Schopfheim Retro-Schau zum Abschied

Schopfheim -  Die wunderbare Welt der Wundertüte packt Ulla K. Schmid in ihrer letzten Sonderausstellung als Leiterin im städtischen Museum aus: „Des Sammlers Leidenschaft“ ist ein bunter Streifzug durch die 1960er Jahre.

Wundertüten gibt es ja auch heute noch, aber wir alle kennen sie aus Kindertagen. Ihre Blütezeit hatte die Überraschungstüte in den 60er Jahren. Manch einer wird gern an die liebevoll mit kleinen Nettigkeiten und Schätzen gefüllten Tüten zurückdenken. Ließen sie doch dazumal Kinderherzen höher schlagen und Augen glänzen, wenn kleines Spielzeug und Süßigkeiten aus den Tüten herausgefischt wurde.

Wundertüten – das waren schöne Überraschungen. Wunder durfte man bei den Wundertüten sicher keine erwarten, aber es war aufregend, was da an sammelwerten Dingen eingepackt war. Daran wird man bei dieser Ausstellung einmal mehr erinnert. Das fängt bei Kaugummipapieren an und hört bei Familie Feuerstein auf.

Die Ausgangsidee der Museumskuratorin, die seit fast 35 Jahren bei der Stadt Schopfheim tätig ist, war folgende: Sie wollte, wie sie sagt, in ihrer „Endzeit“, dass der Besucher schöne Dinge sieht, nichts Anstrengendes mit langen Saaltexten, ausgehend von der Idee der Wundertüte. Eine „Endausstellung“, die alle Vorlieben der Museumsleiterin und Stadtarchivarin mit einem großen Wiedererkennungseffekt zusammenbringt.

Dass eine solche Sammelschau kein „Sammelsurium“ wird, dafür sorgt die genaue Gliederung in drei große Themenkreise. Der erste ist die Wundertüte und deren geheimnisvoller Inhalt. Die Tüte war bekannt für ihre Sammelfiguren und Sammelbilder, nicht nur zu Reklamezwecken. Die Tüten wurden an Kiosken und in Schreibwarenläden verkauft, kosteten um die 20 Pfennig.  Die Wundertüten der Firma Heinerle wurden zum Verkaufsschlager. Diese Spezialfabrik entwarf „wunderbare Serien“, über die Ulla K. Schmid heute noch ins Schwärmen gerät.

Ein Stück Konsum- und Kulturgeschichte

Etwa die Afrika-Serie mit den Beduinenfigürchen und Kamel-Karawanen, Cowboys, Zirkus, Raumfahrt, Fußball, vor allem Bundesliga, alles zu Sport, Spiel, Spannung, aber auch Old Shatterhand und Winnetou aus den Karl-May-Verfilmungen. Die Tüten waren mit kleinen Geschenken bepackt, wie 3D-Objekten oder Brause-Gutsle in Herzform. Das Einwickelpapier war verlockend bedruckt, und die Vorfreude, die Tüte zu öffnen, umso größer.

Das zweite große Thema dieser nostalgischen Retro-Schau, die auch ein Stück Konsum- und Kulturgeschichte aus der Wirtschaftswunderzeit beleuchtet, sind die exotischen Orangenpapiere mit schönen Motiven, die zu Sammelobjekten wurden und als Serienbilder zu Romanen wie „Robinson Crusoe“ vorlagen.

Es gibt eine riesige Vielfalt von Orangenpapieren, dabei wird nur eine kleine Auswahl gezeigt. Weitere Blickfänge sind die Kaugummipapiere, der dritte Themenkreis.

Wer hätte früher gedacht, wenn er sich einen Kugelkaugummi in den Mund steckte, dass das Einwickelpapier einmal so richtig wertvoll und museal würde? Da fanden sich als Beigabe in den Packungen Bildchen aus Walt Disney-Comics, Fix und Foxi, Donald Duck, Micky Maus, Pinocchio und die Strolche.

Was konnte man da nicht alles aus einem Kaugummiautomaten ziehen!

Interessant zu erfahren – denn es findet sich in der Schau auch ein Abriss zur Geschichte der Kaugummipapiere -, dass der erste Kaugummifabrikant 1848 der Amerikaner John B. Curtis war, der auf der Basis eines indianischen Rezeptes aus Fichtenharz und Bienenwachs den ersten Kaugummi produzierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg trug die in Deutschland stationierte US-Besatzungsmacht dazu bei, dass der Kaugummi bei uns populär wurde.

Exotisches aus der Zeit des Wirtschaftswunders

Zusätzlich ausgestellt sind neben einer Fülle von Kaugummi-, Orangen- und Bonbonpapieren als Ergänzung kleine Comic-Geschichten zur Familie Feuerstein, die bekanntlich in der Steinzeit lebt, und den „Jetsons“, ihrem Pendant im Weltall. Dazu finden sich einige Originalhefte und lustige Objekte, originelle Puppen wie Fred Feuerstein und sein Freund Barney Geröllheimer, der Haushalts-Roboter Rosie und eine fliegende Untertasse.

Auf die Besucher warten auch ein Quiz zum Zeitvertreib, verschiedene Aktionspunkte wie Puzzles, Lesestationen und zum Schmökern einige Comicgeschichten in Großkopie. Der Blick in die Wunderkammer der begehrten Wundertüte ist ein Spaß für Kinder und die ganze Familie. Die erklärte Donald-Duck-Liebhaberin Ulla K. Schmid führte, da es keine offizielle Vernissage gibt, neben der Presse auch ihren Nachfolger im Museum, den Kulturwissenschaftler Dominik Baiker, durch die Schau. Auch in ihm wurden da Kindheitserinnerungen wach, vor allem an die „Jetsons“.

Info:   Die Ausstellung „Des Sammlers Leidenschaft“ im Stadtmuseum ist mittwochs von 14 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Derzeit ist der Besuch von zehn Personen gleichzeitig erlaubt. Anmeldung unter Tel. 07622 / 396-190 (werktags) und Tel. 07622 / 637 50 (am Wochenende). Die Ausstellung wird bis zum 19. September gezeigt.

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