Todtnau „Es wird ein paar böse Jahre geben“

Markgräfler Tagblatt
Bürgermeister Andreas Wießner, Marco Sellenmerten (Leiter des Forstbezirks Todtnau), Ministerialrätin Anja Peck, Forsteinrichter Erhard Prinz, Christian Suchomel (Trainee bei der unteren Forstbehörde des Landratsamts) und Hubertus von der Goltz (Leiter des Geschäftsbereichs Forsteinrichtung beim Regierungspräsidium Freiburg, von links). Foto: Ulrike Jäger Foto: Markgräfler Tagblatt

Gemeinderat Todtnau: Planung für das kommende Jahrzehnt im Stadtwald vorgestellt

Nach einer Waldbegehung mit den Todtnauer Gemeinderäten und Vertretern der Forstbezirke, des Regierungspräsidiums und des Landratsamtes informierte Oberforstrat Erhard Prinz detailliert über die Aufgaben der Forsteinrichtung, den Vollzug des letzten Jahrzehnts und die Planung für das kommende Jahrzehnt.

Todtnau (jä). Die Forsteinrichtung habe die Aufgabe, Nachhaltigkeit im Wald zu sichern, erklärte Prinz. Todtnau sei in Baden-Württemberg der viertgrößte, in Deutschland der zehntgrößte Waldbesitzer. Die Zielsetzungen der Stadt seien Holzproduktion und marktorientierter Verkauf, Stabilisierung des Nadelholzanteils, Aufbau und Entwicklung naturnaher, stabiler Wälder sowie deren Anpassung an die Herausforderungen des Klimawandels.

Insektenschäden seien stark angestiegen, auch dies eine Folge des Klimawandels, so Prinz. Auf der forstlichen Betriebsfläche von rund 4900 Hektar seien die dominierenden Baumarten Fichte und Buche, wobei sich das Nadelholz seit 1997 „im Sinkflug“ befinde und um neun Prozentpunkte abnahm. Jedoch weise der Stadtwald mit fünf Nadel- und 19 Laubbaumarten eine beachtliche Breite auf.

Die Vorgaben der Naturschutzbehörde für den Douglasienanbau seien nicht mehr auf dem heutigen Stand, sondern stammten aus der Zeit vor Beginn der großen Klimadebatte, sagte Prinz. Zum Beispiel dürften auf dem Feldberg nur heimische Baumarten angebaut werden. Hier müsste man variantenreicher sein, bemerkte auch Bürgermeister Andreas Wießner, der das Thema demnächst in der Forstkammer ansprechen will. Auch Forstpräsidentin Anja Peck betonte, dass diese Diskussion geführt werden müsste.

Der Vollzug in den Jahren 2009 bis 2019 ergab planmäßige Hiebe und Verkehrssicherungshiebe, die Chancen zur Einbringung von Nadelholz seien genutzt worden, wie Prinz erklärte. Jedoch hätten die Schäden im Jahr 2018 stark zugenommen, es gab einen Schadholzanteil von 59 Prozent.

Der Bau von Maschinen- und Fahrwegen ermöglichte und erleichterte Pflegemaßnahmen, auch befallene Bäume könnten so leichter entfernt werden. Einen Kosten-/Nutzenfaktor dieses Wegebaus bezweifelte Hans Gelpcke (FW), der betonte, dass der Anblick vor allem auch für Gäste häufig sehr unschön sei und die Stadt neben der Einnahmequelle Wald schließlich auch vom Tourismus lebe.

Der Betrieb habe im vergangenen Jahrzehnt überplanmäßig in Pflege und Infrastruktur investiert und trotzdem ein hervorragendes wirtschaftliches Ergebnis erzielt, so Prinz. Dieses lag im Schnitt in der letzten Dekade bei rund 500 000 Euro pro Jahr. Diese Ergebnisse seien im kommenden Jahrzehnt nicht zu erreichen, er erwarte trotzdem ein positives Ergebnis (bei vergleichbaren Marktbedingungen), so Prinz, „aber es wird noch ein paar böse Jahre geben“. Erstmals musste 2018 ein negatives Ergebnis in Todtnau hingenommen werden.

Neue Herausforderungen seien die zunehmenden Schäden durch Dürre und Käferbefall an Fichte und Tanne. Die Klimaentwicklung verstärke diesen Effekt, so Prinz.

Auf die Frage aus dem Ratsrund nach Zuschüssen für zerstörte Flächen oder für finanziellen Ausfall erwiderte Anja Peck, dass die Diskussion über Fördermittel derzeit noch laufe. Der Entwurf für einen Notfallplan sei in Arbeit, doch gebe es noch kein Ergebnis.

Bürgermeister Andreas Wießner betonte, dass es beim Wald um die wichtigste Einnahmequelle der Stadt gehe. Der Gemeinderat beschloss einstimmig den Betriebsplan für die Zeit von 2019 bis 2028.

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