Schopfheim Stolperstein-Ausstellung eröffnet

Manuel Hunn
IOngeborg Teipel und Andrea Menne (v.r.) von der Initiative „Stolpersteine Wiesental“ eröffneten am Montag eine Wanderausstellung am THG. Die Schülerinnen Katharina Heubes, Kira Hagmann und Annika Shimshek (v.l.) haben einen Film zur bevorstehenden Stolpersteinverlegung erstellt und gaben Einblick in ihre Arbeit. Foto: Manuel Hunn

Bei der Eröffnung der Wanderausstellung „Stolpersteine Wiesental“ im Theodor-Heuss-Gymnasium stellten Schülerinnen einen selbst kreierten Film vor, der das Schicksal der aus dem Markus-Pflüger-Heim deportierten Menschen beleuchtet.

Im Rahmen des Kulturprogramms der Initiative „Stolpersteine Wiesental“ zur Verlegung von Stolpersteinen am 28. August wurde am Montag eine Wanderausstellung im Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) eröffnet. Drei Aufsteller informieren die Schülerinnen und Schüler über das europäische Stolperstein-Projekt, die Wiesentäler Initiative sowie die geplante Stolpersteinverlegung. Die Wanderausstellung bleibt bis zu den Pfingstferien im THG, danach geht es im zweiwöchigen Turnus zu weiteren Stationen.

Jugendliche sensibilisieren

Schulleiterin Claudia Tatsch erklärte bei der Eröffnung, dass man sich freue, die Aussteller im Haus zu haben. So könnten die Schülerinnen und Schüler nachvollziehen, weshalb am 28. August die Stolpersteine für Herbert und Meta Mayer in der Hauptstraße 49 und für Katharina Waldi in der Hauptstraße 14 verlegt werden. Da bei der Verlegung selbst nur eine begrenzte Zahl an Besuchern möglich sei, könne man mit der Ausstellung nun bereits viele Jugendliche auf das Thema aufmerksam machen.

Filmische Verarbeitung

Neben den Stolpersteine wird am 28. August am Markus-Pflüger-Heim eine Stolperschwelle für die 108 Bewohner der damaligen Kreispflegeanstalt in Wiechs angebracht, die aufgrund einer körperlichen Einschränkung oder einer geistigen Behinderung deportiert und ermordet wurden. Dieses Geschehen haben drei Schülerinnen der elften Klasse zum Anlass genommen, einen Film zur besonderen Geschichte des Heims im Nationalsozialismus zu erstellen. Katharina Heubes, Kira Hagmann und Annika Shimshek schilderten, wie es zur Entstehung des Films kam, den sie beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten eingereicht haben. Demnach wurden sie Anfang des Schuljahres durch die Schulleiterin auf den Geschichtswettbewerb aufmerksam gemacht. Da sie bei der Verlegung der ersten Stolpersteine in Schopfheim dabei waren und der Vater einer der Jugendlichen in der Initiative engagiert ist, gab es einen Bezug zum Thema.

Den Schicksalen ein Gesicht geben

Während man bei einzelnen Stolpersteinen die jeweiligen Schicksale nachvollziehen könne, sei dies bei einem ganzen Heim nicht der Fall. So sei die Idee entstanden, einen Beitrag über das Markus-Pflüger-Heim zu drehen. „Wir wollten nachforschen, was die Geschichte hinter den Personen war. Wollten ihnen ein bisschen ein Gesicht geben und ihr Schicksal einzeln aufarbeiten“, so eine der Schülerinnen. Über das Schuljahr hinweg sei dann, meist nach der Schule, ein 39-minütiger Film entstanden. Der Beitrag soll nun mehrmals in der Schule sowie zur Stolpersteinverlegung gezeigt werden.

Auch einige weitere Schülerinnen und Schüler waren zur Eröffnung der Wanderausstellung gekommen. Sie fragten Ingeborg Teipel und Andrea Menne von der Initiative nach Entstehung und Zielsetzung der Stolperstein-Idee.

Erste Stolpersteine in Schopfheim 2021 verlegt

Menne erläuterte den Jugendlichen, dass sich die Initiative Anfang 2021 gegründet habe, als sich ein Mitglied mit der Historie seines Wohnhauses und dem Schicksal der dort früher beheimateten jüdischen Familie Auerbacher beschäftigte. Bereits wenige Monate später, im Oktober 2021, konnte man am Haus die ersten Stolpersteine in Schopfheim verlegen. Dazu habe man sich mit dem Künstler Gunter Demnig zusammengetan, der bereits etwa 70 000 Stolpersteine in ganz Europa verlegt hat.

Verantwortung über Generationen weitergeben

Dabei aber wollte man es nicht belassen – schließlich weiß man von weiteren jüdischen Bewohnern Schopfheims, denen ein ähnliches Schicksal widerfahren ist. Die Initiative wolle an die Menschen erinnern, die in Schopfheim gelebt haben und „auf so brutale Art deportiert und letztlich auch vernichtet wurden. Wir möchten für Geschehenes Verantwortung zeigen – und diese Verantwortung über die Generationen weitergeben.“

Mitdenken – miterinnern

Es solle ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, „dass Erinnern nicht aufhört“. Gerade deshalb freue man sich, dass sich auch junge Menschen intensiv mit der Thematik auseinandersetzen – wie der Film der Schülerinnen beweist. „Wir hoffen, auch Euch ansprechen zu können, dass ihr mitmacht, mitdenkt, miterinnert“, so Menne zu den anwesenden Schülerinnen und Schülern. Ingeborg Teipel ergänzte, dass das Bewusstsein da sein müsse, dass so etwas wieder passieren kann. Die Stolpersteine könnten dafür einen wichtigen Beitrag leisten.

Weiterführende Informationen

Weitere Stationen
der Ausstellung sind die Kirche St. Michael, die katholische Kirche St. Bernhard, die Friedrich-Ebert-Schule, Sparkasse Wiesental, Volksbank Dreiländereck, VHS und Gewerbeschule.

Kulturprogramm:
Zur Stolpersteinverlegung hat die Initiative ein Kulturprogramm mit Veranstaltungen bis November geplant. Die nächste findet am Freitag, 12. Mai, 19 Uhr, statt: Eine Lesung des Hörbuchs „Adressant Unbekannt“ von Kathrine Kressmann Taylor im Katholischen Gemeindehaus.

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