Steinen. Die Untersuchung zur nationalsozialistischen Vergangenheit Steinens von Hansjörg Noe hat bei der evangelischen Kirchengemeinde Steinen Bestürzung und Betroffenheit ausgelöst. Vor allem das vergessene Wissen um das Kriegerdenkmal bei der Petruskirche bewegte die Mitglieder, so dass sie sich nun in einem offenen Brief an den politischen Gemeinderat Steinen wandten.

Der Ältestenkreis spricht von einer „längst überfälligen Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der Ortsgeschichte“ und betont ihre Mitverantwortung zur Vergangenheitsbewältigung. Schon immer habe es bei einigen Kirchenmitgliedern Unbehagen gegenüber dem Gedenkstein mit der Aufschrift „Den Kämpfern für Deutschland“ gegeben, doch wurde es als zeitloses Mahnmal gegen Krieg und Terror interpretiert und fand daher Toleranz.

„Die nun aufgedeckten Hintergründe Noes zeigen jedoch: Das Kriegerdenkmal kann in seiner ursprünglichen Intention und jetzigen Gestalt nicht mehr als eine Mahnung vor Krieg und Terror verstanden werden, sondern stellt eine Verherrlichung derselben dar“, heißt es in dem offenen Brief. Das 1936 geschaffene Arrangement des Gesamtkomplexes orientiere sich laut Kirchengemeinde an kirchlichen Sakralbauten und inszeniere sich bewusst als Alternative zur Petruskirche: ein propagandistischer „Heldenhain“ zur Verherrlichung völkischen Gehorsams.

In seinen „Altar“ wurden die Symbole der nationalsozialistischen Ideologie eingearbeitet, bis heute enthält der Grundstein des Sandsteinquaders eine Denkmalurne mit einer Rede Adolf Hitlers, dessen Buch „Mein Kampf“ und weitere Dokumente. Nach dem Zusammenbruch des Naziregimes 1945 wurde lediglich das Hakenkreuz entfernt.

„Wir empfinden es als beschämend, dass das kirchliche Leitungsgremium unter Pfarrer Max Bürck dem Bau dieses Kriegerdenkmals scheinbar protestlos zugestimmt hat“, so der Ältestenkreis der Petrusgemeinde Steinen. Seine Mitglieder haben daher beschlossen, sich dafür einzusetzen, dass der Sandsteinquader mit den nationalsozialistischen Beigaben vollständig und zeitnah beseitigt wird. Da die Besitzverhältnisse jedoch ungeklärt sind, ist die evangelische Petrusgemeinde auf die Mitwirkung der politischen Gemeinde angewiesen.

„Gleichzeitig sind wir der Überzeugung, dass die neuen Erkenntnisse Auswirkungen auf die Gestaltung der Gedenkfeiern haben müssen, die anlässlich des Volkstrauertages an diesem Kriegerdenkmal stattfinden“, so der Ältestenkreis, „wir halten es für nicht länger vertretbar, dass an der Stelle ein Kranz niedergelegt wird, an der bis heute die Dokumente einer menschenverachtenden Weltanschauung ruhen.“

Der Ältestenkreis hat beschlossen, dass die evangelische Petrusgemeinde an keiner Gedenkfeier mehr mitwirken wird, die eine Kranzniederlegung oder eine ähnliche Symbolhandlung am Kriegerdenkmal in seiner jetzigen Form beinhaltet. Die Gemeinde werde für derartige Veranstaltungen ihre Gebäude nicht mehr zur Verfügung stellen.