Schopfheimer Dilldapp Vom Chefsessel auf den Narrenthron

Anja Bertsch
Dilldapp Lothar Müller (links) und Laudator Lothar „Lotti“ Gisin Foto: Anja Bertsch

Die Narrenzunft hat einen neuen Würdenträger: Lothar Müller, Sparkassenvorstand a. D. und in seinen aktiven Zeiten als Bankenchef großzügiger Gastgeber der Narrenzunft, bekam am Donnerstag früh den Dilldapp-Orden verliehen.

Häs- und närrische Würdenträger, Guggenklänge und gemütlich-drangvolle Enge: Mit der Verleihung des Dilldapp-Ordens im Narrenkeller läuteten die Schopfheimer Narren am Donnerstag um Punkt 8 Uhr die heiße Phase der Fasnacht ein.

Gut gehütetes Geheimnis

Bis zur offiziellen Verkündigung blieb es das Geheimnis von Oberzunftmeister (Ozume) Frank Pfeiffer, wen er dieses mal als würdig erachtet hat, den Dilldapp-Orden entgegenzunehmen. Kenner freilich hatten im dichtgedrängten Besucherrund bereits vorher denjenigen ausgemacht, der den Narrenkeller üblicherweise nicht beehrt – sich heute aber, in Direktoren-Uniform und mit Zylinder herausgeputzt, unters Narrenvolk gemischt hatte: Lothar Müller war’s, bis vor knapp zwei Jahren Vorstandsvorsitzender der Sparkasse und in dieser Funktion den Narren über Jahre hinweg großzügiger Gastgeber bei ihrem „Ohmegelditriebe“, bei dem diese verschiedene Einrichtungen im Städtli aufsuchen, um dort zu feiern und sich feiern zu lassen. „Bei Euch in der Sparkasse ist immer eine der schönsten Stationen“, attestierte der Ozume dem Dilldapp – „dafür ein herzliches Dankeschön“.

Foto: Anja Bertsch

„Lotti“ gibt den Laudator

Als Laudator fungierte Lothar „Lotti“ Gisin – bekannt als Urgestein der Wibufa, in diesem Fall aber vor allem als ehemaliger Kollege des Sparkassenchefs die Idealbesetzung in diesem Amt: „Sparkasse Direktor a.D. Lothar Müller he me do g’frogt – ne alte Arbetskolleg vo mir, nur isch er zweu Stöck über mir ghogt“, spielte Lotti auf die zumindest räumlichen Höhenunterschiede zwischen dem früheren Hausmeister Gisin und dem neuen Dilldappen an – um die Zeit als „Facility-Manager“ und unter einem „guete Chef“ denn aber doch in den höchsten Tönen zu loben – und aus dem Nähkästchen zu plaudern, das sich in diesen 26 Jahren reichlich gefüllt hat.

Seitenhiebe unter Rentnern

Seit kurzem nun sind beide –Gisin und Müller – im Ruhestand – auch das Stoff für einen humorvollen Seitenhieb des Laudators: „Ich war vorher dra, e Johr war’s knapp. Ha mer’s no halber denk: Wenn de Husmeister goht, haut de Chef au bald mol ab.“ Und natürlich Stoff für einen Ausblick aufs drohende Alter und einen nicht immer schönen Einblick in die zugehörigen Erscheinungen, so von Senior zu Senior...

Ehrenzeichen am Bande: Der Dilldapp-Orden 2024 Foto: Anja Bertsch

Zum versöhnlichen Abschluss gab’s dann auch vom Laudator einen herzlichen Dank für die Müllersche Gastfreundschaft: „Werde au immer vopflegt mit Speis und Trank, des isch immer alles andere nur nit selbstverständlich herzliche Dank.“

Dilldapp Müller zeigte sich erfreut und geehrt. Der Besuch der Narrenzunft sei alljährlich einer der schönsten Termine auf der seiner Agenda gewesen – auf der sich auch ganz andere Verpflichtungen fanden. Und apropos Terminkalender: Die Redewendung „Rentner haben keine Zeit“ hatte sich auch mit Blick auf die Ehrung Müllers als wahr erwiesen: Eigentlich bereits fürs vergangene Jahr als Dilldapp angefragt, musste er damals urlaubsbedingt passen – und gelobte in dieser Hinsicht nun demütig Besserung: „Nie wieder Ferien währen der Fasnachtszeit.“

Launige Ansagen

Als Hausherr hatte Bürgermeister Dirk Harscher die Gäste zuvor im Narrenkeller unterm Rathaus willkommen geheißen und das Buffet eröffnet. Das Bier dieses Mal inklusive – „für die, die so früh noch keinen Sekt vertragen“, wie der entmachtete Rathauschef launig anmerkte. Das ganze im Übrigen auf Kosten der Stadt: „Wir haben zwar kein Geld – machen es aber trotzdem“, so die mit Sicherheit nicht nur aufs vergleichsweise überschaubare Buffet-Budget bezogene Ansage Harschers.

Zum Dilldapp-Orden am Hals des Ex-Bankenchefs gesellten sich dann noch Pümpel und Füchslein im Miniformat – die Ehrenzeichen von Statthalter Marc us de Altstadt – seines Zeichens Gas- und Wasserinstallateur – und Kinder-Statthalter „Leon vo de Füchs“, die den Dilldappen ebenfalls beglückwünschten.

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