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Weil am Rhein Café Biene in Haltingen schließt

Beatrice Ehrlich
Ende einer Etappe: Serkan Kabakci vor dem „Café Biene“ in Haltingen Foto: Beatrice Ehrlich

Der Besitzer Serkan Kabakci zieht sich aus der Gastronomie zurück. Zur Belebung der Innenstadt würde er sich mehr Zusammenhalt wünschen.

Das Café Biene in Haltingen schließt. Serkan Kabakci, der die ehemalige Bäckerei in der Freiburger Straße zuletzt als Café mit einem Schwerpunkt auf Frühstück und Brunch betrieben hat, zieht sich aus der Gastronomie zurück. Einen Nachfolger gibt es bisher nicht.

Ein Treffpunkt mit Frühstück und Brunch

2018 hatte Kabakci in Haltingen angefangen, wo er auch mit seiner Familie wohnt. Sein Café sollte ein Treffpunkt sein, an dem Netzwerke geknüpft werden.

Seine soziale Ader kam dem ehemaligen Berufssoldaten der Bundeswehr, der in der Truppe für Operative Kommunikation lange in Afghanistan und zuletzt in Litauen als Bindeglied zwischen der örtlichen Zivilgesellschaft und dem dort stationierten Militär tätig war, in seinem neuen Beruf zugute. Der 37-jährige Gastronom begrüßt jeden mit Handschlag, kennt die Gäste beim Namen und weiß bei jedem Stammgast schon, was er ihm bringen muss. „Serkan, mach mir was“, sei der zweite Name seines Cafés, lacht er. „Serpme“, ein „gestreuter Tisch“ ist seine Spezialität – ein reichhaltig bestückter Frühstückstisch. „Es ist schizophren: Ich gebe einen Laden auf, der läuft“, sagt er. Gastgeber zu sein, liegt bei ihm gewissermaßen in der Familie: Sein Vater hatte früher zwei Restaurants in Lörrach.

Bis zu einem gewissen Punkt sei ihm das mit dem Netzwerken geglückt, sagt er. Bürger aus Weil und Haltingen habe er ebenso willkommen heißen können wie Vereine und Betriebe, etwa bei Weihnachtsfeiern, aber auch Menschen, die wie er einen türkischen Hintergrund haben und sein besonderes Speisenangebot schätzen.

Die Kosten werden immer höher

Es sei mehreres zusammengekommen, um jetzt einen Schlussstrich zu ziehen, sagt er. Neben dem Stress durch die Corona-Pandemie, der Rückkehr zur höheren Mehrwertsteuer und der Kostensteigerung durch die Inflation sei das zuletzt eine deftige Mieterhöhung um rund 500 Euro auf einen Schlag gewesen, sagt er. Im Vergleich zu seinem Beginn im Jahr 2018 mit damals 1600 Euro im Monat hätte er künftig fast das Doppelte zahlen müssen. Der sich daraus ergebende Quadratmeterpreis liege weit über der ortsüblichen Vergleichsmiete für Gewerbe, rechnet er vor. Gleichzeitig habe er rund 40 000 Euro in die Räume investiert: in neue Sanitäranlagen, die Heizung und die Küche.

Nun will sich der verheiratete Vater eines sechsjährigen Sohns ganz auf sein zweites Standbein als beruflicher Betreuer fokussieren.

Kabakci sieht, dass auch um ihn herum viele Geschäfte schließen, allein sechs seien es in jüngster Zeit in der Freiburger Straße gewesen. Seinen Abschied möchte er daher zum Anlass nehmen, einen Denkanstoß an die Stadtverwaltung zu richten: Es müsse ein Konzept, einen Plan geben für die Innenstadt, sowohl für Weil als auch für Haltingen. Es brauche einen „runden Tisch“ und den erklärten Willen, bestimmte Angebote am Ort zu halten.

Ende Mai ist endgültig Schluss

Die Gewerbebetreibenden müssten an einem Strang ziehen und für gemeinsame Ziele kämpfen. Nur so könne man vermeiden, dass sich gefühlt immer nur die gleichen Geschäfte ansiedeln. Seine Inneneinrichtung, vieles davon selbst gebaut, will Kabakci einlagern. Vielleicht ergibt sich doch noch irgendwann wieder etwas, sagt er. Nach diesen Worten wendet sich Kabakci wieder seinen Gästen an diesem Nachmittag im April zu: einer Gruppe von Menschen mit Behinderung aus dem St. Josefshaus in Herten, die bei einem Ausflug zum Tierpark „Lange Erlen“ bei ihm eine Station eingelegt haben.

Information:

Das Café Biene
  in Haltingen ist von Montag bis Sonntag jeweils von 6 bis 14 Uhr geöffnet, einschließlich der Feiertage am 1. und 9. Mai sowie am Pfingstsonntag, 19., und am Pfingstmontag, 20. Mai. Am Samstag, 27. April, ist betriebsbedingt geschlossen.

Gutscheine
können bis Ende Mai eingelöst werden.

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