Steinen Zwerchfellerschütterndes Vergnügen

Steinen-Weitenau - Immer mal wieder holt der Weitenauer Gesangverein „Harmonie“ um seine Vorsitzende Christa Schmieder-Wenzel ein Improtheater auf die Bühne der Weitenauer Festhalle.

Auch bei der mittlerweile sechsten Auflage am Samstag ging es in Sachen skurriler Stegreif-Szenen und absurder Ad-Hoc-Aktionen in der randvoll besetzen Festhalle Schlag auf Schlag – zum zwerchfellerschütternden Vergnügen der Zuschauer im randvoll besetzen Saal.

Müssen muss nix, können kann alles: Kernelement des Impro-Theaters ist eben das: Es wird improvisiert. Über welche Themen und in welchem Genre, ob gereimt, gesungen oder allein mit Gesten: Das alles ergibt sich erst direkt auf der Bühne, aus dem Moment und der schlagfertigen Spielfreude der fünf Bühnenakteure heraus.

Irrwitzig galoppierende Szenenwechsel, unerwartete Stimmungsumschwünge, und absurde Wortschwülste sind da in jedem Moment möglich und erwünscht.

Den schauspielerischen Wahnwitz auf die Bühne bringen die „Impronauten“ und die „Dramenwahl“: Theoretisch sind Johanna Löffel, Andreas Schurig, Guido Chudoba, Claudia Schurig und der Pianist Marcel Waldburger zwei verschiedene Teams. Praktisch sind sie durch schauspielernde „Doppelagenten“ und gemeinsame Aufritte eng miteinander verbunden. Und über Guido Chudoba wiederum mit dem Gesangverein Weitenau.

Improtheater ist eine urdemokratische Angelegenheit: Es sind Ideen, Stichworte, und Wünsche aus dem Publikum, die den Szenen per Zuruf die Themen, die Gegenstände, das Genre oder den Musikstil vorgeben, über die die Akteure dann ihre Theaterimprovisation kreieren. „Was wir damit anfangen, ist unser Problem“, bringt Andreas Schurig als schauspielernder Moderator diese ungleiche Ausgangsposition auf den Punkt. Das Publikum in Weitenau ist höchst engagiert bei der Sache, die Ideen sprudeln nur so auf die Bühne.

Zusammenspiel mit dem Publikum

Auf diese Weise entstehen im Zusammenspiel aus Publikum und Schauspielern und aus dem Moment heraus wahrlich haarsträubende Szenen und Geschichten. Der Krimi vom „Eitel-spießigen Gerichtsvollzieher“, der überm Banküberfall in eine rührende Liebesszene abgleitet zum Beispiel. Der „Drogen-Jodel“, der zwei Joints später nochmal um Längen besser fährt, oder ein tiefschürfend-sinnfreies Fachgespräch über das Vertikutieren in seinen globalen Erscheinungsformen – aufs köstlichste simultan-übersetzt in ausdrucksstarke Gebärdensprache. Die Basisdemokratie bringt’s auch mit sich, dass die Zurufe oft einen starken Bezug zum Ort des Geschehens haben.

Und so kommt’s, dass die Akteure einen buchstäblich tiefen Einblick in die medizinische Disziplin der „Kuhstall-Urologie“ gewähren, dass der sagenhafte Weitenauer Auerochse beim Vertikutieren hilft, und dass Schillers „Glocke“ an diesem Abend endlich ihren angestammten Platz im hiesigen Rathaus einnehmen kann. Das Publikum ist (nicht nur darüber) begeistert.

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