Weil am Rhein Bläserklasse eine Erfolgsgeschichte

Siegfried Feuchter
Zwei leidenschaftliche Musiker: Dieter Steininger (l.), Leiter der Bläserklasse der Gemeinschaftsschule, und Andreas Kinzelmann, Sonderpädagoge und Musiklehrer Foto: Siegfried Feuchter

20 Jahre ist es her, seit die Markgrafenschule, einst eine Haupt- mit Werkrealschule, heute eine Gemeinschaftsschule, als eine der Ersten in der Region eine Bläserklasse aus der Taufe gehoben hat. Diese entwickelte sich in den zwei Jahrzehnten zu einer Erfolgsgeschichte.

Von Siegfried Feuchter

Weil am Rhein. Maßgeblichen Anteil daran hat deren Leiter Dieter Steininger. Seit 33 Jahren ist er als Lehrer an dieser Weiler Schule tätig, davon viele Jahre auch als Konrektor. Darüber hinaus spielt der bekannte Vollblutmusiker, der unter anderem 26 Jahre Dirigent der Stadtmusik war, als Trompeter in der Jazz-Band „Sugar Foot Stompers“ mit. Auch wenn die Trompete sein Lieblingsinstrument ist, fasziniert ihn ebenso das Klavierspiel.

Eigentlich ist Steininger, der sich im Zuge der Umstrukturierung zur Gemeinschaftsschule zum Lerncoach hat ausbilden lassen, mit seinen 67 Jahren bereits in Pension. Doch die Arbeit mit der Bläserklasse macht ihm so viel Spaß, dass er seit eineinhalb Jahren an drei Tagen in der Woche von Dienstag bis Donnerstag noch weiterhin Musik unterrichtet. Jahr für Jahr kann er dabei entscheiden, ob er noch weitermachen will. Und fürs nächste Schuljahr steht sein Entschluss bereits fest. „Ich höre noch nicht auf.“ Das angenehme Klima an der Schule, das gute Miteinander mit Kollegen und Schülern sowie die Arbeit mit der Bläserklasse im Besonderen bestärken ihn in seiner Entscheidung.

Das, was eine Gemeinschaftsschule sich zum Ziel gesetzt hat, zum Beispiel individuelles Lernen sowie Stärkung der Persönlichkeit und Sozialkompetenz, spiegelt sich auch in der Bläserklasse wider. „Sie ist ein Aushängeschild für die Gemeinschaftsschule“, sagt deren engagierter Leiter, als er im Gespräch mit unserer Zeitung zusammen mit Andreas Kinzelmann dieses bei Schülern beliebte Angebot näher beleuchtet.

Prägend für die musikalische Entwicklung

Für den Sonderpädagogen Kinzelmann, der Klarinette, Saxophon und Didgeridoo in der bekannten Freiburger Klezmer- und Balkan-Band „Die Haiducken“ spielt, war die Existenz einer Bläserklasse und die Begegnung mit Dieter Steininger vor vier Jahren maßgebend, dass sich der in Kirchzarten lebende 33-jährige Pädagoge für die Gemeinschaftsschule Weil am Rhein entschieden hat. Dritte im Bunde, die die drei Bläserklassen mit 70 Schülern unterrichtet, ist Julia Marion. Die Amerikanerin spielt Fagott und Flöte. „Wir sind ein gutes Team und verstehen uns bestens“, sagen die beiden Musiklehrer unisono.

Ab der 5. Klassenstufe können Kinder ohne musikalische Vorkenntnisse ein Blas- oder Rhythmusinstrument erlernen. Von der Klarinette über Trompete bis hin zur Querflöte stehen in der Bläserklasse der Gemeinschaftsschule acht verschiedene Instrumente zur Auswahl. Diese werden ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt. Bis zur 7. Klassenstufe wird die Bläserklasse geführt, dann können die Schüler in die Schulband wechseln oder im Jugendorchester der Weiler Stadtmusik, die Kooperationspartner ist, weiterspielen.

Fordern und fördern lautet die Devise. „Vor allem in der 5. Klassenstufe gibt es einige musikalische Talente“, sagt Kinzelmann sichtlich begeistert. Und zahlreiche Schüler sind so motiviert, dass sie ihr Musikinstrument immer wieder mit nach Hause nehmen und zusätzliche Übungseinheiten einlegen.

Lob geht an Stadt und private Initiative

Steininger freut sich, dass die qualifizierte Betreuung in der Bläserklasse Früchte trägt und lobt die Stadt für deren Unterstützung: „Es ist großartig, wie sie uns als Schulträger mit Instrumenten versorgt. Das ist einfach super.“ Auch erwähnt er anerkennend eine private Initiative. So hat Christine Indri, die Frau des 2018 verstorbenen Musikers Mario Indri, nach dessen Tod sämtliche Rhythmusinstrumente der Bläserklasse vermacht.

Wie erfolgreich die Schüler lernen, demonstrieren sie ab der 6. Klasse als Blasorchester immer wieder nicht nur bei internen Anlässen in der Schule, sondern auch bei verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen. Dazu gehören zum Beispiel die Eröffnung des Weiler Weihnachtsmarkts, Auftritte beim Bläserfestival, beim Oberschulamt Freiburg, in Altenheimen oder ein Gastauftritt auf der Insel Mainau.

Nach der Corona-Pandemie, durch die der Übungsbetrieb der Bläserklasse und der Unterricht ins Stocken geraten sind, und Proben mit den Blasinstrumenten nur zeitweise und sehr eingeschränkt möglich waren, freuen sich die drei Lehrkräfte, wie die Schüler mit neuem Schwung wieder ambitioniert bei der Sache sind.

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