Schopfheim Viel mehr als nur Spazierengehen

Markgräfler Tagblatt
Vollzugsdienstmitarbeiter Dirk Sieger ist auf den Straßen Schopfheims unterwegs und wirbt im Gespräch mit den Bürgern um Verständnis für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Foto: Peter Schwendele

Die Stadt ist auf Suche nach Zuwachs für ihren Vollzugsdienst. Aktuell ist Dirk Sieger offiziell als einziges Mitglied des Ordnungsamtsteams im Außendienst, sprich: auf den Straßen Schopfheims, unterwegs, um dort nach dem Rechten zu sehen.

Von Peter Schwendele

Schopfheim. Vor Kurzem sind zwei Vollzugsdienstkräfte ausgeschieden, und der Stadt ist sehr daran gelegen, die Abteilung wieder aufzustocken, wie Bürgermeister Dirk Harscher und Ordnungsamtsleiterin Cornelia Claßen kürzlich bei einem Pressegespräch im Rathaus darlegten. Keinen Zweifel ließen sie dabei daran, dass es sich um eine anspruchsvolle und verantwortungsreiche Aufgabe handelt, die gleichermaßen interessant wie herausfordernd sei. „Man bekommt kein Geld fürs Spazierengehen“, räumt Claßen mit einem gängigen Vorurteil auf.

Der Vollzugsdienst hat nicht nur, wie viele denken, die Aufgabe, den ruhenden Verkehr zu überwachen, sprich: zu kontrollieren, ob die jeweiligen Vorgaben beim Parken von Fahrzeugen eingehalten werden, sondern es gilt auch, auf den fließenden Verkehr zu achten und weiteren gesetzlichen Vorgaben zur Umsetzung zu verhelfen.

Das Spektrum dabei ist breit und reicht etwa von der Marktbeobachtung bis zur Obdachlosenbetreuung, von der Begutachtung von Heckenschnitten bis zur Erstbetreuung von Fundhunden. Und in Sachen Tiere ist mit den beliebten Vierbeinern nicht immer schon die ganze Bandbreite abgedeckt. Sie habe auch schon einmal bei einer Wohnungsinspektion mit einer Schlange zu tun gehabt, erinnert sich Cornelia Claßen, die mit weiteren Ordnungsamtsmitarbeitern Dirk Sieger bisweilen im Außendienst unterstützt.

„Wir sind zwar noch handlungsfähig, haben aber einen Engpass“, so die Ordnungsamtsleiterin zur aktuellen Personalsituation.

Um potenziellen Interessenten die Beschäftigungsmöglichkeit im Vollzugsdienst nahezubringen, bietet die Stadt am 4. November, von 18 bis 20 Uhr im Feuerwehrgerätehaus einen Informationstermin an, bei dem das Berufsbild „Gemeindevollzugsdienst“ vorgestellt werden soll.

Klar ist: Es handelt sich nicht um einen Ausbildungsberuf, auch wenn der Vollzugsdienstmitarbeiter bei seiner Tätigkeit die Stellung eines Polizeibeamten einnimmt und über umfangreiche Kompetenzen verfügt. Insofern kann zwar theoretisch jeder ohne konkrete Vorbildung in diesen Job einsteigen, doch der Bürgermeister und die Ordnungsamtsleiterin relativieren diesen Ansatz, denn bei Weitem nicht jeder sei für die Aufgabe geeignet.

Fitness ist gefragt

Was sollte man also an Voraussetzungen mitbringen? Da ist zum einen die grundsätzliche Bereitschaft, die bestehenden Gesetze zu vertreten und sie zur Anwendung zu bringen. In körperlicher Hinsicht ist auch eine gewisse Fitness nicht unwesentlich, denn die Streifengänge finden zu Fuß statt und ziehen sich über ein großes Einzugsgebiet.

In sozialer Hinsicht ist vor allem die Freude, mit Menschen umzugehen und mit ihnen zu reden, gefragt.

„Für diese Aufgabe ist eine starke Persönlichkeit bis zu einem gewissen Grad gut, aber man sollte das Gegenüber nicht von oben herab behandeln“, sagt Cornelia Claßen.

Die Ordnungsamtsleiterin verschweigt nicht, dass die Tätigkeit des Vollzugsdienstes in der Praxis oft eine Gratwanderung darstellt: Einerseits geht es darum, die Menschen dazu anzuhalten, die Vorschriften einzuhalten, andererseits sollte man möglichst deseskalierend und ausgleichend wirken.

Denn grundsätzlich muss man immer mit negativen Reaktionen rechnen, wenn man im Vollzugsdienst auf den Straßen unterwegs ist. Dazu kommt, dass der Ton auf der Straße in der jüngsten Vergangenheit – vor allem auch in der Corona-Hochphase – durchaus noch mal rauer geworden, wie Dirk Harscher und Cornelia Claßen nicht verschweigen.

„Es passiert schon mal, dass man angebrüllt wird“, berichtet Cornelia Claßen. Schlimmeres sei in Schopfheim zum Glück noch nicht passiert, man könne allerdings nie grundsätzlich ausschließen, dass man körperlich angegangen wird.

Deshalb wird den Mitarbeitern im Vollzugsdienst auch ein externes Sicherheitstraining angeboten, bei dem sie lernen, mit schwierigen Situationen umzugehen.

An vorderster Front

„Die Menschen sind aggressiver und dünnhäutiger geworden, lassen öfter ihren Frust raus“, so Harscher. Insofern hätten die Mitarbeiter des Vollzugsdienstes, die an vorderster Front mit diesen Auswüchsen umgehen müssten, seinen größten Respekt, und die Stadt sei auch stets bemüht, sich vor ihre Mitarbeiter zu stellen. Dennoch dürfte klar sein: Wer allzu sensibel auf Anwürfe oder Anfeindungen, die heute oft auch über die sogenannten sozialen Medien laufen, reagiert, wird vermutlich im städtischen Vollzugsdienst-Job nicht glücklich werden.

Die Stadt bietet am Donnerstag, 4. November, von 18 bis 20 Uhr im Feuerwehrgerätehaus einen Informationstermin an, bei dem das Berufsbild „Gemeindevollzugsdienst“ vorgestellt wird.

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