Steinen Man soll sich willkommen fühlen

Juliane Heyn-Best, die Vorsitzende der Alzheimerinitiative Dreiländereck, erläuterte im Haus der Sicherheit das Konzept einer Demenz-WG, wie sie im Gelben Haus in Steinen geplant ist. Foto: Gabriele Poppen Foto: Markgräfler Tagblatt

Auf Einladung von „Steinen im Wandel“ und der VHS erläuterte Juliane   Heyn-Best von der Alzheimerinitiative am Mittwochabend vor rund 20 Interessierten im Haus der Sicherheit das Konzept des geplanten Wohn-Projekts „Gelbes Haus“.

Steinen (gpn). „Wir möchten bessere Lebensumstände für Demenzkranke und Angehörige“, beschrieb Juliane Heyn-Best die Motivation. Aus ihrer persönlichen Geschichte weiß sie um die Herausforderungen, vor denen eine Familie steht, wenn ein Mitglied die Diagnose gestellt bekommt.

Zur Organisationsform der WG in Steinen erklärte sie, dass diese sich vollständig selbst verwalten soll. Das bedeutet, es gibt keinen festen Pflege- und Betreuungsanbieter. Idealerweise sollten sich die Mieter als Gremium gemeinsam für einen Dienst entscheiden. Die professionellen Betreuungskräfte sollten dabei ein festes Team bilden, damit eine familiäre Atmosphäre entsteht. Die Demenzkranken hätten jeder ein eigenes Zimmer in der Größe zwischen 12,5 und 14,5 Quadratmetern. Eigene Möbel können mitgebracht werden, und jedes Zimmer hat ein Waschbecken, das Bad teilen sich immer drei bis vier Bewohner. „Die Betreuungskosten in der Demenz-WG entsprechen denen, die auch im Pflegeheim entstehen würden“, erklärte Juliane Heyn-Best.

Zu den Vorteilen, im Gegensatz zum Heim, sagte sie, die Bewohner könnten selbstbestimmter leben. Zum Beispiel entscheiden, wann sie ins Bett gehen möchten, und es gebe mehr Betreuungskräfte. Eine gemeinschaftliche Wohnküche, wie es sie in Steinen geben soll, wird zum kreativen Zentrum, wo Bewohner, Betreuer und Angehörige mitkochen und -backen können. „Durch Beschäftigung entsteht Gemeinsamkeit“        meinte Juliane Heyn-Best, daheim würden viele vereinsamen. Bleiben können die Demenzkranken in dem Haus bis zu ihrem Tod, es sei denn, der Gesundheitszustand lässt dies nicht zu. Grundsätzlich ergänzten sich die verschiedenen Betreuungsmöglichkeiten im guten Miteinander für eine bestmögliche Unterstützung.

Auf die Frage eines Bürgers, ob es denn in der WG ein festes Programm gebe, antwortete Juliane Heyn-Best, dass der Alltag das Programm gestalte. Zusätzliche Unterhaltung werde durch das Engagement von Ehrenamtlichen angeboten. Überhaupt lebe das Projekt auch durch bürgerschaftliches Engagement, und Petra Weber, die sich seit zwei Jahren in der Villa Eckert ehrenamtlich einbringt, berichtete von ihren positiven Erfahrungen. Man müsste keine Fachkenntnisse mitbringen, denn es gehe um das Bereitstellen alltagspraktischer Hilfen: Geschichten vorlesen, Kuchen backen oder jemanden zum Friseur begleiten. Unterstützung bekommen die Helferinnen und Helfer von der Leiterin des Hauses. Einer, bei dessen Mutter vor einigen Jahren Demenz diagnostiziert worden war, ist froh, dass er für sie, nach rund drei Jahren Wartezeit, einen Platz in der „Villa Eckert“ gefunden hat. Die Warteliste ist lang. „Es braucht geschultes Personal“, berichtete er von der Betreuung zu Hause. Und nach einem kurzen Pflegeheimaufenthalt habe seine Mutter dann in der WG regelrecht aufgelebt. Als Angehöriger müsse man aber lernen, dass man die Demenz-WG besucht und nicht nur das erkrankte Familienmitglied.

Was die Planung der Außenanlagen angeht, meinten Bürgermeister Gunther Braun und Patrick Scheuermann von der Wohnbau Steinen, dass die Feinabstimmungen noch kämen.

Weitere Informationen: Alzheimerinitiative Dreiländereck. Vereins-Vorsitzende: Juliane Heyn-Best, Tel. 07621/668773 (Anrufbeantworter), www.alzheimerinitiative.com.

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