Schopfheim Wasser nicht ganz abdrehen

Feucht, aber nicht fröhlich: Den Stadträten war ganz und gar nicht nach Feiern zumute, als es in der jüngsten Sitzung um einen wässerigen Sparvorschlag der Verwaltung ging.

Von Werner Müller

Schopfheim. Die will bekanntlich etlichen Brunnen im Stadtgebiet das Wasser abdrehen, um die Ausgaben für Instandhaltung und Wasserverbrauch im Haushalt zu halbieren. Erhoffte Ersparnis: rund 40 000 Euro insgesamt (wir berichteten).

Nachdem die Debatte in der Stadthalle eine Zeit lang vor sich hingeplätschert war, zog das Gremium auf Antrag von Ernes Barnet (Grüne) die Reißleine und vertagte die Entscheidung – damit das Kind nicht ganz in den Brunnen fällt.

Der Auftrag an die Stadtverwaltung lautet nun, vor einer endgültigen Entscheidung Sparvorschläge aus den Ortsteilen zu prüfen sowie für den einen oder anderen Brunnen nach Sponsoren zu suchen.

Schon in der Bürgerfragestunde hatte sich Wolfgang Bühler aus Eichen zu Wort gemeldet. Er wolle für die sprechen, die das nicht selber können, sagte er – die Brunnen nämlich. Diese seien „Kulturdenkmäler“, gab er zu bedenken und meinte, Sparen an sich sei in Ordnung, im Campus freilich ließe sich da mehr bewerkstelligen. Er plädierte dafür, die Brunnen weiter laufen zu lassen, vor allem in den Ortsteilen.

Auch Heidi Malnati (CDU) hatten gegen Sparen nichts einzuwenden. An und für sich sei die Liste in Ordnung. Sie sprach sich jedoch dafür aus, den Brunnen vor der Stadthalle und jenen im Pflughof nicht abzustellen. „Das müsste doch drin sein“, erklärte sie.

Ihr Fraktionskollege Mark Leimgruber sah es etwas anders. „Aus idyllischen Gründen müsste man alle laufen lassen“, räumte er ein. Trotzdem sei der jetzt eingeschlagene Weg der richtige.

„Idyllische Gründe“

„Total dagegen“ wandte sich indes Marianne Merschhemke. Die Grüne-Stadträtin schlug stattdessen vor, für die von der Stilllegung betroffenen Brunnen nach Paten oder Sponsoren zu suchen – bei Anliegern oder Firmen.

Für Kostensenkung sprach sich Felix Straub (Grüne) aus, auch wenn dies bei den Brunnen „schade“ sei. Diese seien ja aber „nicht ganz weg“, meinte er. Womöglich gebe es die Möglichkeit, die Tröge zu begrünen, so wie das in Bad Säckingen der Fall sei. In den Teilorten solle man den Umgang mit den Brunnen den jeweiligen Dorfgremien überlassen, so Straub.

„Muss denn an allen Brunnen immer Wasser laufen?“, gab Peter Ulrich (SPD) zu bedenken. Gebe es keine Möglichkeiten, die Wassermengen zu prüfen?

Ann-Bernadette Bezzel, Ortsvorsteherin von Gersbach, bat darum, die Ortsverwaltungen und Ortschaftsräte schon vor einer Entscheidung in die Diskussion über die Brunnen miteinbeziehen. Im Golddorf beispielsweise gebe es jede Menge Ideen, wie man bei den Brunnen Wasser sparen könne.

Thomas Kuri (CDU) bedauerte, dass die Stadt ausgerechnet bei den Brunnen sparen will. Dabei seien diese doch auch für das Mikroklima wichtig, in heißen Sommermonaten vor allem. Paradebeispiel dafür: der Brunnen im Pflughof.

Hildegard Pfeifer-Zäh (Freie Wähler) plädierte dafür, die Brunnen-Sparvorschläge abzusegnen, handele es sich doch lediglich um ein „kurzfristiges Sparkonzept für dieses eine Jahr“. Für die weitere Zukunft müsse allerdings ein Konzept her.

Bürgermeister Dirk Harscher signalisierte Bereitschaft, die Brunnen-Liste noch einmal zu prüfen und mit den Vertretern der Ortsteile zu sprechen. Zeit genug ist nach der Vertagung ja.

Unterdessen rufen die Grünen sowie die BI Innenstadt Privatpersonen, Geschäfte und Firmen dazu auf, Patenschaften für Brunnen zu übernehmen, um deren Stilllegung zu verhindern (siehe gesonderten Artikel).

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