Steinen Nach der Dienstzeit geht’s auf Reise

Maximilian Müller

Was passiert eigentlich mit Feuerwehrautos, die ausgemustert werden? Ein Fahrzeug der Steinener Feuerwehr wird derzeit zu einem Wohnmobil umgebaut, mit dem das Ehepaar Walter aus Jülich die Welt erkunden will.

Von Maximilian Müller

Steinen - Nach 33 Jahren im Dienst der Feuerwehr war für das Löschfahrzeug 8 Schluss, aber ausgedient hat es noch lange nicht. Es war 1987 bei der Feuerwehrabteilung Steinen in Dienst gestellt worden. Als an dem Standort – nach der Strukturdebatte in den Jahren 2003/2004 – ein Fahrzeug abgebaut wurde, kam es zur Abteilung Hägelberg.

Für den Ruhestand einige Pläne

Im Juli 2020 wurde es dann im Internet bei der „Zollauktion“ versteigert, berichtet Feuerwehrkommandant Walter Bachmann. Die Abteilung bekam stattdessen ein Mittleres Löschfahrzeug (MLF). Zu Bränden muss das Auto jetzt nicht mehr ausrücken. Nurmehr zu Reisen. Martin und Bea Walter haben das Auto gekauft und bauen es nun zu einem Wohnmobil um, mit dem sie auf Weltreise gehen wollen, sobald Bea Walter in den Ruhestand geht. Zuvor wollen sie in Urlauben Skandinavien, Marokko, Frankreich und Spanien erkunden.

Das Auto baut Martin Walter in Eigenregie um. Schon seit Kindheit an war er mit seinen Eltern campen. Das Heimwerken hat er von seinem Vater übernommen. Den Umbau nimmt er alleine vor.

Nachbarin aus den Flammen gerettet

Auf die Idee, ein Einsatzfahrzeug zu kaufen, kamen die beiden durch Freunde, die Motorradtouren entlang der Seidenstraße anbieten. Mit dabei: ein umgebautes Bundeswehrfahrzeug. Doch warum gerade ein Feuerwehrfahrzeug? Der Feuerwehr fühlen sich beide besonders verbunden, seit Martin Walter Nachbarn aus einem brennenden Haus gerettet hat. Im August 2018 sei ihre Nachbarin, eine Seniorin, auf die Idee gekommen, Vogelfutter zuzubereiten und habe dafür Fett in einem Topf erhitzt. Allerdings sei sie abgelenkt worden und das Fett erhitzte sich auf dem Herd unbeobachtet und entzündete sich schließlich.

Die Seniorin habe das Fenster geöffnet und Wasser in den Topf gekippt – es kam zur Verpuffung und hinterher war das gesamte Haus verqualmt und in Flammen. Ihr Mann habe die Enkelin aus dem Haus gebracht und die Nachbarin an den Füßen aus der verqualmten Küche gezogen, berichtet Bea Walter. In dem Haus war die Sicht da schon praktisch Null. Am Ende kamen Martin Walter und die Nachbarin wegen Rauchvergiftung ins Krankenhaus. So kam es zur Faszination für die Feuerwehr. Und mit Corona reifte auch der Beschluss, die Welt in einem Wohnmobil zu erkunden. Bei ihrer Suche nach einem Feuerwehrauto wurden die beiden in Steinen fündig.

Wegen Corona war es aber schwierig, rund 500 Kilometer in den Süden zu reisen, um das Auto anzuschauen. Und so entstand ein reger und freundschaftlicher Austausch über den Zustand des Fahrzeugs mit der Feuerwehr Steinen, insbesondere mit Feuerwehrkommandant Walter Bachmann. Der Kontakt hält bis heute an, und so wissen die Feuerwehrleute in Steinen und Hägelberg, wo ihr altes Fahrzeug so unterwegs ist.

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