Schopfheim Power-Pianound eine grollende Pauke

Jürgen Scharf
Einen heiteren Mozart und einen empfindungsreichen Beethoven präsentierte das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter Aurélien Bello im Krafft-Areal. Foto: Jürgen Scharf

Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim und die Pianistin Andrea Kauten begeisterten mit Werken von Mozart und Beethoven rund 160 Zuhörer in der vollbesetzten Tonhalle bei „Klassik im Krafft-Areal“.

Von Jürgen Scharf

Schopfheim-Fahrnau. Im Zentrum stand Beethovens drittes Klavierkonzert, übrigens das einzige von ihm in Moll, das schon die Klangwelt der „Eroica“ atmet und das fünfte Solokonzert, das „Emperor“, erahnen lässt.

Bereits die Soloexposition beinhaltet rauschende Virtuosenpassagen des Klaviers. Sie kommt aber erst nach der ausführlichsten Orchestereinleitung aller Beethoven-Konzerte. Man sitzt gespannt auf den Klappstühlen, um den konzentrierten Soloeingang des Klaviers zu erleben.

Andrea Kauten, die künstlerische Leiterin der Reihe, setzt mit einer vehementen Geste ein. Den Solopart absolviert die Hauspianistin der Stiftungskonzerte mit ungeheurer Power, prachtvoller Technik, bewundernswertem Formgefühl und einem großen Klavierton.

Ihren temperamentvollen Zugriff kennt man ja schon lange, und der war auch wieder zu hören in dem Passagenwerk und den sicheren Läufen. Das ist Klavierprägnanz von Format.

Der zweite „Solist“ war in dieser reduzierten Fassung des Klavierkonzerts von Vinzenz Lachner aus dem späten 19. Jahrhundert die Pauke. Also eine ganz spezielle Version, aber kein Small-Talk zwischen Klavier, Pauke und Streichern. Vielmehr geht es zur Sache, aber doch kammermusikalischer im Zusammenspiel.

Schon gleich im Kopfsatz prägt sich das Poch-Motiv der Pauke ein, sie grollt mächtig. Dagegen halten kann das Klavier mit der Solokadenz, in der Andrea Kauten mit kraftvollem, klarem Anschlag und perlenden Skalen auftrumpft.

Im Finale darf auch das Südwestdeutsche Kammerorchester einmal richtig vom Leder ziehen - und die Streicher und natürlich die Pauke nutzen diese Spiellust. Es war ein Erlebnis, diese blendend virtuose und feurige Interpretation des Beethovenkonzerts zu hören.

Bereits vor der Pause hatten die Pforzheimer mit zupackender Direktheit und Frische eine der schönsten Serenaden von Mozart (die Nr. 6 „Notturna“) aufgeführt. Dirigent Aurélien Bello ließ in dieser Serenade, die auch sehr markant die Pauke einsetzt, den heiteren Mozart zu Wort kommen und zeigte Sinn für den Spaß der Musik, vor allem im lustigen Schlusssatz, der auf das Konzertpublikum den stärksten Eindruck machte.

Begonnen hatte dieser dritte Abend der Saison bereits mit Beethoven, einer orchestralen Bearbeitung des „Heiligen Dankgesangs“ aus dem 15. Streichquartett. Also später Beethoven, aber kein bisschen sperrig, sondern von musikalisch nobler und starker Empfindung getragen, expressiv, natürlich fließend und kantabel: bedeutungsvoll, aber ohne Bedeutungsschwerfälligkeit.

Ein Konzertereignis, das beim Publikum noch lange nachhallen wird.

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