Steinen Bereit für die Ankunft junger Migranten

Adrian Steineck
Die Helfer des Technischen Hilfswerks, der Feuerwehr und zahlreiche Ehrenamtliche haben mit angepackt, um innerhalb von zwei Tagen Zelte für unbegleitete minderjährige Ausländer zu errichten. Wann diese aber in Steinen ankommen, ist noch unklar. Foto: Maximilian Müller

Innerhalb von zwei Tagen hat der Landkreis Lörrach auf dem Parkplatz des Freibads in Steinen Zelte aufgebaut, in denen bis zu 100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden können.

Aufgrund der Grenzlage des Landkreises Lörrach sind die Zugangszahlen von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (Uma) im landesweiten Vergleich sehr hoch, wie es in einer Mitteilung des Landratsamts vom Dienstag heißt (wir berichteten). Mit den bisherigen Kapazitäten komme der Kreis daher mittlerweile immer wieder kurzfristig an seine Aufnahmegrenzen.

Lösung bis Ende des Jahres

Bisher stehen mit einem Hotel und einer Wohnung in Lörrach sowie zwei Hallen in Schönau und in Rheinfelden insgesamt rund 180 Plätze zur Verfügung, die bereits stark ausgelastet sind. Mit den jetzt geschaffenen Zeltunterkünften habe der Kreis sich einen Puffer geschaffen, sagt Torben Pahl, Pressesprecher des Landkreises, auf Anfrage unserer Zeitung. Die Zelte in Steinen sind als Übergangslösung konzipiert und sollen Ende des Jahres wieder abgebaut werden.

Flüchtlinge und Uma

Pahl geht im Gespräch mit unserer Zeitung auch auf die Unterscheidung zwischen Flüchtlingen und unbegleiteten minderjährigen Ausländern, wie die offizielle amtliche Bezeichnung lautet, ein. Während Flüchtlinge den Landkreisen von der Landeserstaufnahmestelle nach einem Verteilungsschlüssel zugewiesen werden, ist es bei den Uma so, dass diese von der Bundespolizei aufgegriffen und dem Jugendamt überstellt werden. Sprich: Bei den Uma lässt sich deutlich schlechter abschätzen, wie viele wann untergebracht werden müssen.

Herkunft und Aufenthalt

Einen Unterschied sieht Pahl auch in der Aufenthaltsdauer: „Flüchtlinge halten sich oftmals über Monate hinweg in unseren Gemeinschaftsunterkünften auf. Bei Uma ist es hingegen so, dass diese in der Regel nach maximal vier Wochen weitervermittelt werden.“ Nach einer Erstuntersuchung und einem Erstgespräch, in dem die Angabe der Minderjährigkeit überprüft wird, werden sie innerhalb dieser vier Wochen an das Landesjugendamt zur weiteren Verteilung in Baden-Württemberg oder auch darüber hinaus angemeldet. Stellt sich heraus, dass eine Volljährigkeit vorliegt, erfolgt die Weiterleitung an die Landeserstaufnahmestelle für Asylsuchende in Karlsruhe.

Laut Auskunft des Landratsamts stammt ein Großteil der Uma aus Afghanistan. Auch aus afrikanischen Ländern wie Nigeria oder Sierra Leone, aber auch aus der Türkei würden Minderjährige im Landkreis Lörrach ankommen, sagt Pahl.

Wie es in Steinen weitergeht

Die Kinder und Jugendlichen, die in Steinen ankommen, werden vor Ort versorgt und durch geschultes Fachpersonal betreut. Wie üblich, werde rund um die Uhr ebenfalls ein Sicherheitsdienst in der Unterkunft sein.

Wann die ersten Uma in Steinen ankommen, das kann Pahl nicht abschätzen. „Es ist durchaus möglich, dass die Zelte die nächsten Tage leer stehen.“ Auch wenn die jetzt vom Technischen Hilfswerk, der Feuerwehr und ehrenamtlichen Helfern errichteten Zelte Platz für bis zu 100 Menschen bieten, hält Pahl es für unwahrscheinlich, dass diese 100 Plätze alle zur gleichen Zeit belegt sein werden.

Keine Auswirkung auf GU

Dass die Zelte notwendig werden, war am Montag angesichts der gestiegenen Zahl von UMA, die die Bundespolizei in den vergangenen Wochen aufgegriffen hat, klar. Die jetzt errichteten Zelte wirken sich aber nicht auf die Gemeinschaftsunterkunft (GU) an der Wiesentalstraße aus. Dort kümmert sich der Arbeitskreis Miteinander um die Flüchtlinge. Etwa 90 bis 100 Flüchtlinge, darunter viele junge Männer etwa aus Afghanistan, sind in der GU Steinen untergebracht.

Insgesamt gibt es im Landkreis Lörrach zwölf Gemeinschaftsunterkünfte. Diese sind an ihren Kapazitätsgrenzen angekommen, wie Landrätin Marion Dammann jüngst in einem Brief an die Bürgermeister im Kreis geschrieben hat.

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