Weil am Rhein Damit es in 1700 Stuben warm wird

Weil am Rhein - Wärme für 1700 Haushalte: Mit einer ansprechenden Architektur und einem hohen gestalterischen Anspruch, aber ohne sichtbare Abgasfahne aus den Schornsteinen soll sich die neue Heizzentrale ab Mitte nächsten Jahres an der Römerstraße präsentieren. In siebeneinhalb Metern Tiefe liegt jetzt der „Grundstein“ in Form einer Betonbodenplatte.

Auf insgesamt vier Ebenen wird von hier aus die Anlagentechnik gestapelt, die Hälfte unterirdisch, die andere Hälfte ebenfalls auf siebeneinhalb Metern hoch oberirdisch. Hinzu kommen noch zwei Schornsteine, die metallverkleidet 20,5 Meter in den Himmel ragen. Dort soll sich mit dem Betriebsstart zum Beginn der Heizperiode 2019 aber kein Wasserdampf abzeichnen. „Man sieht oben nichts“, versprach Architekt Andreas Leisinger von dem gleichnamigen Lörracher Architekturbüro gestern bei einem Pressetermin. Möglich wird dies durch einen großdimensionierten Elektrofilter und einen Kondensationswärmetauscher, der die Restwäme des Wasserdampfes im Abgas nutzt. Beides dient jedoch vor allem der hohen Effizienz des Systems.

Doch nicht nur der Nutzwert, sondern auch das Erscheinungsbild treibt die Stadt um. Bürgermeister Rudolf Koger, der zugleich kaufmännischer Leiter der Stadtwerke und damit Bauherr ist, betonte gestern vor Ort am Weiler Ortseingang. „Wir haben architektonisch was zu bieten.“ Da der Bau nur wenige Meter vom bedeutenden Vitra-Campus entfernt liegt, sei auf die Gestaltung ein besonderes Augenmerk gelegt worden. „Es ist nicht nur ein rein funktionales Gebäude“, verweist Architekt Leisinger auf einen Sichtbetonbaukörper, der eine städtebauliche Präsenz an der Römerstraße schaffe. Der darunter platzierte Glaskörper gebe dem Gebäude eine gewisse Leichtigkeit. „Die reduzierte Architektur aus Sichtbeton und Profilglas präsentiert sich selbstbewusst an der Ortseinfahrt und setzt ein städtebauliches Zeichen“, beschreiben die Verantwortlichen das Bauwerk. Die transluzente Hülle lasse die technischen Komponenten von außen zudem erahnen. Auf dem Dach soll die Photovoltaikanlage außerdem 20 Prozent des Strombedarfs der Zentrale erzeugen. Die Baukosten der Heizzentrale betragen 2,5 Millionen Euro.

Angesichts einer Wärmeliefermenge der Heizzentrale von bis zu 10 000 Megawattstunden sollen zirka 1700 Haushalte versorgt werden können. Der Großteil entfällt auf die Gebäude im angrenzenden Neubaugebiet „Hohe Straße“, wo künftig etwa 1000 Menschen leben.

Damit diese Bürger es in ihren eigenen vier Wänden warm haben, aber nicht von der zwei bis drei Mal wöchentlich anstehenden Anlieferung der Holzhackschnitzel durch die Lastwagen gestört werden, konzentriert sich die Technik in dem knapp fünfeinhalb Meter breiten Bau auf einer Länge von 26 Metern entlang der Römerstraße. Die Laster fahren also auf das Gelände, entladen den zerkleinerten Rohstoff aus den heimischen Wäldern und fahren über die Römerstraße wieder fort. Leisinger: „Das Wohngebiet wird nicht tangiert.“

Eckpfeiler im Wärmenetz

In Ost-West-Richtung ist der Hackschnitzelbunker mit einem Fassungsvermögen von 150 Kubikmetern angesiedelt. Die verschlossenen Aschecontainer werden außerdem über eine Kranbahn im überdachten Bereich der Ausfahrt auf dem Lkw abgesetzt, damit das Material entsorgt oder weiterverwertet werden kann.

Als „wichtigen Eckpfeiler im Fernwärmenetz“ bezeichnet Bürgermeister Koger die Heizzentrale an der Römerstraße. Die weiteren zwei Pfeiler des Dreiecks bilden das Blockheizkraftwerk an der Gemeinschaftsschule und künftig auch das vorgesehene Blockheizkraftwerk am Kant-Gymnasium.

Der Grundstein für das Wärmenetz Weil/Bleichäcker wurde vor 18 Jahren gelegt. Schon jetzt befinden sich 2219 Meter Wärmeleitung in Betrieb, durch das Neubaugebiet „Hohe Straße“ kommen nochmals etwa 1500 Meter hinzu, womit es dann künftig 3,7 Kilometer Wärmeleitungen in Weil am Rhein gibt.

Während es für die Neubaugebiet-Bewohner einen Anschluss- und Benutzungszwang der Fernwärme gibt, rührt die Stadt auf der Leopoldshöhe im Rahmen des Quartierskonzepts die Werbetrommel für die Nutzung der regenerativen Energie. Denn nach der Inbetriebnahme der Heizzentrale an der Römerstraße kann rund 40 Prozent der Wärme über ein hocheffizientes Blockheizkraftwerk erzeugt werden und knapp 60 Prozent aus Holzhackschnitzeln. Erdgas und Heizöl sollen nur noch im Notfall und zur Spitzenlastabdeckung zum Einsatz kommen. Rund 75 Prozent CO2-Emissionen werden laut Stadtwerke mit dem neuen Konzept eingespart.

Vitra nicht angeschlossen

Obwohl der Vitra-Campus unweit der Heizzentrale liegt, will das Unternehmen nicht ans Fernwärmenetz angeschlossen werden. Mit Vitra seien Gespräch geführt worden, erklärte Koger auf Nachfrage. Da man dort aber über Swap günstiger an Strom komme, habe das Unternehmen abgewunken. „Für Vitra macht es im Moment keinen Sinn“, weiß Koger.

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