Von Harald Pflüger

Ein Stück gelebte Integration ist das Themenfrühstück, zu dem deutsche und türkische Frauen seit 2009 in Steinen regelmäßig in der Grundschulaula zusammenkommen.

Steinen. Zwischen zehn und fünfzehn Frauen treffen sich seit sieben Jahren an jedem letzten Mittwoch im Monat in der Grundschulaula zum gemeinsamen Frühstück. Diese Themenfrühstücke sind nicht ausschließlich türkischen Frauen vorbehalten, sondern offen für alle Frauen aus islamischen Ländern, unabhängig von deren Religion. Das sagten die Initiatorinnen Renate Holdermann und Renate Schulze-Schyja diese Woche bei einem Pressegespräch. Als Veranstaltungsort für das Themenfrühstück wurde bewusst die Schule gewählt. „Das ist ein Ort, der auch von den Ehemännern der türkischen Frauen akzeptiert wird“, sagt Renate Schulze-Schyja.

Von Anfang an bei diesen Themenfrühstücken dabei ist Gülzin Zor, die bei einem Integrationskurs die deutsche Sprache erlernt hat. Sie weiß, wie wichtig es ist, sich auf Deutsch verständigen zu können.

Wer die Sprache des Landes, in dem er lebt, nicht spricht, stehe außerhalb der Gesellschaft, sagt die Sozialabeiterin Melahat Ulec von der Schubert-Durant-Stiftung. Die Schubert-Durand-Stiftung ist eine gemeinnützige Einrichtung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Aus- und Weiterbildung von Mädchen und Frauen aus Staaten mit muslimischer Mehrheit zu fördern. Ulic ist vor 40 Jahren nach Deutschland gekommen und kennt die Probleme, auf die ihre türkischen Landsleute hier stoßen: „Wenn man die Sprache des Landes nicht kann, fühlt man sich verloren.“

Mit Blick auf die Migrationsbewegung kommt der Volkshochschule eine wichtige Rolle beim Erlernen der deutschen Sprache zu. Im März beginnen zwei neue Kurse „Deutsch als Fremdsprache“, die sich besonders an Frauen und Mütter von Schulkindern richten, auch wenn diese schon länger in Deutschland wohnen.

Auch wenn Gülzin Zor sehr gut deutsch spricht, zuhause in der Familie wird nach wie vor türkisch gesprochen. Für Renate Holdermann ist das Engagent der Volkshochschule eine Bereicherung. Gemeinsam mit Renate Schulze-Schyja wünscht sie sich, dass die Themenfrühstücke bei den türkischstämmigen Frauen noch bekannter werden. Sie setzen dabei auf Mundpropaganda, Elternabende und moderne Medien wie WhatsApp.

Dabei sind die Themenbereiche, die bei diesen Frühstücken abgedeckt werden, vielfältig. Diese Woche beispielsweise war die Schulsozialarbeiterin am Meret-Oppenheim-Schulzentrum Steinen zu Gast, demnächst wird es ein Apotheker sein, der über die Beipackzettel von Medikamenten spricht, und Bürgermeisterstellvertreterin Ulrike Mölbert wird ein weiterer Gast beim Themenfrühstück in der Grundschulaula sein.

Das Frühstücken kommt bei diesen Treffen nicht zu kurz. Die aufgetischten Spezialitäten sind für viele Deutsche ungewohnt, aber köstlich.

Die Teilnehmerinnen des „Türkischen Themenfrühstücks“ bereiten übrigens im Rahmen eines Volkshochschulkurses am Freitag, 18. März, in der Schulküche des Meret-Oppenheim-Schulzentrums gemeinsam mit den Teilnehmern türkische Köstlichkeiten zu. Auch orientalische Tänze bietet die Volkshochschule Steinen im Sommersemester an, wobei sich die Kurse sowohl an Anfänger als auch an Fortgeschrittene richte.