Schopfheim „Planung schützt die Gersbacher“

Markgräfler Tagblatt, 09.07.2015 23:02 Uhr

Schopfheim (jab). Vor übersichtlicher Kulisse von etwa 40 Besuchern – vorwiegend aus Gersbach – fand am Mittwoch in der Raitbacher Festhalle eine Informationsveranstaltung zum Thema „Windenergie in Gersbach - Wie geht es weiter?“ statt.

In der Hauptsache ging es um den aktuellen Planungsstand und das heiß diskutierte Thema „Infraschall“. (siehe untenen stehenden Artikel). Die Organisatoren vom Forschungsprojekt „Dezent Zivil“ hatten insgesamt eine ganze Phalanx an Fachleuten aus Wissenschaft, Behörden und Energieunternehmen sowie Lokalpolitiker eingeladen.

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Die Moderatoren Christoph Ewen und Michel-André Horelt von „Team Ewen“ ermunterten das Publikum zu Fragen und hakten auch selbst nach, wenn die Ausführungen zu nebulös blieben oder in Fachjargon abdrifteten.

Am Thementisch „Recht und Planung“ gab Anja Hentschel von der Uni Kassel Auskunft über den Verfahrensablauf in Sachen Flächennutzungsplan (FNP). Quintessenz: Ohne solch baurechtliche Festlegungen sind Windkraftanlagen erlaubt, wo der Wind stark genug weht. „Wir haben Gersbach durch den FNP geschützt“, betonte Bürgermeister Christof Nitz in diesem Zusammenhang – „ansonsten wäre das Dorf vielleicht bald ganz eingekreist.“

Wie mehrfach berichtet, sieht der FNP-Entwurf für die Schopfheimer Gemarkung nur noch einen einzigen Standort vor: den Rohrenkopf. Unabhängig davon allerdings laufen auch Planungen für Windkraftanlagen im Süden des Dorfes, auf Gemarkung Hasel.

Um die konkret geplanten Anlagen auf dem Rohrenkopf und auf dem Hasler Glaserkopf ging es an einem zweiten Thementisch. Die Firma Enerkraft hat ihren Antrag für fünf Windräder am Rohrenkopf beim Landratsamt eingereicht.

Klar sei schon jetzt, so hieß es, dass das Landratsamt weitere Nachweise und Gutachten fordern wird – unter anderem ein hydrologisches Gutachten, das klären soll, ob durch das Aufstellen der Windräder oder durch die Zuwegung Quellen beeinträchtigt werden. Die Firma Energiedienst Rheinfelden habe ihren Antrag für den Glaserkopf noch nicht gestellt, wolle dies aber bis August tun, erklärte Irene Knauber von Energiedienst.

Als großes Defizit des Genehmigungsverfahrens machte Christoph Ewen dessen Nicht-Öffentlichkeit aus und schlug vor, dass eine Art Bürger-Vertreter /-Vertrauensmann dem Landratsamt ein wenig über die Schulter schauen darf und Einblick in das behördliche Prüfverfahren erhält – ein Vorschlag, der bei Landratsamtsvertreter Georg Lutz und ED-Gesandter Knauber auf Zustimmung stieß.

„Die übrigen 18 300 Schopfheimer entscheiden, dass die 700 Gersbacher Windräder vor die Nase bekommen - geht das an?“ eröffnete Moderator Ewen ein wenig provokant die Diskussion am dritten Thementisch zum Stichwort „Politische Entscheidungsfindung“.

Grundsätzlich sei dies ein ganz normaler demokratischer Prozess, stellte Bürgermeister Nitz unter Verweis auf die Stellvertreterfunktion parlamentarischen Gremien fest: „Der Gemeinderat entscheidet über sein Hoheitsgebiet, egal ob Windkraft oder Asylbewerberunterkunft“.

Raitbachs Ortsvorsteher Tholen plädierte dafür, das Thema nicht in einer Frontstellung Teilort gegen Gesamtgemeinde, sondern ganzheitlich zu betrachten und gemeinsam zu tragen.

„Man sollte das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist“, erklärte Bürgermeister Nitz auf den Vorschlag von Moderator Ewen, den Gersbachern einen etwas größeren Teil an den Pachteinnahmen der Stadt zu überlassen. Wenn es so weit sei, „bin ich gerne bereit, das zu diskutieren“, verkündete Nitz, allerdings müsse auch der Gemeinderat einverstanden sein.

Ortsvorsteher Christian Walter verwahrte sich gegen den Eindruck, dass es den Gersbacher um finanzielle Interessen gehe: „Diese Diskussion ist im Moment völlig fehl am Platz.“ Die Dorfbewohner wollten vielmehr mit ihren Bedenken sachlich ernst genommen werden.

Weitere Informationen: www. windkraft-dialog.de