Schopfheim „SPD ist der Wahlgewinner“

Am Sonntag um kurz nach 18 Uhr im Foyer der Stadthalle: Wahlhelfer beginnen mit der Auszählung. Foto: Petra Martin

Die einen sind ziemlich betrübt, die anderen jubeln: Am Tag nach der Bundestagswahl analysieren die Parteien ihre Ergebnisse.

Von Petra Martin

Schopfheim. „Als allererstes möchte ich hier auf diesem Wege natürlich Olaf Scholz zu diesem Wahlsieg gratulieren“, teilt etwa Oliver Kaspers, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins mit.

Auch und gerade durch den guten Wahlkampf hier in Schopfheim habe Takis Mehmet Ali die meisten Erststimmen in Schopfheim für sich sammeln können, für den Gesamtwahlkreis reiche es für einen starken Platz zwei und Takis ziehe über einen starken Listenplatz in den Bundestag ein. „Mit ihm haben wir einen wirklich guten und kompetenten Vertreter in Berlin“, so Kaspers.

Aber auch bei den Zweitstimmen liege die SPD in Schopfheim mit 26,1 Prozent weit vor allen anderen Mitbewerbern und sogar über dem bundesweiten Ergebnis. „Daran lässt sich doch eindeutig der Wunsch der Menschen hier in Schopfheim nach mehr sozialer Gerechtigkeit und nach sozial verträglichem Umweltschutz ablesen“.

Kaspers freut sich riesig über den Wahlsieg und wünscht sich, dass eine SPD-geführte Koalition zustandekommt. Was ein wenig Unbehagen bereite, sei die Tatsache, dass nun die beiden „kleinen“ Parteien, Grüne und FDP, als „Kanzlermacher“ fungieren können und das Wählervotum eventuell ad absurdum geführt werden könnte.

„Die SPD ist der Gewinner dieser Wahl“, freut sich Martina Hinrichs, stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins. „Wir haben einen Wahlkampf geführt, in dem wir die sozialdemokratischen Themen vermitteln konnten. Zum einen mit unserem Kandidaten Takis Mehmet Ali, der mit unglaublichem Elan, Sachkunde und menschenzugewandt unterwegs war. Er hat als Newcomer einen beachtlichen Wahlerfolg im Kreis zu verzeichnen.“ Zum anderen mit Olaf Scholz, der einen klaren Auftrag zur Regierungsbildung habe, stellt Martina Hinrichs fest. „Ich hoffe und wünsche mir, dass dies nun schnell geschieht und nicht zu endlosen Sondierungen und damit einer erneuten Politikverdrossenheit im Land führt.“

„Beachtlicher Erfolg“

Zu den Wahlgewinnern in Schopfheim und bundesweit gehört auch die FDP. Mit beiden Ergebnissen sei man außerordentlich zufrieden, freut sich Martin Kimmig, Vorsitzender des FDP-Ortsverbands Mittleres Wiesental. Es habe sich gezeigt, dass man mit Christoph Hoffmann einen hervorragenden Kandidaten habe. Dieser sei schon zuvor ein guter Kandidat gewesen – der allgemeine Trend zugunsten der FDP habe indes dessen politische Wirkung verstärkt. Die FDP verzeichne Mitgliederzuwächse und habe über die Stammwähler hinaus Bürger ansprechen und besonders bei jungen Leuten punkten können, etwa bei Schülern und Azubis, wie Kimmig betont. Auch der Auftritt von Christian Lindner im Sommer in Lörrach dürfte eine Rolle für das gute Abschneiden gespielt haben. Für die Demokratie sei es indes gut, dass es die SPD aus dem Tal herausgeschafft habe.

Die Grünen hätten sich eigentlich ein bisschen mehr erhofft, räumt Ortsverbandsvorsitzender Michael Straub ein. Das Klimaschutzthema sei zu wenig vorgekommen, dabei sei es das Hauptthema für die nächsten Jahre. „Alles andere sollte sich anpassen.“ Eine Klimaregierung wäre das richtige Thema gewesen. Bezeichnend für das Wahlergebnis sei, dass die jungen Leute die Grünen und die FDP sehr stark gewählt hätten.

Ein Fehler war für Michael Straub, dass die politische Diskussion erst eingesetzt habe, nachdem die Briefwahl mehr oder weniger gelaufen gewesen sei. Gleich welche Regierung gebildet werde, so Straub, wichtig sei, dass sich die jungen Leute immer wieder zu Wort melden und auf Zukunftsprobleme hinweisen. Dass die Grünen in Schopfheim die CDU überholt haben, sei freilich ebenso ein Grund zur Freude wie die Tatsache, dass das Schopfheimer Grünen-Ergebnis um vier Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt liege. „Das ist eine sehr gute Leistung.“

Als „katastrophal“ bezeichnet der CDU-Stadtverband das Ergebnis der CDU bei der Bundestagswahl. „Wir haben gerade hier in Schopfheim einen Tribut an den Bundestrend zahlen müssen“, erläutert Sascha Schneider, Vorsitzender des Stadtverband. Ein bundesweiter Stimmungsumschwung in den letzten Monaten vor der Wahl habe auch hier Spuren hinterlassen. „Das haben wir auch in vielen persönlichen Gesprächen im Vorfeld der Wahl und zum Beispiel an unseren Wahlständen von vielen Bürgern gehört.“

Der CDU-Stadtverband gratuliere indes als allererstes Kandidatin Diana Stöcker, die sich verdient in einem schwierigen Wahlkampf als direkt gewählte Abgeordnete habe durchsetzen können.

„Das ist ein Auftrag“

Man werde das Ergebnis noch analysieren. Sicherlich würden Konsequenzen in Bund und Land notwendig sein.

„Wir nehmen das Ergebnis der Wahl als einen Auftrag an, weiter für die Stadt Schopfheim zu arbeiten und die Anstrengungen noch weiter auszubauen“, betont Schneider.

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