Weil am Rhein Damit der Dialekt nicht verstummt

Victorine (Christiane Ziegler) im Badelook von anno dazumal in einer vergnüglichen Szene aus der elsässischen Komödie „Dr Schwindelmeyer“ im TAM. Foto: Jürgen Scharf

Weil am Rhein - Nicht auf deutsch, nicht auf französisch: Theater auf Elsässisch. Beim „Cercle Théatral Alsacien“ aus Mulhouse reden sie, wie ihnen „der Schnabel gewachsen ist“. Der Kulturtransfer zum Theater am Mühlenrain (TAM) hat Tradition, und so war die elsässische Dialektbühne wieder einmal mit einem Schwank an zwei Abenden zu Gast.

Man hört viel vom langsamen Tod des Elsässischen; die Sprache ist am Aussterben. Offiziell spricht man Französisch, elsässisch meist nur privat. Von den jungen Leuten kann kaum noch einer Dialekt. Dass die Großelternsprache nicht verstummt und das Elsass nicht sprachlos wird, dafür sorgen elsässische   Laienspielgruppen wie dieser „Cercle“ mit solchen Stücken wie „Dr Schwindelmeyer“ von Claude Dreyer, einem Lustspiel in drei Akten, ganz in der Tradition des Volks- und Lachtheaters.

Wer dieses elsässischsprachige Amateurtheater auf der Weiler Kleinkunstbühne gesehen hat, dem muss um das Überleben dieser Regionalsprache nicht bange sein. Wenn elsässisch parliert wird in einer solchen Komödie, dann hält das den Dialekt lebendig, nicht nur als Sprachfolklore, sondern als gelebte Mundart.

Als alemannischer Zuhörer muss man aber schon gut aufpassen, denn manche der alten elsässischen Ausdrücke sind nicht auf Anhieb zu verstehen. Und man kann ja nicht während der Vorstellung beim elsässischen Sprachamt anrufen...

Es geht ums Älterwerden

In dem Stück geht es um das Älterwerden, um eine Seniorenresidenz und den Tod einer Frau, deren Sohn in Amerika Karriere gemacht hat, zu Dollarmillionen gekommen ist und zurückkommt an den Ort, wo seine Mutter zuletzt gelebt hat – im Heim. Dass er sich da gleich in die junge hübsche Pflegerin verliebt, muss ja sein, denn auch der elsässische Schwank ist ähnlich wie jede andere Posse. Dass der junge Mann aber durch ein Missgeschick im Rollstuhl landet und als Schwerbehinderter bemuttert wird, bis der Schwindel auffliegt und er als „Schwindelmeyer“ enttarnt wird, gehen unterhaltsame Stunden ins Land.

Das Stück ist zwar turbulent, aber die Inszenierung von Suzanne Holzer drückt nicht so sehr aufs Tempo. Das Mulhouser Ensemble hat beim Spielen die Ruhe weg und orientiert sich an Victorine, die wie eine Geisha mit kleinsten Schritten trippelt und sich mit dem Standardsatz „Bin gleich wieder da“ verabschiedet – ein echter Running Gag.

Christiane Ziegler ist der gute Geist und die Mutter des Ganzen, und man lacht über ihren trockenen Humor. Ein weiterer Mitbewohner ist der schwerhörige Remy, den Pierre Risacher als Wurzelsepp mit Zipfelmütze und Spitzbärtchen spielt. Dann gibt es noch den Concièrge, also den Hausmeister, und den Maire, den Bürgermeister der kleinen Ortschaft (Thierry Hartmann mit Schärpe), den man als „Typen“ sofort erkennt.

Das junge Hauptpaar sind Brice Hartmann als Lucas, der dummerweise im Rollstuhl sitzt, und Marylou, die dem angeblichen Don Juan (und das ist schon zum Brüllen komisch!) ein Baiser, gezuckerten Eischnee, ins Gesicht wirft – ganz wie in der Slapstickkomödie.

Da sind dann endgültig alle Sicherungen durchgebrannt, und man lacht über die Situationskomik. Carla de Franceschi als junge Naive Marylou bemüht sich zwar um perfekte Aussprache des Elsässischen und spricht wie alle anderen Darsteller überlegt, aber doch etwas bemüht und stockend, als müsste sie die elsässischen Begriffe erst rückübersetzen.

Am Ende dieses amüsanten Abends muss es so kommen: Marylou wird Lucas’ „Direktorin im Büro und im Herzen“, das Publikum atmet hörbar auf und alles endet als romantische Komödie: Mein lieber Scholli!

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