Todtnau Kehrtwende sorgt für großen Frust

Wenn die Brummis in Geschwend auf der L 149 um die Kurve kommen, wird es eng. Die Anwohner fordern schon seit vielen Jahren an dieser Stelle Tempo 30. Foto: Peter Schwendele

Todtnau - In Geschwend versteht man die Welt nicht mehr: An der gefährlichen Engstelle im Gewann Dürracker auf der Landesstraße 149 war Tempo 30 im Grunde beschlossene Sache. Doch das Landratsamt Lörrach sperrt sich gegen die Umsetzung. „Das ist für uns völlig unerklärlich“, sagt Ewald Dießlin, Sprecher der betroffenen Bürger.

Wenn ein Lkw auf der schmalen Straße an dem großen Schwarzwaldhaus unmittelbar neben dem Dorfgasthaus „dasrössle“ vorbeidüst, nimmt das schwere Fahrzeug im Kurvenbereich fast die gesamte Fahrbahnbreite ein. Immer wieder wird die Dachkante des Gebäudes abrasiert. Wer von unten kommt, hat wenig Einsicht in den weiteren Straßenverlauf. Fußgänger, die auf dem schmalen Gehweg unterwegs sind, leben gefährlich. Es kommen viele Gründe zusammen, weshalb in Geschwend auf diesem Straßenabschnitt Tempo 30 (das im Übrigen im restlichen Ort ohnehin gilt) gefordert wird. Bereits seit 2016 liegen insgesamt 28 Unterschriften von Bürgern, allesamt aus dem betroffenen Gewann Dürracker, für diese Maßnahme vor.

Im vergangenen Jahr schien es dann so, dass die Bürger nach vielen Eingaben, Bemühungen und Gesprächen mit Behörden und Vertretern der Politik endlich erfolgreich sein würden. Nach einem Vor-Ort-Termin im Februar 2018 mit Vertretern des Landratsamts Lörrach wurden zunächst über eine montierte Smiley-Anlage Messungen zum Verkehrsaufkommen und -verhalten vorgenommen. Die dabei gewonnenen Daten zeigten auf, dass die erlaubte Geschwindigkeit oftmals klar überschritten wird. Dies führe zu gefährlichen Situationen in dem engen, unübersichtlichen Kurvenbereich, hielt das Landratsamt fest und schickte sich an, die Situation zu entschärfen. Konkret wurde der Stadt Todtnau vorgeschlagen, im Kurvenbereich Tempo 30 zu installieren und die Geschwindigkeit nach dem Ortsausgang in Richtung Präg auf Tempo 70 festzusetzen. Im Mai stimmte der Bauausschuss der Stadt Todtnau diesen verkehrsrechtlichen Maßnahmen mehrheitlich zu. Bei den Anwohnern machte sich Erleichterung breit, wie Ewald Dießlin berichtet.

Indes: In Sachen Umsetzung kam es nicht zum Gewünschten. Zwar wurden die Tempo 70-Schilder aufgestellt und der Randstein im eigentlichen Gefahrenbereich weiß lackiert (inzwischen ist er vom Gummiabrieb der LKW-Räder bereits wieder schwarz), doch die Tempo-30-Zone wurde nicht eingerichtet. Die Nachfragen der Bürger blieben zunächst ohne Ergebnis.

Erst im November begründete Landrätin Marion Dammann in einem Schreiben an den SPD-Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger, der die Geschwender Bemühungen über die Jahre hinweg unterstützt hat, das Vorgehen. Neuerliche Messungen hätten ergeben, dass die Tempo 70-Regelung vor dem Ortseingang zu einer deutlichen Geschwindigkeitsreduzierung geführt habe. Die in Erwägung gezogene 30-km/h-Regelung im Ort sei „nach Abstimmung mit der Verkehrskommission“ zunächst zurückgestellt worden. „Erst nach einer Evaluation über einen längeren Zeitraum kann über weitere Maßnahmen entschieden werden“, schreibt Dammann.

Bei den Bürgern sorgte diese „komplette Kehrtwende“ für großen Frust, berichtet Ewald Dießlin, denn die auftretenden Gefahren an der Engstelle seien nach wie vor tagtäglich zu beobachten. Im Dorf sei mittlerweile mit Blick auf das Landratsamt von einer „Verhinderungsbehörde“ die Rede. Komplett vermisst werde die Bürgernähe, zumal man in den Nachbar-Landkreisen Waldshut und Breisgau-Hochschwarzwald gänzlich andere Beispiele im Umgang mit Verkehrsproblemen erlebe.

Dießlin hat sich nun ein weiteres Mal mit einem Schreiben an die Landrätin gewandt und sein Unverständnis über die Situation zum Ausdruck gebracht. Sein abschließender Appell: „Bitte geben Sie das schon beschlossene Tempolimit 30 km/h zur Umsetzung frei.“

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