Schopfheim Neue Bergbau-(Be)Funde im Golddorf

Markgräfler Tagblatt, 19.08.2015 23:02 Uhr

Schopfheim-Gersbach. Erneut ein Bergbau-(Be)Fund im Golddorf: Dass sich nur einen Steinwurf weit von einem Wohnhaus entfernt an einem Hang der bislang scheinbar feste Boden auf einer Fläche von fünf mal fünf Metern erkennbar absenkte, ist für Werner Störk Beleg genug, die bislang geltenden Grenzen über die Ausdehnung des historischen Bergbaus in Gersbach neu zu ziehen.

Denn bisher ging man nach seinen Erkenntnissen davon aus, dass der Bergbau erst oberhalb der bis heute gut erkennbaren Bewirtschaftungsflächen hinter den Häusern einsetzte: beispielhaft ist hier die Rauschbachstraße zu nennen. Diese Gärten und Äcker waren für die Versorgung der Anwohner wertvolle Anbauflächen, die man unmittelbar hinter dem Haus anlegte und sorgsam pflegte.

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Nur in extremen Ausnahmefällen traten sie ein solches Areal den Bergbautreibenden ab. Bekannt sind in der Kneusslin-Chronik zwei Fälle, wo man die Grundstücke benötigte, um notwendige Entwässerungsstollen, die tiefer als die Erzabbaustollen angelegt wurden, in den Berg zu treiben.

Der im Juni 2014 beim Wegebau im Zuge der Bergkopf-Erschließung geöffnete Stollen (wir berichteten) wird nach Auffassung von Werner Störk jedoch auch zukünftig nicht die Ausnahme bleiben, zumal sich durch die aktuellen Untersuchungen von Berg- und Rohrenkopf sehr deutlich zeige, dass der historische Bergbau im Gersbacher Raum ein wesentlich größere Dimension hat, als man bislang – auch in der Fachwelt – angenommen habe.

Die aktuelle Bodenabsenkung könnten nach Störks Dafürhalten eine Pinge sein – zumal auch das sie umgebende Areal stark an eine Halde erinnert – beides Zeugen des einstigen Bergbaus.

Eine Pinge ist eine graben- oder trichterförmige Vertiefung. Sie entsteht durch ober-flächennahe und ungesicherte Ausbeutung einer Lagerstätte. Pingen sind also lokale Bergsenkungen auf einem eng begrenzten Bereich. Oft sind Pingen auch trichterförmig.

Diese Ausprägung trifft man auch auf dem östlichen Teil der südlichen Bergkopfflanke (Fuchsbühl, ehemals: Lehrberg) an, genauso wie im Silbergraben. Oft liegen – dem unterirdischen Stollenverlauf folgend – an der Oberfläche gleich mehrere Pingen exakt hintereinander. So entstehen dann die typischen Pingenzüge,

Eine zweite Halde schließt das nördliche Fuchsbühl-Areal zwischen der Rauschbachstraße und dem darüber liegenden Feldweg ab. Das Gebiet um den Sendemast weiter östlich ist ebenfalls altes montanes Bestandsgebiet – einschließlich einer kleinen Schmelzhütte, die einst das gewonnene Erz einschmolz.