Todtnau Kirchenkonzert begeistert mit Mozart

Jürgen Scharf
Eingeleitet wurde das österliche Konzert durch den liturgischen Gesang des Osterlobs mit Kantor Eduard Wagner (von der Kanzel herab) und die Schola, was dem Programm einen betont religiösen Charakter gab. Foto: Jürgen Scharf

Glanz von Pauken und Trompeten, klangprächtiger Mozart-Gesang und kraftvolle Orgelstücke ließen beim Chor- und Orchesterkonzert in Todtnau die Osterfreude nachklingen. Felix Wunderle scharte 50 Mitwirkende um sich.

Es muss nicht immer Johann Sebastian Bach sein. Es gibt klangvolle Alternativen zu Bachs Passionen. So hörte man beim österlichen Konzert am Sonntag in der gut besuchten katholischen Kirche St. Johannes Baptist als Hauptwerk Mozarts Krönungsmesse mit dem Zentrum aller Credo-Vertonungen, dem „Et incarnatus est“, der musikalischen Nachzeichnung der Geburt Christi, und der Karfreitagsszene am Kreuzhügel („Crucifixus“).

Mozarts Krönungsmesse von 1779 erfreut sich seit eh und je auffallender Beliebtheit. Es ist die berühmteste Messe ihrer Zeit und sie war auch das Herzstück dieses Osterkonzerts. Der berühmteste Satz daraus ist der letzte, der sechste, das Agnus Dei, mit dem ausgedehnten Sopransolo, dem Soloquartett und Chor. Unter Leitung des jungen Kirchenmusikers Felix Wunderle, der aus Todtnau-Aftersteg stammt und in Leipzig Orgel und Chorleitung studiert, wurde auf hohem Niveau musiziert, intensiv gesungen und gespielt.

Sorgfältige Ausarbeitung

Wunderle gelang mit seinem Projektchor und -orchester eine ernsthafte Werkauffassung, die beeindruckend war, sowohl im Chorischen als auch im Instrumentalen, in der sorgfältigen Ausarbeitung gefallen und die passenden Solisten vorweisen konnte.

Mit der glockenklar singenden Sopranistin Maria Backhaus, der runden Mezzostimme in den Altpartien von Carolina Bruck-Santos, dem erfahrenen Tenor Eduard Wagner und dem jungen Bass Mark Grishin von den Freiburger Domsingknaben stand dem musikalischen Leiter ein in sich stimmiges Solistenquartett zur Verfügung, dessen Stimmen sich gut mischten und besonders im „Credo“ aus dem Chor herauswuchsen.

Wunderle sorgte für gute Intonation, eine straffe, zügige Wiedergabe und eine erfreulich harmonische Klangbalance von vokaler und instrumentaler Ebene. Bei aller Chorpräsenz waren die mit festem Zugriff begleitenden Instrumentalisten deutlich herauszuhören. Pauke und Trompeten verliehen dem Ganzen feierlichen Glanz und Impetus.

Unterbrochen wurde die Messe in C nach dem Gloria durch einen Satz aus Mozarts Fagottkonzert anstelle einer Kirchensonate, musikalisch ausdrucksvoll interpretiert von dem Fagottisten Gabriel Lampert, dem Geiger Tobias Schlageter und Wunderle an der Orgel.

Auch in anderen Chorwerken wie der kleinen geistlichen Telemann-Kantate „Nun danket alle Gott“, die sich durch großen Einfallsreichtum auszeichnet, war ein optimales Zusammenwirken von Chor, Orchester und Solisten zu hören. Neben den beiden Chorsätzen waren hier das Duett von Tenor und Bass und die Alt-Arie insoweit herausragend, als plastisch, bildkräftig, lebendig und affektvoll gesungen wurde. Telemanns Vokalmusik widerfuhr hier Gerechtigkeit mit einer angemessenen Darstellung.

An der Truhenorgel sah man den Schopfheimer Kirchenmusikdirektor Christoph Bogon, der es sich nicht nehmen ließ, bei diesem großen Konzert seines ehemaligen Orgelschülers mitzuwirken. Das tat er auch als Orgelsolist in bewährter Souveränität, diszipliniert, aber mit strömendem Spiel und angemessen farbiger Registrierung, in einem festlichen Präludium von Dietrich Buxtehude, dem Hauptrepräsentanten norddeutscher Orgelkunst vor Bach.

Modernes Orgelwerk

Mit einer Orgelentdeckung wartete Felix Wunderle auf: einem modernen Orgelwerk von Franz Schmidt, dem Präludium und Fuge „Halleluja“, das man kaum in Kirchenkonzerten antrifft. In diesem Orgelstück, das ins Finale des berühmtem Oratorium „Das Buch mit sieben Siegeln“ einging, verstand es Wunderle, Schmidts eigenwilliges Idiom bestens und kraftvoll zum Klingen zu bringen. Reizvoll war ein Stück für zwei Orgeln, im dialogischen Wechsel zwischen der großen Rieger-Orgel (Wunderle) und der kleinen Truhenorgel (Wei-Chieh Liao, der übrigens auch im Orchester Trompete spielte).

Neben diesem recht abwechslungsreichen Programm gab es mit dem Te Deum im altkirchlichen Hymnus ein dem Zeitgeist verhaftetes frühes Chorwerk von Mozart, ein Jugendwerk des 13-Jährigen, das den weiten künstlerischen Weg des Salzburgers über die Krönungsmesse bis zum erstaunlichen Requiem zeigte.

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