Orchester, die auf historischen Instrumenten der Barockzeit musizieren, sind selten, auch deshalb macht etwa das Freiburger Barockorchester weltweit Furore. So gesehen war das Gastspiel des Landesjugendbarockorchesters an Dreikönig in der Petruskirche eine kleine Sensation.

Steinen. Konzertantes Archäologentum also, das im gut besuchten Gotteshaus zur Aufführung kam, und sich unterm Strich als musikalisches Barockfest einordnen ließe – sichtbar wurde die große Ambition seitens der Akteure.

Werke großer Meister hatte Dirigent Gerd-Uwe Klein dem knapp 20-köpfigen Ensemble zugedacht. Allen voran Bach als Konstante im Repertoire, gefolgt von Telemann und dem ebenso bis heute verehrten Franzosen Rameau. Den drei Notenschöpfern gemein ist die gleiche Lebenszeit, sprich die gleiche Schaffenszeit. Barockmusik, heute „Alte Musik“ genannt, war damals „in“ beim Publikum. Bach war zudem mit seiner Zeit in Weimar eine gute Phase beschert, er genoss die Gunst des Fürsten, konnte sich ausprobieren. Zum Dank schuf er die Brandenburgischen Konzerte, Nr. 2 und Nr. 4 kamen in der Petruskirche zu Gehör. Auf die historische, „tiefer gelegte“ Aufführungspraxis wies der Dirigent hin. Er hantierte nicht mit dem Stab, sondern saß wie in der Kammermusik üblich im Publikum. Diesem war eine Vorstellung geboten, die sich durch Virtuosität und Spielfreude auszeichnete, basierend wohl auf dem tiefen Verständnis ums besondere Tongut. Deutlich wurde das Bemühen um markante Phrasierung und rhythmische Stringenz, was auch akustisch zur Geltung kam.

Die Musiker waren bestrebt, makellose Technik zu präsentieren, um der Vielfarbigkeit und Ausdrucksintensität des barocken Genres gerecht zu werden. Bewundern ließ sich technische Brillanz, spannungsvoll und mit den nötigen Finessen ausgestattet. Umso höher zu werten, da alte Blasinstrumente von mehr Widerständen umgeben sind als moderne. Diese verstand das Ensemble aufzufangen durch kollektiven Puls, der in harmonischen Gesamtklang mündete.

Die Interpretation des als emotional gerühmten Telemanns enthielt den Genuss herrlichen Oboenklangs. Gleiche Akkuratesse zeigten die Bach-Stücke, die kurze Nr. 2 diente sozusagen als Schlussakkord, dessen barocker Glanz mittels teils schmissiger Ausdrucksstärke gefeiert wurde. Den Akzent setzten die Soli der Streicher und Bläser, die den konzertanten Charakter untermauerten. Nur ein Höhepunkt: Der finale Trompetenspieler, den er „erst von dem Schritt überzeugen musste“, wie Klein sagte.

Mit der Rameau eigenen musischen Feinheit, die dessen verdichtete Faktur abverlangt, wurde der französische Part interpretiert, der sich als passend platzierter Auftakt erwies. Zahlreiche, berückend schöne Momente waren zu erleben, darunter rasante Tempi (Bach Nr. 2), die man mit Respekt quittierte, was sich in lautstarkem Applaus widerspiegelte.