Steinen Mangel ist in Steinen Programm

Maximilian Müller
Patrik Riesterer hat in 30 Berufsjahren viele Veränderungen erlebt. Foto: Maximilian Müller

Vor 30 Jahren und im Alter von 30 Jahren kam Patrik Riesterer zur Gemeinde Steinen. Seitdem ist er Leiter des Amts für Bauverwaltung und hat an einigen großen Projekten mitgewirkt – eines war dabei immer konstant: die klamme Kasse der Gemeinde.

Von Maximilian Müller

Steinen. Bevor Riesterer in Steinen anfing, war er für die Stadtverwaltung Lörrach tätig. Es habe in dem Bereich gearbeitet, den man heute Forderungsmanagement nennt. „Das will man nicht auf Dauer machen“, sagt Riesterer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Er bewarb sich in Steinen auf den Posten des Leiters des Amts für Bauverwaltung. Dieser war neu geschaffen worden, weil es schwierig war, technisches Personal zu finden. Seit November 1992 hat Riesterer diese Stelle – und auch dasselbe Büro im Höllsteiner Rathaus neben dem Sitzungssaal, in dem früher der Bauausschuss tagte. Inzwischen erlebt er in seiner Dienstzeit schon den dritten Bürgermeister Steinens.

Digitale Bauanträge

Riester zog mit Frau und Kindern nach Steinen. Erste Station war an der Kanderner Straße. Schon damals habe der Vermieter gesagt, dass dort bald der Verkehr beruhigt werde. Vor wenigen Monaten war es auch wirklich soweit. Doch schon lange lebt Riesterer mit seiner Frau in Weitenau.

In den 30 Jahren hat sich einiges geändert – zum Guten wie zum Schlechten. Gut ist für Riesterer die Digitalisierung. Früher gab es im Bauamt große Schubladen, aus denen man die Bebauungspläne zog, um dann Auszüge an die Planer zu schicken. Inzwischen könnten diese dafür auf eine Internet-Plattform des Landkreises zugreifen. Bauanträge kommen ebenfalls digital zur Bearbeitung ins Bauamt, was die Arbeit enorm erleichtere.

Kompliziertere Gesetze

Im Gegenzug seien die Menschen prozessfreudiger geworden – wohl auch dank der Rechtsschutzversicherungen. Zudem ist die Gesetzeslage viel komplizierter geworden. Früher habe es gereicht, wenn die Gemeinde mit einem Juristen in Lörrach die strittigen Fälle und das weitere Vorgehen besprach, erzählt Riesterer. Heute gebe es in dem Bereich hochspezialisierte Fachanwälte.

Er habe inzwischen die Hoffnung aufgegeben, dass es mit neuen Gesetzen einfacher werde, sagt Riesterer. Im Gegenteil: Es müsse immer mehr Aufwand betrieben werden.

Und die finanzielle Situation in Steinen? „Mangel ist hier Programm“, sagt Riesterer. Die Gemeinde habe schon immer schauen müssen, wo man sparen könne. Im Wohnungsbau sei immer etwas gegangen, aber Steinen sei kein großer Gewerbestandort.

Weniger Käufe

Nun sei auch der Wohnungsmarkt ins Stocken geraten, sagt Riesterer. Es würde deutlich weniger gekauft. Die Banken prüften derzeit wesentlich strenger. Er geht davon aus, dass es auch wieder mehr Zwangsversteigerungen geben wird, sollte sich die wirtschaftliche Lage nicht ändern.

Es werde ihm bei seiner Arbeit nicht langweilig, sagt Riesterer über seine Aufgaben. Mittlerweile ist er nicht nur Leiter des Bauverwaltungsamts, sondern auch Vorsitzender des Personalrats der Gemeinde mit ihren rund 220 Mitarbeitern. 50 Prozent seiner Arbeitszeit sind dafür vorgesehen.

In 300 Zonen eingeteilt

Einige große Projekte hat Riesterer begleitet, auch in der jüngeren Vergangenheit. Da ist zum einen das Baugebiet „Alte Weberei“, dessen erste Planungen schon einige Jahre zurückreichen.

Zum anderen die Aufgabe im Gutachterausschuss. Fünf bis sechs Monate habe es gedauert, um eine vernünftige Einteilung für die Grundsteuerreform zu erstellen. 300 Zonen sind es geworden.

Und gleich zu Beginn in Steinen gab es auch eine große Aufgabe. Damals wurde das Gewerbegebiet an der Wiese geschaffen, an dem sich jetzt unter anderem H2O und dpd niedergelassen haben.

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