Weil am Rhein Aufgeben ist keine Option

Ingmar Lorenz
Eugenio Perini und seine Frau Marie führen das Traditionsgasthaus „Krone“ in Märkt. Foto: Ingmar Lorenz

Für den „Krone“-Wirt Eugenio Perini ist die Corona-Situation doppelt schwer. Nur kurze Zeit nach der Eröffnung im Jahr 2020 folgte der Lockdown. Ein Jahr später sieht die Lage noch immer düster aus. Aber Perini gibt nicht auf. Mit neuen Angeboten will er jetzt gegensteuern.

Von Ingmar Lorenz

Weil am Rhein-Märkt. Die Tische im Gasthaus „Krone“ in Märkt sind hübsch eingedeckt, die Gläser und das Besteck glitzern, die Servietten sind akkurat gefaltet. Alles ist bereit. Nur eines fehlt: die Gäste. Dabei sollte es gerade in diesen Tagen und Wochen in der „Krone“, genau wie in vielen anderen Gaststätten, brummen. Denn in normalen Zeiten würden die Weihnachtsfeiern den Gastronomen einen ordentlichen Umsatz bescheren. Aber es sind keine normalen Zeiten. „Ich hatte bislang mehr als 170 Absagen“, sagt Eugenio Perini, der das Lokal gemeinsam mit seiner Frau Marie betreibt. Fast täglich kamen zuletzt Anrufe und mit ihnen weitere Absagen für die bereits geplanten Weihnachtsfeiern.

Das ständige Auf und Ab, das Perini erlebt, zehrt an seinen Nerven. Für den „Krone“-Wirt war es doppelt schwer. Denn nur 15 Tage nach der Eröffnung im Oktober 2020 kam der zweite Lockdown und damit die Maßgabe, das erst kurz vorher eröffnete Lokal wieder zu schließen. „Wir haben das erste Jahr trotzdem irgendwie überstanden“, blickt er zurück. Denn auf den Rückschlag im Herbst 2020 folgte ein guter Sommer 2021. Das Hotel war ausgebucht, die Gartenwirtschaft voll besetzt. Dann aber stiegen die Corona-Zahlen wieder und die Furcht kam zurück. Die Buchungszahlen im Hotel fielen rapide und immer weniger Gäste kamen zum Essen ins Lokal.

Kritik an Entscheidungen auf politischer Ebene

Für Perini ist die aktuelle Situation fast wie ein Déjà-vu. „Die Leute haben Angst“, sagt er. Die steigenden Zahlen und die sich immer wieder ändernden Regeln sorgen für Verunsicherung. „Wir wissen einfach nicht, wie das weitergehen soll“, schaut der Gastronom einem weiteren harten Winter entgegen, auf den möglicherweise wieder ein Sommer folgt, in dem so viel los ist, dass es vor dem Hintergrund des akuten Personalmangels in der Gatro-Branche kaum noch zu bewältigen sein wird. „Das kann doch nicht ewig so weiter gehen“, fürchtet er, in einer möglichen fünften, sechsten und siebten Corona-Welle immer wieder dasselbe durchmachen zu müssen.

Dass es in Deutschland auch nach fast zwei Jahren noch nicht gelungen ist, der Corona-Lage Herr zu werden, ist aus Perinis Sicht nicht zuletzt einem Versagen auf politischer Ebene geschuldet. Während andere Länder inzwischen besser dastehen, seien die Corona-Zahlen hierzulande aktuell so katastrophal wie nie zuvor. „Es wurden von der Politik falsche Entscheidungen getroffen“, findet Perini klare Worte. Besonders im Sommer sei das Gefühl vermittelt worden, dass die Krise im Grunde schon ausgestanden sei. Man habe deshalb vieles verschlafen und falsch gemacht, erwähnt er unter anderem die Schließungen der Test- und Impf-Möglichkeiten und deren zuletzt überstürzt wirkenden Reaktivierungen. „Aber es war eben Wahlkampf.“ Es hätte klarere Ansagen seitens der Politik geben müssen, findet der Gastronom. Mit klareren und teilweise auch härteren Regeln hätte man verhindern können, dass die Corona-Zahlen jetzt wieder durch die Decke gehen.

Künftig auch Pizza auf der Speisekarte

Da die Lage nun aber so sei, wie sie ist, gelte es, das Beste daraus zu machen. „Aufgeben ist keine Option“, kommt im Gespräch mit Perini immer wieder dessen Optimismus zum Vorschein. Trotzdem merkt man, dass es ihm nicht leichtgefallen ist, den Weg einzuschlagen, auf dem er die „Krone“ in den kommenden Monaten durch die Corona-Krise steuern will.

„Wir haben uns entschlossen, künftig einen Liefer- und To-Go-Service anzubieten.“ Perini hat einen Pizzaofen angeschafft und erweitert sein Angebot deutscher Speisen nun um italienische Klassiker. Das ist für ihn eigentlich ein Schritt in die falsche Richtung, weil die „Krone“ ein im Dorf verwurzeltes Traditionsgasthaus mit gut-bürgerlicher Küche sei. „Aber was bleibt uns anderes übrig? Wenn die Gäste nicht mehr zu uns kommen können, kommen wir eben zu unseren Gästen.“

Wie Perini erklärt, wird es möglich sein, telefonisch oder auf der Internetseite zu bestellen. „Wir hoffen aber, dass es auch drinnen weitergeht“, weist der Gastronom darauf hin, dass er zudem weiterhin Speisen im Restaurant anbieten wird – unter anderem auch sein Weihnachtsmenü.

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