Weil am Rhein Auf den Spuren Erwin Bowiens unterwegs

Tonio Paßlick
Diese Flusslandschaft hat Erwin Bowien im Jahr 1968 festgehalten. Foto: Dietmar Elke

Er gilt als einer der bedeutendsten Maler in der Geschichte der 3-Länder-Stadt. Bei einer Stadtführung können die Teilnehmer digital seine Gemälde mit den heutigen Ansichten vergleichen.

Mit vielen Öl- und Pastellbildern hat Bowien Zeitdokumente geschaffen – viele am Rhein, wo sein Vater einige Jahre lang nach 1934 Geschäftsführer der Rheinhafen-Gesellschaft war. Viele auch in Alt-Weil oder den Gemeinden sowie Naturlandschaften der Umgebung.

Einen kleinen Ausschnitt davon wird der frühere Kulturamtsleiter Tonio Paßlick am Sonntag, 7. April, ab 15 Uhr im Rahmen einer Stadtführung mit Bildvergleichen zeigen. Das heutige Bild wird per QR-Code mit den Gemälden verglichen, die Bowien vor rund 60 Jahren festgehalten hat. Das geht technisch wie bei dem Spiel Geo-Caching. Auf einem Spaziergang vom Schiffsanleger bei der Dreiländerbrücke (Treffpunkt) durch den Rheinpark können die Teilnehmer die QR-Codes entdecken und gleichzeitig Wissenswertes über das Leben des Künstlers erfahren, der 1972 in seinem Elternhaus an der Bühlstraße gestorben ist. Aber auch ohne Handy kann man an der Führung teilnehmen.

Elternhaus an Bühlstraße

Für den Stadtführer ist Erwin Bowien eine schillernde Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts, dessen Biografie neben seinen künstlerischen Zeugnissen auch sehr viele Aspekte der deutschen Geschichte beleuchtet. Geboren in Mülheim an der Ruhr erlebt Bowien Kinderjahre in Berlin, Jugendjahre im Schweizer Neuenburg, bevor er zur Wehrmacht eingezogen wird, um als Dolmetscher im Ersten Weltkrieg französische Stellungen abzuhören und Nachrichten zu übersetzen.

Erwin Bowien im Jahr 1969 im Schwarzwald Foto: zVg

Er studiert Kunst in München, Berlin und Dresden und kommt Mitte der 1920er-Jahre als Kunsterzieher nach Solingen, wo er bald zum engeren Kreis des literarischen Salons von Erna Heinen-Steinbach gehört. Nach dem Verlust seiner Anstellung an einem Gymnasium zieht der erklärte Nazi-Gegner samt seinem Atelier ins „Schwarze Haus“ ein. In einer umtriebigen Mischung aus künstlerischer Neugier und Rastlosigkeit unternimmt der junge Bowien in dieser Zeit zahllose Mal- und Studienreisen in die großen deutschen und europäischen Kulturstätten seiner Zeit: Nach Kassel, Aachen, Hamburg, Lübeck, Karlsruhe, Freiburg, Hildesheim, Prag, Wien, Oberitalien, Venedig, Holland und Paris führen ihn die Wege.

Als sein Vater Erich im Jahr 1934 Direktor des Weiler Rheinhafens wird, pendelt er häufiger zwischen Solingen und dem Elternhaus an der Bühlstraße, bevor er nach vielen Reisen in die Niederlande durch die Veränderungen in Deutschland beschließt, in Egmond aan den Hoef zu bleiben. Er zieht in ein altes Haus, das früher dem Philosophen René Descartes gehörte, und erwirbt sich einen künstlerischen Ruf, der bald auch zu Aufträgen des Rijksmuseums und der Krone führt.

Flucht durch Deutschland

Als die Wehrmacht 1940 Holland angreift, unternimmt er eine waghalsige Flucht durch Deutschland und landet schließlich im Allgäu, wo er abgelegen in Kreuzthal-Eisenbach die letzten zwei Kriegsjahre überlebt. Nach dem Krieg eröffnet er gemeinsam mit dem Ehepaar Heinen das „Schwarze Haus“ in Solingen als Künstlerhaus, unternimmt mit deren Tochter Bettina zahlreiche Kunstreisen nach Paris oder Norwegen und Algerien.

Nach dem Tod des Vaters beschließt er nach 1964, seine Mutter in Weil am Rhein zu pflegen. Dort blühen künstlerische und lyrische Talente in ihm noch stärker auf, als er Inken Strohmeyer kennenlernt, die er 1970 heiratet. 1973 verstirbt er in Weil am Rhein.

Stiftung pflegt Werk

Dank des unermüdlichen Einsatzes des Sohnes von Bettina Heinen-Ayech, des in München lebenden Arztes Dr. Haroun Ayech, pflegt eine Stiftung in Solingen nicht nur das Vermächtnis des dortigen Künstlerhauses, sondern auch das Werk von Erwin Bowien. Die Führung am Sonntag soll dazu animieren, sich noch intensiver mit Leben und Schicksal des Meisters des Pastellstiftes befassen zu wollen, wünscht sich Tonio Paßlick, in dessen Amtszeit mehrere Ausstellungen über Bowien gezeigt worden sind.

Die Teilnahme kostet fünf Euro pro Person. Eine Anmeldung wird gewünscht: persönlich in der Geschäftsstelle der VHS, Humboldtstraße 5, oder im Internet unter www.vhs-weil-am-rhein.de. Barzahlung ist nicht möglich, nur auf Rechnung oder Kartenzahlung. Von spontan dazukommenden Gästen ist es bei rechtzeitigem Erscheinen vor der Führung noch möglich, eine Anmeldekarte auszufüllen.

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