Schopfheim Verantwortungsloser Umgang mit den alten Uehlin-Häusern

Für den Erhalt der Uehlin-Häuser plädiert eine Leserin. Foto: Werner Müller

Schopfheim - Uehlin-Häuser/Artikel: „wir sind keine Hampelmänner“ Auch wenn es leider zu wenig an die Öffentlichkeit dringt: viele Schopfheimer sind heilfroh darüber, dass die Untere Denkmalbehörde dem Abrissantrag des Gemeinderats bisher nicht stattgegeben hat. Uns freut es sehr, dass die geschmähte Denkmalpflegerin Antrag und eingereichte Unterlagen gewissenhaft prüft und auch nicht davor zurückscheut, weitere Informationen anzufordern, wenn das Vorgelegte sich als nicht überzeugend erweist.

Der frühere Bürgermeister meinte zwar, dies als „Lachplatte“ diffamieren zu müssen, uns hingegen beruhigt diese Haltung eher. Dass sich der Gemeinderat in erschreckender Mehrheit wünscht, der Schutzstatus werde ohne viel Federlesens zügig aufgehoben, ist erstaunlich: Schließlich war die zuständige Denkmalpflegerin bei ihrer Begutachtung nach dem Brand zu der Auffassung gekommen, der Schaden sei keineswegs so, dass nun nur noch der Abriss bliebe. Dass man es als Laie nicht besser weiß, ist nicht tragisch.

Peinlich ist es aber, Fachleuten, die über einen großen Erfahrungsschatz verfügen und für die auch Wirtschaftlichkeitsfragen bei Erhalt und Sanierung von Denkmalen zum langjährigen Arbeitsalltag gehören, die Kompetenz zur Beurteilung abzusprechen. Peinlich und geradezu tragisch ist auch der Umgang der Stadt mit ihrem – also unserem – Eigentum: Allen voran die teilweise denkmalgeschützten Uehlin-Gebäude, die seit Jahren (systematisch?) verwahrlosen, in denen die Feuerwehr Übungen abhalten durfte, wo auch schon vor dem Brand die Fenster bei jedem Wetter offenstanden und Feuchtigkeit eindringen konnte, wo die Häuser so schlecht gesichert wurden, dass die Brandstifter eindringen konnten. Auch bei Schwimmbad, Fahrnauer Friedhofsmauer und Schopfheimer Rathaus wurden notwendige Erhaltungsmaßnahmen immer wieder verschoben – so lange, bis eine Sanierung nur noch zu hohen Kosten möglich ist und dann Abriss-Fantasien entstehen. Dabei haben gerade Kommunen ihr Denkmaleigentum besonders zu schützen vor Gefährdung durch Vernachlässigung und Veränderung.

Auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Zumutbarkeit des Erhalts von Denkmalen in öffentlicher Hand gelten strengere Grundsätze als bei Denkmalen in privatem Eigentum. Für Städte und Kommunen als Denkmaleigentümer sind die Grenzen der wirtschaftlichen Zumutbarkeit des Erhalts grundsätzlich weiter gezogen. Ein denkmalgerechter Erhalt scheint im übrigen nicht so abwegig zu sein, sonst hätte nicht ein erfolgreicher Projektentwickler und preisgekrönter Denkmalretter wie Willi Sutter auch nach dem Brand noch Interesse am Erwerb der Gebäude gezeigt, um sie denkmalgerecht zu erhalten und im Sinne der vom Gemeinderat formulierten Anforderungen zu entwickeln. Vor dem Hintergrund der Rechtslage und des bisherigen verantwortungslosen Umgangs der Stadt mit den Uehlin-Häusern sollten Drohungen wie Untätigkeitsklagen und Dienstaufsichtsbeschwerden wegen Behördenwillkür vielleicht besser unterbleiben.

Schätzen und hoffen wir doch stattdessen, dass wenigstens die Denkmalbehörde ihre Hand auch weiterhin schützend über unsere Uehlin-Häuser hält. Sonst wären sie längst zugunsten einer gesichts- und geschichtslosen Überbauung abgerissen, und nur eine Plakette würde noch daran erinnern, dass mit Johann Georg Uehlin ein Revolutionär und überzeugter Demokrat tatsächlich hier, in diesen Häusern, gelebt, gearbeitet und mit der Herausgabe der ersten Schopfheimer Zeitung mitgeholfen hat, den Boden für die Republik und für unsere Demokratie zu bereiten.

  • Heidi Sutter-Schurr, Schopfheim

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