Von Petra Martin

Schopfheim. „Wissen Sie eigentlich, wie groß ein Punkt ist? Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, hat das um 1450 festgelegt, und mit diesem typographischen System wird noch heute in der ganzen Welt gedruckt, auch das Markgräfler Tagblatt.“

Ein Besuch bei Harald Schwab-Strube ist eine Lehrstunde, eine Bereicherung, eine Lektion in der Kunst der Drucktechnik, in Historie, vergleichbar mit einem Setzkasten, in dem die Lettern liegen, die die Schriftsetzer herausnahmen, um sie zu einem Text zusammenzufügen. Es sind Erlebnisse aus einer Ära, bevor der PC Einzug hielt, so viele Geschichten sind es, und Harald Schwab-Strube erzählt sie meisterhaft, voller Lebendigkeit, er berichtet von schicksalhaften Verknüpfungen in seinem Berufs- und Privatleben, einem Leben, das so schmerzlich beginnen sollte.

Zehn Jahre alt war Harald Schwab-Strube, der gebürtige Bremer, als er kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs Mutter und Schwester bei einem Bombenangriff auf Kitzingen am Main verlor, bei dem insgesamt 700 Menschen umkamen. Im Luftschutzkeller hatten von 36 Menschen nur drei überlebt, Harald Schwab-Strube war einer von ihnen, er war bewusstlos und verschüttet, aber er wurde gefunden.

Ein Kriegsschicksal: der Vater schon vorher gefallen, wurde Harald Schwab-Strube in jener Stunde Vollwaise. Er kam zu Pflegeeltern, drei Jahre später wurde er vom Ehepaar Schwab adoptiert. In deren Betrieb lernte er nach dem Abitur Schriftsetzer und arbeitete bei einer Tageszeitung in Tuttlingen.

Als der Computer die Linotype-Maschinen verdrängte und der Beruf des Schriftsetzers ausstarb, war es wieder Zeit für etwas Neues. Harald Schwab-Strube, der mehr als 25 Jahre an den Setzmaschinen im Liniensystem gearbeitet, der Texte und Anzeigen gesetzt hatte, wurde zunächst Geschäftsstellenleiter bei einer Tageszeitung in St. Blasien und Wehr, dann verkaufte er Anzeigen: als Akquisiteur beim Markgräfler Tagblatt in Schopfheim, wo er seit 22 Jahren wohnt.

Siebzehn Jahre lang berichtete er zudem unter dem Kürzel „har“ als freier Mitarbeiter für unsere Zeitung, und seit dem Jahr 2000, seit der Einweihung des technischen Museums, das heute auf dem Krafft-Areal in Fahrnau seinen Sitz hat, führt er, Beiratsmitglied der Museumsgesellschaft, durch die Linotype-­Ausstellung, zeigt den Betrieb an den Maschinen - gelernt ist halt gelernt.

Zahlreiche Dankesschreiben von Ausstellungsbesuchern zeugen davon, wie gekonnt Harald Schwab-Strube Begeisterung zu wecken vermag für die Welt aus Winkelhaken, Matrizen, beweglichen Lettern und Blei.

Genauso begeistert hat er die Teilnehmer seiner Wanderungen - 16 Jahre lang war er im Auftrag des Schwarzwaldhauptvereins in Freiburg als Wanderführer in Südtirol unterwegs; zu seiner heutigen Verwunderung ganz mutig auch an Klettersteigen. 666 Menschen führte er in dieser Zeit sicher durch die Bergwelt; heute ist er noch Mitglied der Wehrer Ortsgruppe. Harald Schwab-Strube war zudem einige Jahre als Fahrer des DRK-Rollstuhl-Taxis im Einsatz.

Und das alles immer mit einem Schmunzeln im Gesicht: Seine bunten Abende bei Wandertouren und seine schelmisch-heiteren Anekdoten sind bei allen Freunden und Bekannten, bei ehemaligen Kollegen, Wanderern und Linotype-Ausstellungsbesuchern gleichermaßen bekannt wie beliebt. Humor hilft; und Harald Schwab Strube liebt es, die Menschen freudig zu stimmen. Geholfen hat ihm auf seinem Lebensweg

Humor hilft im Leben

auch stets seine Ehefrau Elfi, die er seit der gemeinsamen Schulzeit kennt und mit der er sich während der Fahrt auf einer Bodensee-Fähre verlobte. Die goldene Hochzeit hat das Ehepaar schon hinter sich.

Dass es ihm gut geht, habe er seiner Frau zu verdanken, sagt Harald Schwab-Strube, der heute, Montag, seinen 80. Geburtstag feiert. Die drei Kinder werden alle gleichzeitig zu Besuch sein, freut sich das Ehepaar, eine Tochter reist sogar aus Abu Dhabi an; die Tischkarten und ein Überraschungs-Puzzle sind fertiggestellt.

u  Übrigens: Ein typographischer Punkt misst 0,376 Millimeter. Und die nächsten Führungen mit Harald Schwab-Strube durch die Linotype-Ausstellung im Technikmuseum finden am Sonntag, 4. Oktober, zwischen 10 und 12 Uhr statt.