Weil am Rhein Aufwertung der guten Stube

Mitte 2019 erfolgte unter Beteiligung zahlreicher Bürger in Alt-Weil eine erste große Bürgerbeteiligung. Foto: Marco Fraune

Mit einer mehr als 100 Seiten umfassenden vorbereitenden Untersuchung liegt Verwaltung und Politik ein Konzept vor, mit dem das Sanierungsgebiet Alt-Weil voran gebracht werden soll. Nach Haltingen und Friedlingen kann damit die „gute Stube“ von Weil am Rhein aufgewertet werden.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Maßnahmen in Höhe von zirka 4,2 Millionen Euro sind für die nächsten 15 Jahre in dem Sanierungskonzept aufgeführt, wobei die Stadt mit einem Eigenanteil von 40 Prozent rechnet. Hinzu kommt aber noch eine nicht bekannte Höhe an Geld, das möglichst private Eigentümer in die Hand nehmen sollen, um ihre Grundstücke und Gebäude aufzuwerten. Denn: Die von der „Steg Stadtentwicklung“ vorgenommene Analyse ergab, dass „zahlreiche bauliche Mängel im privaten und im kommunalen Gebäudebestand sowie Defizite bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes vorhanden sind“.

Konkret geht es mit den ins Auge gefassten Maßnahmen um drei zentrale Ziele: Erhalt der dörflichen und sozialen Struktur, Verbesserung des öffentlichen und privaten Stadtgrüns und Anpassung bestehender Strukturen an Klimafolgen sowie drittens die Verbesserung der verkehrlichen Situation im Gebiet.

Vier Maßnahmenpakete

In einem Maßnahmenpaket ist die Schaffung einer „ins­zenierten Raumfolge für die zahlreichen Brunnen“ innerhalb des Sanierungsgebiets vorgesehen. Konkret geht es um mindestens acht Standorte: Narrenbrunnen, Lindenplatz, Hauptstraße 94, Kähnelgasse, Bäckerei Fuchs, Alte Post, Mühlenrain und Altes Rathaus. Mit dem Brunnenkonzept sollen die Brunnen aufgewertet und in den Verkehrsbereich einbezogen werden, wie Stadtbauamtsleiter Christian Renner am Montagabend im Ausschuss erklärte, der dem Gemeinderat einstimmig die Zustimmung zur förmlichen Festlegung des Sanierungsgebiets empfahl. Mit der Zustimmung zum Antrag verbunden sind dann das Neuordnungs- und Maßnahmenkonzept, die Kosten- und Finanzierungsübersicht sowie die in diesem Zusammenhang stehende Eigenfinanzierungserklärung. „Wir hoffen, dass wir in das Programm aufgenommen werden“, sagte der Stadtbauamtsleiter.

Im zweiten Paket enthalten sind Maßnahmen zur Verbesserung der Freiflächen. Am Läublinpark ist demnach eine moderate Ertüchtigung im Zusammenhang mit der neuen Tramhaltestelle vorgesehen. Am Lindenplatz, am Haltepunkt Weil-Ost und am Alten Rathaus sollen laut Konzept umfassendere gestalterische Maßnahmen erfolgen, heißt es. Und: „Die private Fläche Schlössli soll in Abstimmung mit den Eigentümern eine sukzessive Aufwertung erfahren.“

Eigentümer mit im Boot

Defizite werden auch am S-Bahn-Haltepunkt Weil-Ost gesehen, ein „sehr unansehnlicher Fleck“, findet auch Renner. Da sich Flächen hier im Privateigentum befinden, sieht das Konzept auch kommunale Grunderwerbe vor.

Mit im Boot sind beim Sanierungsgebiet aber auch und vor allem Privateigentümer. So sollen begleitend und ergänzend private Eigentümer bei der Umsetzung von Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen gefördert werden. Hier geht es um Modernisierung und energetische Sanierung, zum Teil aber auch um die Rettung von Ruinen vor dem Verfall. Ein Sanierungsberater wird laut Plan hier über Jahre hinweg auch als kompetenter Ansprechpartner agieren.

Weil am Rhein (mcf). Durchweg positiv aufgenommen wurde im Ausschuss, dass Alt-Weil nach Haltingen und Friedlingen ebenfalls ein Sanierungsgebiet werden soll.

Thomas Bayer (Grüne) setzt darauf, dass die Verwaltung proaktiv auf die Eigentümer von stark sanierungsbedürftigen Gebäuden zugeht. Es gelte, vor Augen zu führen, dass aus diesen ein Schmuckstück werden könne. „Den Eigentümern muss man auf dem Weg helfen.“

Johannes Foege (SPD) setzt mit der Umsetzung des Konzepts besonders auf die Verbesserung der verkehrlichen Situation. „Das ist einer der Knackpunkte.“ Seiner Ansicht nach ist die dörfliche Struktur bereits weitgehend verschwunden, der Rest müsse erhalten werden.

Axel Schiffmann (UFW) findet, das Alt-Weil noch einen sehr erhaltenswerten Teil-Bereich hat. Er regte an, bis zur Gemeinderatssitzung die exakte Abgrenzung des Gebiets nochmals zu prüfen. Bedenken äußerte er hinsichtlich der Beratungsintensität und damit der personellen Rathaus-Ressourcen.

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