Weil am Rhein Ästhetik von Architektur und Industrie

Gabriele Hauger
Rolf Frei zeigt in seiner Ausstellung vor allem Architektur-Fotografien, hier ein Schiffs-Hebewerk. Foto: Gabriele Hauger

Von Gabriele Hauger

Weil am Rhein. Architektur fasziniert, auch, wenn sie sich „nur“ auf Fotografien präsentiert. Insbesondere dann, wenn sie aus ungewöhnlichen Perspektiven und in starken Kontrasten von der Kamera festgehalten wird. Der Weiler Fotograf Rolf Frei zeigt in seiner Haltinger Galerie Underground knapp 40 Fotoarbeiten rund um dieses Thema unter dem Titel „Neues Sehen“.

Seine vorige Ausstellung war eine Präsentation von Bildern aus der Corona-Hochphase, als Frei ausschließlich menschenlose, einsame Naturaufnahmen aus der Regio zeigte. Nun also Architektur, die er von verschiedenen Reisen im vergangenen Jahr mitgebracht hat: aus dem schweizerischen Vevey, von der Architektur-Biennale in Venedig, aus Kassel auf den Spuren Kaiser Wilhelms oder aus dem Osten des Landes mit seinen zum Teil noch vorhandenen Braunkohlerevieren und Industriedenkmälern.

Zu sehen ist eine facettenreiche Fotografien-Sammlung, überwiegend in Schwarz-Weiß, was den Aufnahmen zusätzlich Kraft und Dynamik verleiht. Wenn Sonnenstrahlen weißen Glanz auf schwarze Kirchensäulen werfen oder die ästhetischen Formen der Kuppel von San Giorgio Maggiore kontrastierend herausgearbeitet werden, entdeckt man die Schönheit von Architektur jenseits plakativer, knallfarbiger Touristen-Fotos.

Nur eine Momentaufnahme, diesmal in Farbe, hat einen doppelten Regenbogen festgehalten – im weitesten Sinne können auch diese Rundformen als architektonische Kunstwerke gesehen werden – wenn auch nur flüchtige. Nicht ganz so flüchtig, aber auch eine Mischung aus Natur- und Architekturkunstwerk ist die Wasserspiegelung einer Pflanzenpyramide in Branitz, die als bepflanzte Grabstätte dient.

Auf der Architektur-Biennale in Venedig hat Rolf Frei viel Zeit verbracht und sich von dort ausgestellten Installationen faszinieren lassen; beispielsweise von einer aus Bienenwaben entstandenen Nofretete-Büste. Als „Scheinbild“ betitelt er eine Aufnahme von einer Einstein-Wachsfigur im Spiegel, die er im Museum in Vevey entdeckt hat – und führt den Betrachter mit seinem Bild im Bild in die Irre: Was ist echt, was ist Schein? Es sind die einzigen Bilder mit menschlichen Motiven.

Faszinierend wie immer ist das Ambiente im „Underground“ der Galerie. Hier warten singuläre, auch großformatige Aufnahmen auf den Betrachter: in die Jahre gekommene Industrieanlagen, Ziegeleien alte Dampfmaschinen, Geräte, Braunkohlegruben, die irgendwann wieder verschwinden werden, meist als Seen renaturiert. Die Aufnahmen sind von Nostalgie durchweht, haben DDR-Charme und wirken durch die Perspektive der Kamera doch oft wie grandiose Kunstwerke. Eisenstreben treffen in exakten Winkeln aufeinander, Seile und Verstrebungen bilden Sichtachsen, die Leitungen, Maschinen, Rohre oder Geländer streben aufeinander zu, als wären sie auf optische Wirkung bedacht – das alles wird zum ästhetischen Ensemble. Dabei hat die Reduktion auf Schwarz-Weiß enorme Kraft, ebenso wie die Strenge der Komposition. Durchblicke, Lichteinfälle, Schattenmuster und Spiegelungen verstärken noch die Wirkung. In manchen Bildern verliert sich der Blick des Betrachters regelrecht.   „Neues Sehen“: bis 24. April, Galerie Underground in Haltingen, Eimeldinger Weg 16. Interessierte Besucher können sich mit Terminwunsch per Mail an Rolf Frei wenden: photo@plus44.de

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