am damals so genannten Lehrberg – dem eigentliche Zentrum und dem Grubengebiet mit der ertragreichsten Erzgewinnung im Gersbacher Raum.

Kleinere Bergbauversuche gab es im Bereich Schwammbrunnen, wobei die dort abbauwürdige Erzmineralisation sich nach Norden verdichtet und in der Kupfergrube Verenabrunn am westlichen Ortseingang einen noch heute sichtbaren bergmännischen Versuch ausgelöst hat, das dortige Kupfererz zu gewinnen.

Von jenem Punkt ziehen die abbauwürdigen Vorkommen direkt auf den Rohrenkopf. Der Bergbau war nicht die Angelegenheit der Gersbacher: Die Knappen kamen nicht nur aus Badenweiler, sondern sogar aus Sachsen. Daher blieb den Einheimischen der Bergbau im gewissen Sinne fremd und fand kaum einen bedeutsamen Niederschlag in der örtlichen Geschichte.

Die Reaktionszeit von Landesdenkmalamt, der Bergbaubehörde und dem Forst auf die Funde sei „erstaunlich positiv“, so Werner Störk. Alle hätten bereits die notwendigen Schritte veranlasst, um den Schutz dieser montanen Zeitzeugen zu sichern.