Schopfheim Ziel: Biohof mit Modellcharakter

Werner Müller

Die Bio-Bauern suchen eine neue Bleibe: Der Hof Dinkelberg schaut sich nach einem anderen Standort um – allerdings nicht ganz freiwillig. Der geplante Umzug steht vielmehr in Zusammenhang mit der geplanten Dezentralisierung des Markus-Pflüger-Heims, zu dem der benachbarte landwirtschaftliche Betrieb ursprünglich gehörte.

Von Werner Müller

Schopfheim . Seit 2004 betreibt der Verein Kambium den Hof, ausgestattet mit einem Pachtvertrag, der eigentlich noch bis 2041 läuft. Doch im Zusammenhang mit der geplanten Umstrukturierung des Markus-Pflüger-Heims meldete der Landkreis vor drei Jahren Bedarf für die Hoffläche an – wo sich heute Landwirtschafts- und Gärtnereigebäude befinden, soll eine Wohnsiedlung entstehen (wir berichteten).

„Diese Nachricht war zunächst ein Schock für uns, doch jetzt sehen wir es auch als Chance“, erklärt Markus Hurter, der den Biohof mit seinem Team und 50 bis 60 Mitarbeitern sowie 15 Arbeitsplätzen für Menschen mit Betreuungsbedarf seit 17 Jahren betreibt.

Tatsächlich ist die jetzige Hofstelle längst zu klein für den Betrieb, der rund 100 Hektar Fläche (davon zehn Hektar Gemüsekulturen) bewirtschaftet, Rinder, Schafe und Hühner hält, mit seiner Bio-Kiste wöchentlich mehr als 1000 Haushalte beliefert und seit vielen Jahren die frischen Waren auf dem Schopfheimer Wochenmarkt verkauft.

„Es war uns immer klar, dass wir auf Dauer was Neues brauchen. Insofern sehen wir jetzt darin ein Sprungbrett für unseren Biohof mit seiner sozialen Komponente“, so Markus Hurter.

Der Landkreis und die Markgrafenstadt erklärten sich denn auch bereit, gemeinsam mit dem Hof nach einer Ersatzfläche für die landwirtschaftlichen Gebäude zu suchen und – nach Klärung der Grundstücksfrage – das Projekt mitzutragen.

Nach zweijähriger Sondierung scheint jetzt tatsächlich eine Lösung gefunden – nur einen Steinwurf entfernt, östlich vom jetzigen Standort im Bereich Sengelen/Reigeltsmatt.

Die dortige Fläche bietet zahlreiche Vorteile für den Hofbetrieb – stadtnahe Lage, die auch für Mitarbeiter mit Assistenzbedarf gut erreichbar ist; genügend Platz für Erweiterungsmöglichkeiten und direkte Anbindung an die bereits bestehende Kuhweide. Einen Großteil der Fläche bewirtschaftet der Hof als Pächter jetzt schon.

Bei den Gesprächen habe die Stadt versichert, dass die einst als Anbindung zur A 98 geplante, so genannte „Sengelentrasse“, die exakt über die besagte landwirtschaftliche Fläche führen würde, in den Planungen keine Rolle mehr spiele, so Hurter. Nur so sei der Weg für diesen Standort frei geworden.

Trotz alledem bleiben noch einige Hürden zu nehmen. Als erstes muss der Hof Dinkelberg sich mit den Eigentümern der besagten Wunschfläche verständigen. Es sind immerhin deren 23, darunter die Stadt und der Landkreis.

„Wir besitzen dort noch keinen Quadratmeter“, so Markus Hurter. Man habe bereits Kontakt mit den Grundstücksbesitzern aufgenommen und hoffe sehr, dass sie mitspielen und ihr Land verkaufen.

Erst wenn diese „kritische Frage“ im Sinne der Biolandwirte geklärt ist, geht es ans Eingemachte – an das aufwendige Planungs- und Genehmigungsverfahren mit Beteiligung aller zuständigen Behörden. Als Termin für die Inbetriebnahme der neuen Hofgebäude schwebt Hurter das Jahr 2030 vor.

Er und sein Team planen am neuen Standort indes keinen Aussiedlerhof herkömmlicher Prägung, ganz im Gegenteil. Zusammen mit der Nachfolgegeneration um Martin Haas denkt der 62-Jährige an einen ökologischen Betrieb mit Modellcharakter – in nachhaltiger Bauweise, mit „freundlichen Bauformen“ und einem „vollautarken“ Energiekonzept. „Das wäre schon ein Meilenstein für uns“, so Hurter und Haas.

Für die Finanzierung der neuen Hofstelle rechnen die Bio-Landwirte mit erheblichen staatlichen Zuschüssen. Der Trägerverein Kambium hofft in Bezug auf die Sozialarbeit zudem weiter auf Spenden. Im Gespräch ist auch eine neue Unternehmensform, eine Genossenschaft oder eine AG, in der viele kleiner Anteilseigner das nötige Eigenkapital beisteuern. „Der Hof steht nicht auf wackligen Füßen, wir können schon was wagen“, zeigt sich Markus Hurter mit Blick auf die Zukunft optimistisch.

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