Schopfheim Platz genug für maskenlosen Protest

Rund 50 selbst ernannte Streiter für die Grundrechte versammelten sich erneut zur Corona-Demo am Samstag auf dem Marktplatz.

Von Hans-Jürgen Hege

Schopfheim . Masken mussten sie nicht aufsetzen. „Die sind“, verkündete eine Organisatorin, „nicht nötig, weil bei der geringen Teilnehmerzahl die erforderlichen Abstände eingehalten werden können.“

Daran hatten auch die beiden Polizeibeamten nichts auszusetzen, die den „stillen Protest“ im Auge des Gesetzes behielten.

Ein paar Redner allerdings gaben der Mahnwache vor dem Rathaus ein Gesicht, das zumindest an diesem Nachmittag nicht hinter einer „menschenunwürdigen Maske“ verborgen werden musste, wie es hieß.

Sie wetterten gegen das angebliche „Ermächtigungsgesetz“, das am kommenden Mittwoch in Berlin verabschiedet werden soll und das – Zitat – „den Menschen noch die letzten Grundrechte wie etwa Reise- und Bewegungsfreiheit nehmen und auch vor der privaten Wohnungstür nicht halt machen wird.“

Die Regierung tue alles, was in ihrer „Noch-Macht“ stehe, um Demos wie die am Samstag zu verhindern, behauptete Ulrike Reichert und ärgerte sich: „Wir werden mit Rechtsradikalen in einen Topf geschmissen“.

Um das zu unterstreichen, hielt eine Mitstreiterin ein Plakat hoch, auf dem stand: „Herr Minister Strobl, ich verbitte mir, dass sie mich als ’toxische Mischung aus Rechtsextremismus, Reichsbürgerin  und Verschwörungstheoretikerin bezeichnen’“.

Ulrike Reichert war sich sicher: „Wir sind die Leute, die man nicht haben will in diesem Staat. Man will den braven Bürger, der aufgehört hat, selbstständig zu denken.“

Wer nachdenke, müsste sich eigentlich selbst die Frage stellen, warum es bei den großen Demos in Berlin und Leipzig, wo Tausende Menschen auf engstem Raum beisammen standen, noch nicht ein einziges Mal zu Ansteckungen und damit zu einer außerordentlichen Verbreitung des Virus gekommen sei.

Wegen des Virus gebe es weder Pflegenotstände noch Engpässe bei den Intensivbetten. „Die Zahl der Pflegekräfte wurde lange zuvor schon kräftig reduziert und Betten in Krankenhäusern bereits vor Corona abgebaut“, machte Reichert deutlich.

Und dann flossen sogar noch Tränen. Eine Frau erzählte, dass sie als 19-jähriges Mädchen „aus der DDR abgehauen“ sei, um in Frieden und Freiheit im Westen zu leben. Ihr tue es weh, dass sie nun „mit Nazis in eine Ecke“ gestellt werde, klagte sie .

„Friedlich“ sei es in Leipzig gewesen, „Polizisten haben ihre Helme abgesetzt und uns zugewunken“, wollte eine Frau beobachtet haben, die nach eigenen Angaben dort war. Was die Medien berichteten, habe nicht den Tatsachen entsprochen, gab die Rednerin unter Beifall zum Besten.

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