Weil am Rhein „Als Familie steht man das durch“

Weiler Zeitung
Alex Kaiser mit Aladin, Ivan & Co.: Die Tiere gehören im Zirkus Kaiser zur Familie. Foto: Saskia Scherer Foto: Weiler Zeitung

Schicksal: Der Zirkus Edmund Kaiser gibt ab Freitag Vorstellungen am LGS-Gelände / Durch die Corona-Krise schwer getroffen

Auf dem Parkplatz am Dreiländergarten hat die Zirkusfamilie Kaiser seit Sonntag alle Hände voll zu tun, damit bis Freitag ein rot-weißes Zelt in die Höhe ragt. Seit zwei Monaten ist der Zirkus wieder auf Tour, nachdem auch er coronabedingt pausieren musste. Wir haben einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Von Saskia Scherer

Weil am Rhein. Der Aufbau ist am Mittwochmorgen in vollem Gang. „Es gibt noch einiges zu tun“, sagt Alex Kaiser, Sohn des Zirkusleiters Edmund Kaiser, im Gespräch mit unserer Zeitung. Nicht nur das Zelt muss aufgestellt werden, auch Licht und Technik müssen funktionieren. Dahinter verbirgt sich sehr viel Arbeit – zumal aufgrund der Corona-Pandemie keine Schichtarbeiter mit an Bord sind, sondern die Familienmitglieder alles allein stemmen. Zehn Personen sind sie, vier kümmern sich um den Aufbau, sechs um die Werbung und alles was dazu gehört.

„Wir haben sonst immer noch Artisten dabei, die wir buchen können, zum Beispiel aus der Tschechei“, erklärt Kaiser. Das ist derzeit nicht möglich. So tausche man sich mit Kollegen in Deutschland aus. „Im Programm fehlt es an nichts“, versichert der 21-Jährige, der Älteste von sieben Geschwistern. Die Vorstellung dauert zwei Stunden, zu sehen gibt es Drahtseilakrobatik, Saltospringer, Feuerspucker, ein schwebendes Trapez, Jongleure, Handstandakrobatik in zehn Metern Höhe und natürlich Clowns. Edmund Kaiser zeichnet für die Tiernummern verantwortlich. Mit dem Zirkus ziehen Kamele, Dromedare, Lamas, Alpakas, Guanakos, Pferde, Ponys und Esel umher.

Tiere sind Teil der Familie

Die Tiere gehören bei ihnen zur Familie, betont Alex Kaiser. „Bei uns gilt, erst unsere Tiere und dann wir“, ergänzt seine Mutter Jeanette Kaiser. Die Vierbeiner werden als letzte in den Wagen eingeladen, wenn der Zirkus weiterzieht, und dürfen als erste wieder heraus. Ein Pony ist seit 22 Jahren mit dabei, tritt aber seit fünf Jahren aus Altergründen nicht mehr in der Manege auf. Seinen Ruhestand darf es aber mit der Zirkusfamilie verbringen. „Ein Zirkus ohne Tiere ist ein Varieté“, meint Alex Kaiser.

Deshalb sei auch zu keiner Zeit zur Debatte gestanden, Tiere zu verkaufen, als im Zirkus keine Vorstellungen mehr stattfinden konnten. „Das würden wir niemals tun“, so die klare Ansage von Alex Kaiser. Dabei habe die Krise den Betrieb sehr stark getroffen. „Wir sind im März in Endingen am Kaiserstuhl gestrandet und dann war sechs Monate Schicht im Schacht.“ Große Unterstützung habe der Zirkus aber von der Stadt und der Bevölkerung erhalten. „Ohne sie hätten wir die Kosten nicht tragen können.“ Allein für die Tiere fallen täglich 250 bis 300 Euro an.

Die Kaisers erhielten unter anderem Heu von Landwirten, mussten für den Stellplatz nichts bezahlen und auch die Kosten für Strom und Wasser wurden ihnen erlassen. „Sehr viele Zirkusfreunde haben geholfen. Das war super toll.“ Die Familie organisierte auch Sammlungen. „Das machen wir sonst nicht, weil wir gar keine Zeit haben, aber man wird erfinderisch“, sagt Alex Kaiser. „Und als Familie steht man das durch.“

Mit Corona-Auflagen

Und wie funktionieren nun die Vorstellungen unter Corona-Bedingungen? „Die Besucher betreten nach und nach zunächst das Vorzelt, wo sich alle die Hände desinfizieren“, erklärt Alex Kaiser. Außerdem werden die Kontaktdaten erhoben. Mund- Nasen-Masken müssen bis zum Sitzplatz getragen werden, erst dort dürfen sie abgenommen werden. Auch Abstände gilt es einzuhalten, weshalb weniger Sitzplätze zur Verfügung stehen. Dafür finden mehr Vorstellungen statt. „Wir bleiben nun überall länger, damit jeder die Chance hat, den Zirkus zu besuchen.“ Denn der habe den Menschen gefehlt, weiß Jeanette Kaiser. „Viele kommen, manche sogar zwei oder drei Mal. Sie wissen auch, dass die Zirkusse gelitten haben und wollen uns mit ihrer Eintrittskarte unterstützen.“ In der Tierschau können Kinder die vierbeinigen Artisten übrigens einmal näher kennenlernen.

„Wir achten auf die Einhaltung der Auflagen, wollen den Menschen aber auch die Möglichkeit bieten, mal aus dem Corona-Alltag rauszukommen“, sagt Alex Kaiser. „Wir wollen trotzdem Spaß und eine besondere Atmosphäre bieten“, ergänzt seine Mutter. Viel Herzblut stecke in den Vorstellungen. „Es ist kein Job, um reich zu werden“, weiß der Sohn. Aber keiner der Zirkusleute wolle etwas anderes machen. „Der Applaus ist unser Lohn.“

Der Zirkus Edmund Kaiser gastiert von Freitag, 9., bis Sonntag, 18. Oktober, auf dem Parkplatz beim Dreiländergarten in Weil am Rhein. Vorstellungen finden täglich ab 16 Uhr statt (spielfrei sind Dienstag und Mittwoch), samstags ab 16 und 19 Uhr sowie Sonntag ab 14 Uhr (Sonntag, 18. Oktober, nur ab 11 Uhr). Am Donnerstag ist Familientag, Erwachsene zahlen Kinderpreise. Für die Zusatzvorstellung am Samstag ab 19 Uhr zahlen Besucher auf allen Plätzen zehn Euro. Der Vorverkauf findet täglich von 10 bis 12 Uhr an der Zirkuskasse statt. Eine Reservierung ist erbeten unter Tel. 0157/56690654.

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